Interview mit dem Sänger Purple Schulz kommt für Konzert nach Bramsche

Von Tim Gallandi

Purple Schulz gibt am 15. Februar 2018 ein Konzert in Bramsche. Archiv-Foto: Michael PotthastPurple Schulz gibt am 15. Februar 2018 ein Konzert in Bramsche. Archiv-Foto: Michael Potthast

Bramsche. Bekannt ist Purple Schulz besonders für seine Hits „Sehnsucht“ und „Verliebte Jungs“ aus den 1980ern. Nun kommt der Sänger und Songschreiber nach Bramsche und spielt am Donnerstag, 15. Februar 2018, im „Kino Universum“.

Im Interview mit unserer Redaktion spricht der 61-Jährige über seine 2015 erschienene Autobiografie, Protestsongs und die Sehnsucht nach Wahrheit.

Purple Schulz, Sie treten zum ersten Mal in Bramsche auf. Was darf das Publikum an diesem Abend erwarten?

Ich komme mit meinem aktuellen Album „Der Sing des Lebens“ nach Bramsche. Dieses Album, das ich auch wieder mit meiner Frau Eri geschrieben habe, ist das erste, das ich komplett auf einer Tour spiele. Natürlich gibt es auch ein Wiederhören mit den Hits von damals. Aber vor allem möchte ich das wahre Leben wieder in die Konzertsäle zurückholen. Mein Publikum hat einen großen Durst auf Inhalte, die ihm der heutige Rotationsschlagerpop leider nicht bietet.

2015 gaben Sie auf Ihrer Tournee auch Konzerte in psychiatrischen Einrichtungen. Stehen diesmal wieder Auftritte an Orten und bei Personen abseits der öffentlichen Wahrnehmung auf dem Programm?

Ich liebe es, Konzerte an ungewöhnlichen Orten zu geben. Meinen Tourauftakt mache ich regelmäßig am Aschermittwoch in der Psychiatrie in Köln-Merheim. Die Zahl der Bekloppten ist dort nämlich außerordentlich überschaubar im Gegensatz zu draußen. Dort weiß das Publikum sehr gut Bescheid über die Abgründe des Lebens. Aber ich spiele manchmal auch in Kirchen mit einer großen und sehr aufwendigen Lasershow, die trotzdem dem intimen Charakter meiner Konzerte angepasst ist. Ich singe ja über Dinge, über die andere noch nicht mal sprechen wollen.

Mit „Sehnsucht bleibt“ haben Sie Ende 2015 Ihre Autobiografie veröffentlicht. Wie kam es dazu?

Anlässlich meines 60. Geburtstags fand ich es an der Zeit, mir mal Gedanken zu machen über die Sehnsucht. „Sehnsucht“ war ja in den 80ern mein größter Hit, und in der damaligen DDR hatte dieses Lied mit dem Schrei „Ich will raus!“ noch mal eine ganz andere Bedeutung. Als ich den Song vor jetzt fast 35 Jahren schrieb, mochte ich das Wort „Sehnsucht“ eigentlich nicht, weil es mich so an Freddy Quinn und den ganzen Nachkriegsschlager erinnerte. In meinem Buch gehe ich der Frage nach, was damals meine Sehnsucht war. Herausgekommen ist dabei auch ein Buch über 60 Jahre deutsch-deutsche Geschichte, über Sehnsüchte in Ost und West und was aus ihnen geworden ist.

Das Wort „Sehnsucht“ kommt bei Ihnen mithin als Song und im Buchtitel vor. Wonach sehnen Sie sich heute persönlich?

Von all meinen Sehnsüchten geblieben ist die Sehnsucht nach Wahrheit. Die Wahrheit hat es schwer in diesen Zeiten, in denen der mächtigste Mann der Welt ein notorischer, verlogener und durchgeknallter Narzisst ist. Und von dieser Sorte haben wir mittlerweile viele an den Schalthebeln der Macht. Das beunruhigt mich wirklich.

Sie waren nach der Wende viel in Ostdeutschland auf Tour – und sind es immer noch. So spielten Sie am Tag der Deutschen Einheit 2017 im brandenburgischen Teltow. Inwieweit haben sich die Menschen, denen Sie dort begegnen, seit den 90ern verändert?

Ich kann „die Menschen“ nicht alle in einen Topf werfen, aber ich kann sagen, dass sich noch einiges ändern muss, bis wir tatsächlich von einer Einheit reden können. Das fängt bei gleichen Löhnen und Renten an und hört dann noch lange nicht auf. Ich kann verstehen, dass sich im Osten viele abgehängt fühlen, nachdem die Treuhand das Land quasi verscherbelt hat. Aber dass dort so viele glauben, ausgerechnet die AfD böte ihnen einen Weg aus dem Elend, ist für mich nicht nachvollziehbar.

Sie sind in den 80ern bekannt geworden, einer Blütezeit des Protestsongs in Deutschland. Heute ist viel von Umbrüchen und Verunsicherungen zu spüren, der Rechtsextremismus erstarkt bedrohlich. Ein wahrnehmbares Revival des politischen Songs blieb aber bislang aus. Wie erklären Sie sich das?

Es gibt durchaus Künstler, die sich Gedanken über unser Land und die politischen Entwicklungen machen. Das Problem liegt vielmehr darin, dass sie weder von den Radiosendern gespielt noch vom Feuilleton wahrgenommen werden. Wenn heute in den Talkshows immer die gleichen Absolventen der Pop-Akademien mit ihrem Schlagerpop auf dem Sofa sitzen und über ihre Befindlichkeiten plaudern, dann liegt das doch vor allem daran, dass die verbliebenen drei großen Musikkonzerne in Deutschland die Sender und die Presse fest im Griff haben. Deren oft unterbesetzte Redaktionen nehmen sich nicht oder haben nicht die Zeit, interessante Künstler zu entdecken. Die lassen sich bemuttern, und das war’s dann. Seit 2012 rede ich unablässig über diese Entwicklung, und jetzt erst kommt das Thema mal in die öffentliche Diskussion. Ich moderiere seit einem halben Jahr die „Songpoeten“ auf WDR 4, und für meine Sendung finde ich abseits vom Mainstream immer sehr interessante deutsche Künstler, die was zu sagen haben. Man muss sich eben nur die Mühe machen und nach ihnen suchen.

Mit „Das ist die Zeit“ und „Es reicht!“ befinden sich auf Ihrem aktuellen Album „Der Sing des Lebens“ zwei eben solcher Songs mit politischem Einschlag. Was hat Sie dazu inspiriert?

„Das ist die Zeit“ entstand direkt nach dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016. Uns erreichte die Nachricht just in dem Moment, als wir an den Texten für das letzte Album arbeiteten. Ich greife solche Themen auf, weil im Wort „Unterhaltung“ auch das Wort „Haltung“ steckt. Und eine Haltung habe ich im Leben wie auf der Bühne. Ich gebe dort ja mehr als nur ein Konzert. Es ist Entertainment mit anspruchsvoller Musik und tiefgehenden, spannenden Texten. Trotz der oft manchmal ernsten Themen kommt der Humor aber nicht zu kurz. Ich denke, dass es die Aufgabe von Künstlern ist, die Wahrnehmung zu schärfen, indem wir neue Perspektiven eröffnen. Darin sehe ich den Sinn meiner Arbeit. Ich will was bewegen mit meiner Musik. Und dass das geht, erlebe ich jeden Abend in meinen Konzerten.


Das Konzert im Kino „Universum“ beginnt am Donnerstag, 15. Februar 2018, um 20 Uhr. Eintrittskarten zum Preis von 25 Euro sind im Vorverkauf erhältlich in allen Geschäftsstellen der NOZ Medien, beim Filmtheater Universum, beim Buchladen am Münsterplatz und bei Spielwaren Twenhäfel in Bramsche sowie über Nordwest-Ticket.