Sozialausschuss tagte Geld für Bramscher Amal-Flüchtlingshelfer statt für Biku

Von Hildegard Wekenborg-Placke

Bis auf den letzten Platz gefüllt war der kleine Sitzungssaal des Bramscher Ratshauses bei der Debatte um die Unterstützung für die Flüchtlingshelfer von Amal e.V. Foto: Hildegard Wekenborg-PlackeBis auf den letzten Platz gefüllt war der kleine Sitzungssaal des Bramscher Ratshauses bei der Debatte um die Unterstützung für die Flüchtlingshelfer von Amal e.V. Foto: Hildegard Wekenborg-Placke

Bramsche. Die Stadt Bramsche wird die Flüchtlingshelfer von Amal e.V. nach der Meinung des Sozialausschusses mit 4500 Euro aus dem Haushalt 2018 unterstützen. Möglich wird das, weil die unter schweren strukturellen Problemen und Mitgliederschwund leidende Bramscher Initiative für das Miteinander der Kulturen (BIKU) auf den ihr jahrenlang gewährten Zuschuss von 2500 Euro verzichtete.

Zum Hintergrund: Der 2009 in Bramsche gegründete Verein Amal mit der Vorsitzenden Heike Harms hat mittlerweile mehr als 40 Mitarbeitern aus den verschiedensten Nationen. Bis Oktober organisierten die Flüchtlingshelfer, die in der LAB tätig sind, aber auch Migranten und Geflüchtete in Bramsche betreuen, die Vereinsarbeit von ihren Privatwohnungen aus. Schwerpunkte sind unter anderem die psychosoziale Begleitung der Geflüchteten, deren Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt, aber auch das Begegnungscafe in der katholischen St. Martinusgemeinde. Im Oktober 2017 konnte der Verein Räume in der sogenannten „gelben Villa“ am Struwen Eck beziehen, wo ein kleines Büro, ein Beratungsraum, ein Musikraum und ein Raum für die Amal-Band zur Verfügung stehen. Für ein Jahr wird der Treff aus Mitteln des Bundeslandwirtschaftsministeriums gefördert. Diese Startfinanzierung läuft im Oktober 2018 aus, sodass Amal e.V. die Stadt um Übernahme der Miete von 670 Euro monatlich für zwei Jahre ersuchte.

In Anbetracht der angespannten Haushaltslage sprach sich Maximilian Busch (SPD) zwar zunächst gegen den Antrag aus, sah allerdings eine Chance in der zuvor von der Verwaltung angekündigten Wegfall der Mittel in Höhe von 2500 Euro für die Biku. Die jahrelang durchaus rührige Initiative steht derzeit durch einen personellen Umbruch auf Vorstandsebene und einen eklatanten Mitgliederschwund auf sehr wackligen Füßen. Daniela Hackbarth, die mit einer Vorstandskollegin derzeit fast allein die Biku darstellt, erhob darum auch keinen Widerspruch gegen die Streichung des Zuschusses und erklärte sich einverstanden, als Busch anregte, das freigewordene Geld Amal zuzusprechen. „Wir wollen unsere Arbeit durchaus wieder aufbauen, aber wir haben dafür ein Polster und würden deshalb Amal unterstützen“;sagte sie.

Ehrenamtskoordinatorin Maria Stuckenberg unterstützte den Vorschlag und wies darauf hin, dass die Biku bereits zur Zeit des großen Flüchtlingszustroms 2015 nicht mehr arbeitsfähig gewesen sei, Amal dagegen während dieser Zeit und später „wahnsinnig engagierte Arbeit“ geleistet habe. „Beeindruckend, was da geleistet wird“, fand auch die Ausschussvorsitzende Anke Hennig (SPD). „Amal braucht Sicherheit, zumindest für ein Jahr“, forderte Josef Riepe (Die Linke). „Der Biku-Vorschlag lässt uns einen Stein vom Herzen fallen“, fand Katrin von Dreele für die CDU, die zunächst wegen der knappen Kassen für die Ablehnung des Antrages votieren wollte. Marius Thye von den Grünen bezeichnete schließlich die Integration von Flüchtlingen als „die Zukunftsaufgabe unserer Gesellschaft“. „Obwohl wir uns mit dem Ausgeben immer schwertun“ schlug er eine Förderung in Höhe von 4500 Euro vor, die durch Einsparungen an anderer Stelle möglich sein müsse. Damit wäre die Miete bis März gesichert. Busch erinnerte daran, dass das Dorfhelferinnenwerk keine Unterstützung mehr angefragt habe, die 4500 Euro also mehr als abgesichert seien.

Zur großen Freude von Heike Harms und zahlreichen Amal-Mitgliedern, die die Sitzung gespannt verfolgten, nahm der Ausschuss den Vorschlag Thyes einstimmig an.

„Respekt“-Projekt muss mit weniger Geld auskommen

Mit weniger Geld als erhofft ging am Mittwochabend auch Jan Rathjen vom Bramscher Präventionsrat nach Hause. Rathjen hatte eine Aufstockung der üblichen Fördermittel in Höhe von 1000 Euro zuzüglich 3000 Euro für das Präventionsprojekt PaC um 13000 Euro für die Umsetzung des Projekts „Miteinander mit Respekt in Bramsche“ beantragt. Er erhoffte sich von der Unterstützung durch die Stadt eine Signalwirkung für andere Sponsoren. „Wenn die Stadt nichts gibt, geben die anderen auch nichts“, gab er zu bedenken. „Respekt“ solle sich mit den Risiken auseinandersetzen, denen junge Menschen heute ausgesetzt seien, wie Medikamentenkonsum, Depressionen und Ängste, Mobbing, Diskriminierung und Intoleranz, aber auch Partnergewalt und diese Thematik stärker in den Fokus der Öffentlichkeit bringen. Gedacht sei unter anderem an Workshops, Plakatkampagnen, Veranstaltungen oder Ausstellungen. Den Ausschussmitgliedern war das allerdings noch nicht konkret genug. Stephan Bergmann schlug deshalb vor, die Stadt solle als Motivation für die Organisatoren, auf jeden eingeworbenen Euro, „bis zur Höhe von 2500 Euro einen Euro drauflegen“. Damit konnte sich alle Fraktionen arrangieren, sodass die Empfehlung an den Rat im Sinne Bergmanns einstimmig erfolgte.

Geld für Sportvereine

Der Ausschuss empfahl weiter, den Förderunganträge des Reitervereins Engter für Pferdeboxen und Strohlager, des SC Epe-Malgarten für eine Rasendrainage und des Tennisclubs Bramsche für ein Holz-Gerätehaus zuzustimmen. Grundsätzlich sollen aber die Förderrichtlinien überprüft werden, da sich erwiesen hat, dass die Antrgasfristen von den Vereinen kaum ein zuhalten sind.

Zuschuss für BilLi bleibt

Mit Mehrheit empfahl der Ausschuss, die im Vorjahr für zwei Jahre bewilligte Unterstützung für die Bildungseinrichtung BilLi des Humanistischen Vereins im Haushalt zu belassen. Marius Thye (Die Grünen) hatte beantragt, die Förderung zu streichen, um eine Gleichbehandlung mit anderen Bildungsanbietern zu gewährleisten. „Wir müssen uns das leisten“, sagte Riepe (Die Linke). Bergmann (SPD) unterstrich, die Politik müsse zu ihren Zusagen stehen, um Planungssicherheit zu gewährleisten. Der Thye-Antrag wurde schließlich mit Mehrheit abgelehnt.

Mehr Geld für Universum-Mitarbeiter

Der Personalkostenzuschuss gemäß dem Vertrag mit Universum e.V. für das Jugendzentrum „Alte Webschule“ soll um 17 000, der für den Kindertreff Meyerei um 12 000 Euro angehoben werden. Auch das empfahl der Sozialausschuss einstimmig.