Seit 26 Jahren im Geschäft Bramscher Moccamaker zaubern orientalisches Flair auf Märkte

Von Nadine Grunewald


Balkum. Aus dem Alltag in den Orient, dorthin entführt Martin Rath seine Kunden seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Aus dem kleinen Marktgeschäft, mit dem sich der Bramscher eigentlich nur seinen Weg zum Fotodesigner finanzieren wollte, ist mit „Moccamaker“ ein Schaustellerbetrieb geworden, um den sich deutschlandweit Veranstalter reißen.

Weiße Wände, helle Räume, moderne Einrichtung – das Haus von Martin Rath und seiner Verlobten Sarah Marx in Balkum wirkt auf den ersten Blick nicht orientalisch. Allein das kleine Tablett auf dem großen Tisch in der Küche gibt einen Hinweis darauf, womit sich die beiden täglich beschäftigen: Neben einem Glas Kardamom und kleinen bunten Teegläsern, wie man sie aus dem Orient kennt, liegen orientalische Gebäckstücke. Neue Kreationen, die die Moccamaker jetzt in der Winterpause zusammen mit ihren Bäckern entwickelten.

„Wir nutzen die Zeit im Winter, um neue Produkte zu schaffen“, erzählt Rath, der die Moccamaker 1992 gründete. Im Angebot haben die Moccamaker neben arabischem Mocca mit Kardamom, verschiedene Teesorten wie Datteltee mit Rosenwasser oder Apfelfeigentee Gebäcke wie Baklava, die Wanderdüne mit Cashewkernen, einen Oasentraum oder Dattelfinger mit Pistazien.

Das Gebäck, das die Moccamaker anbieten, kreieren sie gemeinsam mit ihren Bäckern. Die Teilchen auf dem Teller sind jetzt in der Winterpause entstanden. Foto: Nadine Grunewald

Buchungsanfragen schnell gestiegen

Mit dem Verkauf von Gewürzmocca mit Kardamom auf Mittelalterveranstaltungen fing damals alles an, wie der 52-Jährige erzählt. Damit habe er sich seinen Traum von der Fotografie finanzieren wollen. Eigentlich. „Es war nie so angedacht, dass das eine lebensfüllende Geschichte wird“, sagt Rath. Doch genau das ist das kleine Marktgeschäft von einst geworden. Sein Mocca, den er an einem orientalisch dekorierten Stand verkaufte, sei bei den Kunden gut angekommen und so seien aus zehn Veranstaltungen im Jahr schnell bis zu 100 geworden. Hauptsächlich fahren die Moccmaker zu Veranstaltungen an Wochenenden – und davon könnte das Jahr für Rath und sein Team inzwischen mehr haben. Auf 80 Märkten, Messen oder privaten Feiern seien sie im vergangenen Jahr vertreten gewesen. Fast wenig, im Vergleich zu den über 400 Anfragen, die sie laut Rath bekommen haben; von Agenturen, Städten oder Großkonzernen. „Inzwischen haben wir die Möglichkeit, auszuwählen, wo wir hingehen“, sagt er. „Aber wir schaffen maximal drei Veranstaltungen pro Wochenende.“

Bekanntheit als Erfolgsrezept

Ein Teil des Erfolgsrezeptes der Moccamaker: Rath und seine Verlobte, die seit 13 Jahren in der Firma arbeitet, stehen auf den Veranstaltungen selber hinter der Theke, schenken Tee aus und verkaufen Gebäck. „Wir leben davon, dass uns die Menschen kennen“, sagt Rath. Begleitet werden sie immer auch von einigen Mitarbeitern. Und auch viele Familienmitglieder packen mit an. „Die Veranstaltungen werden größer, die Zeit für Vorbereitungen zuhause immer knapper“, sagt Rath. Während der 52-Jährige an einem Tag auf einer Messe ist, wird auf dem Hof in Balkum, wo auch Lager und Büro der Moccamaker sind, bereits ein weiteres Lkw-Gespann für die nächste Veranstaltung gepackt.

Eine besondere Atmosphäre

Mittlerweile fast noch wichtiger als ihre Lebensmittel seien die Dekorationsartikel, mit denen die Moccamaker für die richtige Stimmung sorgen – ein weiterer Teil des Erfolgsgeheimnisses, ist sich Rath sicher. „Viele Veranstalter sehnen uns nicht als Verpflegungsstand herbei, sondern weil wir eine Atmosphäre der Kurzweiligkeit und Gemütlichkeit schaffen. Die Besucher fühlen sich wohl bei uns.“ Neben den unbekannten Aromen sorgen dafür die Mitarbeiter in ihren orientalischen Gewändern, Teppiche, auf denen die Sitzgelegenheiten angerichtet werden, Milchtöpfe aus Messing und passende Laternen. „Überall wird es ruppiger, der Einkauf wird immer anonymer. Wir nehmen uns Zeit für unsere Kunden und wollen sie in ein Märchen aus 1001 Nacht mitnehmen. Bei uns können sie raus aus ihrem Alltag. Einige Besucher lassen sich sogar vor unseren Ständen fotografieren und tun so, als seien sie im Urlaub.“

Nachahmer verschwinden schnell wieder

Um diese Atmosphäre aufrecht erhalten zu können, habe er bislang auch davon abgesehen, aus seinem Familienbetrieb ein Franchise-Unternehmen zu machen. „Da würde viel von dem heutigen Erfolg verloren gehen.“ So kann sich der Bramscher bereits seit über 25 Jahren auf dem Markt behaupten. In dieser Zeit habe er schon zahlreiche Nachahmer kommen und schnell wieder untergehen sehen. „Wegen der geringen Margen muss man gut kalkulieren. Das ist eine große Herausforderung. Es ist absolut von Vorteil, dass wir schon so lange dabei sind.“

Auch wenn Rath und Marx in diesem Jahr heiraten und sich Nachwuchs angekündigt hat, stehen bereits einige Veranstaltungen fest, bei denen die Moccamaker vertreten sein werden. Neben der Historischen Ostermesse Ende März in Leipzig sind sie unter anderem im April beim Mittelaltermarkt auf der Mühleninsel in Venne und beim Sommer- und Herbstfestival auf Schloss Ippenburg in Bad Essen.