Mord-Prozess nach Wohnungsbrand Gutachter: Angeklagter Bramscher gehört in Psychiatrie

Von Stefan Buchholz

Landgericht Osnabrück. Symbolfoto: Michael GründelLandgericht Osnabrück. Symbolfoto: Michael Gründel

Osnabrück. Im Prozess zum Tod einer 23-jährigen Bramscherin hat jetzt ein Sachverständiger den Angeklagten als Gefahr für die Allgemeinheit bezeichnet. Laut seiner Diagnose gehöre der Mann für längere Zeit in einer psychiatrischen Klinik untergebracht. Neu ist zudem: Die ermordete Frau ist laut Gutachten nicht allein an den Verletzungen verstorben, sondern eher in Kombination mit einer Rauchgasvergiftung.

Der Sachverständige beschrieb den Angeklagten als eine emotional instabile Persönlichkeit mit einer Borderline-Störung, die sich in der Kindheit ausgeformt und in der Jugend weiterentwickelt habe. Verfestigt hätten sich dabei mittlerweile etwa Merkmale wie eine allgemeine Unausgeglichenheit, Einschränkung der beruflichen und sozialen Leistungsfähigkeit und ein seelisch abnormes Verhalten.

Hinzu komme beim 23-Jährigen eine Alkoholabhängigkeit, meinte der Gutachter vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Osnabrück. Der Alkohol wirke auf den Angeklagten zum einen stabilisierend in schwankender Gefühlswelt. Zum anderen: Trete der Substanzmissbrauch in Kombination mit der sich herausgebildeten schweren seelischen Abartigkeit auf, könne auch das in Trennungsphasen und bei Verlustangst zu Gewalthandlungen gegen andere und sich selbst führen. „Er agiert das von jetzt auf gleich aus“, so der Gutachter. Sein Fazit: Da der Mann auch ohne Alkoholabhängigkeit wegen seiner psychischen Krankheit eine Gefahr für die Allgemeinheit darstelle, empfahl der Sachverständige die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik.

Angeklagter fühlt sich falsch bewertet

Daraufhin meldete sich der Angeklagte über seinen Verteidiger zu Wort: Sein Mandant fühle sich falsch bewertet. Er wolle am nächsten Verhandlungstag eine eigene Stellungnahme abgeben.

Neue Details gibt es auch, was sich rund um die Tat abgespielt haben mag. Chatprotokolle belegen, dass der Angeklagte Tage vor dem mutmaßlichen Mord endgültig erfuhr, dass seine Ex-Freundin einen neuen Partner hatte. Vermutlich Stunden vor dem angeklagten Verbrechen googelte der Angeklagte noch nach einer Antwort auf die Frage, wie lange man wegen Mordes ins Gefängnis gehen muss. Und: Vielleicht ebenfalls noch vor der möglichen Tat unterhielt sich der Angeklagte heiter und leicht überheblich in Form von Sprachnachrichten mit einer Bekannten.

Spekulation ist, was dann wann geschah. Angeklagt ist, dass er seine Ex-Freundin ermordet haben soll. Als Tatwerkzeug wurde bislang eine Axt angenommen. Doch laut dem rechtsmedizinischen Gutachten ist für die Art der Verletzungen eher von einem stumpfen Gegenstand auszugehen.

Rauchgas verursachte Tod mit

Entgegen der bisherigen Annahme verstarb die Frau nicht an diesen Hieben. Wie der Sachverständige darlegte, setzten an den Verletzungsstellen bereits die Selbstheilungskräfte des Körpers ein. Dass die Frau aufgrund der schweren Kopfverletzungen überlebt hätte, hielt der Sachverständige für unwahrscheinlich. „Sie ist rasch in eine Bewusstlosigkeit gefallen.“

Ihren Tod mitverursacht habe eine Rauchgasvergiftung. Der Angeklagte soll nämlich zudem das Schlafzimmer des Tatortes in Brand gesetzt haben. Wann er das Feuer gelegt haben könnte, ist bislang unbekannt: Ein technischer Gutachter hatte einen zunächst noch glimmenden Schwelbrand über einen längeren Zeitraum nicht ausgeschlossen.

Vermutlich hat ihn irgendwann die unerträgliche Hitzeentwicklung zu einem Selbstmordversuch veranlasst. Spärlich bekleidet sprang er aus dem zweiten Stock des Hauses am Brückenort. Neben vielen Brüchen wurden auch zahlreiche Schnittverletzungen an seinem Körper entdeckt.

Der Prozess wird am 19. Februar 2018 um 14 Uhr vor dem Landgericht fortgesetzt.