Serie „Kunden und ich“ Bramscher Bademeisterin über vergessene Schuhe und Streit um Duschen

Von Nadine Grunewald

Nadine Schäfers nimmt eine Probe, um den Zustand des Wassers zu kontrollieren. Foto: Nadine GrunewaldNadine Schäfers nimmt eine Probe, um den Zustand des Wassers zu kontrollieren. Foto: Nadine Grunewald

Bramsche. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 13: eine Meisterin für Bäderbetriebe.

Nadine Schäfers ist Meisterin für Bäderbetriebe bei den Stadtwerken Bramsche. Im Hasebad muss die 32-Jährige nicht nur den Schwimmbereich beaufsichtigen, sondern auch Reparatur- und Technikarbeiten durchführen und Kurse planen. Im Interview spricht sie über vergessene Schuhe, Streitereien um Duschen und ob Badegäste ins Wasser pinkeln.

Wie oft müssen Sie „Nicht vom Beckenrand springen!“ rufen?

Wenn ich Spätschicht habe, passiert das öfter mal. Nachmittags kommen viele Kinder, die sind aufgeregt und wollen Action. Die muss man dann nett ermahnen. Der ein oder andere probiert es dann später noch mal. Im Großen und Ganzen sind sie aber alle ganz pflegeleicht.

Sind Sie schon mal ins Becken geschubst worden?

Das hat sich noch niemand getraut (lacht). Da drohe ich aber auch mit lebenslangem Badeverbot. Manche älteren Männer wollen es trotzdem versuchen, aber letztlich wagen sie es nicht. Nass gemacht wird man aber des Öfteren.

Können Kinder heute schlechter schwimmen als früher?

Das kann ich nicht sagen. Aber es ist erschreckend, wie viele Kinder nicht oder nur schlecht schwimmen können.

Wie häufig denken Sie bei Erwachsenen, dass sie noch mal einen Schwimmkurs besuchen sollten?

Nicht so oft. Manchmal denke ich ‚Oh Gott, wie schwimmen die denn‘, aber über Wasser können sich alle halten. Schwimmen ist nicht jedermanns Sache und viele kommen auch nur, weil sie denken, sie müssten jetzt mal wieder schwimmen gehen.

Mussten Sie schon mal ins Wasser springen und jemanden retten?

Das ist in all den Jahren vielleicht fünf, sechs Mal passiert. Es geht öfter um Kinder, ich musste aber auch schon mal einen Erwachsenen rausziehen, der nicht dachte, dass es am Ein-Meter-Brett so tief ist. In so einem Moment klopft mein Herz bis zum Anschlag und das ganze Schwimmbad ist still. Ich denke dann gar nicht groß nach. Wiederbeleben musste ich glücklicherweise noch niemanden. Wenn ich sehe, dass Eltern ihre Kinder unbeaufsichtigt lassen, werde ich wütend.

Haben Sie schon mal einen Badegast erwischt, der ins Becken gepinkelt hat?

Manchmal sieht man Kinder auf der Rinne stehen, die etwas verlieren. Im Wasser sieht man das zum Glück ja nicht. Ich will das eigentlich auch gar nicht wissen...

Würden Sie jemals ohne Badelatschen ins Schwimmbad gehen?

Nein. Ich habe immer Badelatschen an, das ist eine Berufskrankheit. Fußpilz hatte ich aber noch nie.

Der Chlorgeruch und die Hitze hier im Bad – wie halten Sie das den ganzen Tag aus?

Das ist reine Gewöhnungssache. Ich rieche das Chlor schon gar nicht mehr – es sei denn, ich komme grade aus dem Urlaub wieder oder hatte den ganzen Sommer über Dienst im Freibad. Ich habe aber gerne 30 Grad um mich, dafür friere ich schneller.

Wie viele vergessene Schwimmbrillen liegen hier im Fundbüro?

Viele. Auch Tornister oder Schuhe, von Kindern wie von Erwachsenen. Ich habe keine Ahnung, wie die Leute gerade im Winter ohne Schuhe nach Hause kommen. Im Eifer des Gefechts, wenn man alle seine Sachen zusammensucht, vergisst man vielleicht mal was. Manche Sachen, auch teure, werden hier aber auch gar nicht abgeholt.

Und was sammelt sich auf dem Beckenboden so an?

Taucherringe, Haare, Sand, Ohrringe oder auch Schlüssel...

Kommt es hier auch mal zu Konflikten mit und zwischen den Badegästen?

Die Gäste streiten sich mal um den Parkplatz, ihren Schrank, ihre Dusche oder ihre Bahn. Wenn ich mit Badegästen in Konflikt gerate, gehe ich die Sache mit Fingerspitzengefühl an. Dann lässt sich meistens alles gut regeln. Oft geht es darum, warum man hier keine Fotos machen darf oder dass die Eintrittskarte mal nicht funktioniert.

Wie gerne gehen Sie selbst noch schwimmen?

Sehr gerne. Im Urlaub brauche ich das Meer.

Und wenn Sie mal privat ins Freibad gehen, lassen Sie die Aufsichtsperson dann draußen?

Teils teils. Ich achte schon darauf, wie es aussieht oder ob der Bademeister ordentlich guckt. Nicht aufpassen geht nicht.