Studienbesuch des Museumsbundes Fachkundiger Besuch im Bramscher Tuchmacher-Museum

Von Heiner Beinke

In der Kornmühle begrüßte Bürgermeister Heiner Pahlmann die Museumsmitarbeiter zu ihrer Fachtagung. Foto: Heiner BeinkeIn der Kornmühle begrüßte Bürgermeister Heiner Pahlmann die Museumsmitarbeiter zu ihrer Fachtagung. Foto: Heiner Beinke

be/pm Bramsche. In der Kornmühle des Tuchmacher-Museums Bramsche hat am Mittwoch eine mehrtägige Fachtagung des Deutschen Museumsbundes begonnen. Ausgewählte Museumsfachleute aus dem gesamten Bundesgebiet diskutieren dabei die Frage, wie Museen für Besucher möglichst interessant gestaltet werden können.

In der Kornmühle begrüßte Museumseiterin Kerstin Schumann die Kolleginnen und Kollegen, die aus den unterschiedlichsten Häusern kommen. „Wir sind schon ein bisschen stolz, bei dieser Tagung die erste Station zu sein“, betonte sie. Im Kern gehe es um die Frage, wie die Kernaufgaben Information und Unterhaltung zusammen gebracht werden könnten. Die „erfreulich heterogene Gruppe“ werde in diese Diskussion „ganz verschiedene Bedingungen und Erfahrungen“ einbringen, war sie überzeugt.

Bürgermeister Heiner Pahlmann betonte in seinem kurzen Grußwort die besondere Bedeutung des Tuchmacher-Museums für die Stadt Bramsche. Die Tuchmacher und die damit zusammenhängende Kultur seien „für die ganze Stadt ein wichtiger Identifikationsfaktor“. Dass dabei ihn der Politik über die Ausrichtung des Museums diskutiert werde, sei normal, meinte Pahlmann mit Blick auf die letzte Sitzung des Fachausschusses für Schule und Kultur. „Eine Diskussion über die Kosten werden wir wohl immer haben“, zeigte er sich überzeugt.

Konzepte vorgestellt

Wie wird eine Dauerausstellung zum Publikumsmagneten? In der Tagung stellte Kerstin Schumann die Bramscher Konzeption vor. Wie weckt man das Interesse der Besucher für die Tuchmacherei, in einer Zeit, in der die Textilherstellung in Deutschland kaum noch eine Rolle spielt? Die Produktion auf historischen Maschinen in einem Baudenkmal sei das Alleinstellungsmerkmal des Tuchmacher Museums Bramsche. Die Zukunft dieses Bereichs wurde erst kürzlich mit der Einstellung von zwei neuen Museumtechnikern gesichert.

Wie schafft man es jetzt auch, die übrigen Bereiche des Museums so zu gestalten, dass sie den historischen Produktionsbetrieb ergänzen und eine zukunftsfähige Dauerausstellung schaffen, die die Bedürfnisse der Besucher trifft? Diese Frage wurde im Rahmen des Projekts „Hauptsache Publikum? Das besucherorientierte Museum“ diskutiert Es wurde von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien initiiert und gefördert. Für den Studienbesuch wurden neben dem Tuchmacher Museum unter anderem das Focke Museum – Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte sowie die Hamburger Kunsthalle als besonders interessante Studienobjekte ausgewählt. Alle drei Häuser beschäftigen sich derzeit intensiv mit der Besucherorientierung ihrer Ausstellungen und Angebote.

Für Museumsleiterin Kerstin Schumann kommt der fachkundige Besuch gerade zur rechten Zeit: „Bei der Neugestaltung der Ausstellungsbereiche wollen wir die Bedürfnisse der Besucher von Anfang an im Blick haben“, betont sie. Schon jetzt tue sich einiges im Hinblick auf die Besucherorientierung. Am vergangenen Freitag wurde die neue Ausstellungsreihe „Schulen im Museum“ mit einer sehenswerten Präsentation der Realschule Bramsche gestartet, am 27.02. finden erstmals die „Stadtgespräche“ zu aktuellen Themen der Stadt im Museum statt. Das Angebot für Schulen, Kindergeburtstage und Ferienworkshops wurde erweitert und am 10. Juni geht mit dem „Schafstag“ eine neue Veranstaltung für die ganze Familie an den Start.

Einnahmen gesteigert

„Natürlich wollen wir möglichst viele Besucher für das Museum begeistern“, sagt die Museumleiterin. „Aber es geht nicht nur um Zahlen, sondern auch um die Qualität und Nachhaltigkeit unserer Angebote und die Zufriedenheit unserer Gäste. Im Jahr 2006 hatten wir 29.291 Besucherkontakte, das waren aber nicht nur zahlende Besucher, sondern auch Besucher des Museumsladens und der Touristinfo, die am Empfangstresen beraten wurden. 2017 hatten wir 28.897 dieser Besucherkontakte. Seit der Einführung des elektronischen Kassensystems 2013 ist es möglich, die tatsächlichen Besucher aus dieser Zahl heraus zu rechnen – 2017 waren das 12.287 Gäste. Die Einnahmen des Museums konnten in diesem Zeitraum sogar wesentlich gesteigert werden. Im Vergleich: 2006 waren es 49.070 Euro, 2016 wurden 78.332 Euro und 2017 sogar 80.921 Euro generiert.“