Prozessauftakt Überfall auf Lebensmittelmarkt in Ueffeln: Angeklagte geständig

Von Holger Schulze

Vor dem Landgericht Osnabrück müssen sich drei Angeklagte aus Neuenkirchen/Bramsche verantworten. Sie sollen im Juli 2017 ein Lebensmittelgeschäft in Ueffeln überfallen haben. Foto: Michael GründelVor dem Landgericht Osnabrück müssen sich drei Angeklagte aus Neuenkirchen/Bramsche verantworten. Sie sollen im Juli 2017 ein Lebensmittelgeschäft in Ueffeln überfallen haben. Foto: Michael Gründel

Osnabrück/Ueffeln. Ein Überfall auf ein Lebensmittelgeschäft im Bramscher Ortsteil Ueffeln am 24. Juli 2017 beschäftigt nun die 15. Große Strafkammer am Landgericht Osnabrück.

Den drei Angeklagten hielt die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklageschrift vor, mit zwei Messern und einer täuschend echt aussehenden Spielzeugpistole bewaffnet ein Lebensmittelgeschäft in Ueffeln überfallen zu haben. Dabei bedrohte, so die Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft, einer der beiden männlichen Angeklagten die beiden betagten Eltern des Ladenbesitzers mit der Spielzeugpistole und den Worten „Ich schieße“. Gemeinsam flohen die beiden Täter schließlich mit der Kasse zum Fluchtfahrzeug, in dem die weibliche Angeklagte auf sie gewartet hatte.

Vier Zeugen sowie ein Sachverständiger waren zu diesem ersten von insgesamt drei angesetzten Terminen geladen. Ein zunächst mitangeklagtes Drogendelikt wurde im weiteren Prozessverlauf eingestellt, weil die hierfür zu erwartende Strafe gegenüber dem Strafmaß für den Überfall nicht wesentlich ins Gewicht fallen wird.

„Die Tat war spontan und undurchdacht. Ich habe viel Druck gemacht, weil viel Geld für Essen und Trinken fehlte“: Mit diesen beiden ersten Sätzen ihrer Angaben zur Tat deutete die 22-jährige Angeklagte bereits die Prozessstrategie des Trios an. Anscheinend hatten sich die drei Pflichtverteidiger mit ihren Mandanten auf eine reine Strafmaßverteidigung verständigt. Offene Geständnisse und kein einziger Versuch, andere Mitangeklagte zum Zwecke der eigenen Entlastung zusätzlich zu belasten, prägten erkennbar auch die Geständnisse der 23- beziehungsweise 35-jährigen Haupttäter.

Geldknappheit als Motiv

Überwiegend sei alles so gewesen, wie es in der Anklageschrift steht, lautete der Grundtenor der drei Geständnisse. Lediglich eine Bedrohung des 84-jährigen Opfers soll es nach Aussage der beiden Haupttäter nicht gegeben haben. Geldknappheit der zur Tatzeit arbeitslosen Angeklagten, die damals in einer WG in Neuenkirchen/Bramsche zusammenlebten, habe zum Entschluss geführt, das Lebensmittelgeschäft in Ueffeln zu überfallen, das der älteste Angeklagte als Kunde bereits kannte. Zuvor seien Masken angefertigt worden. Auch über den Einsatz der Spielzeugpistole habe man sich im Vorfeld der Tat abgesprochen. Die 22-jährige Mitangeklagte sei allerdings nur deshalb zum Überfall mitgenommen worden, „weil ihr der Wagen gehörte“, sagten die Haupttäter aus.

Im Laden dann kam ein Messer zum Einsatz, um das Elektrokabel der Kasse durchzutrennen. Bei der Flucht wurden die Angeklagten anschließend von dem weiblichen Opfer verfolgt und einer von ihnen geschubst, weshalb er stolperte und etwas Geld aus der Kasse fiel. Hieraufhin habe der jüngere Angeklagte die Geschädigte mit der Pistole und den Worten bedroht, er werde schießen, worauf diese von einer weiteren Verfolgung abgesehen habe. Den Umfang der Beute schätzten die Angeklagten auf 200 bis 350 Euro, die dann im Anschluss an die Tat für Lebensmittel, Benzin und Drogen verwendet worden waren. Bei der Tat selbst hätten die beiden Haupttäter unter leichten Entzugserscheinungen gestanden, gaben sie an.

Beim älteren Angeklagten hatte das Gericht schon zum Sitzungsbeginn den rechtlichen Hinweis erteilt, dass neben der Strafe auch eine Unterbringung in einer Entziehungseinrichtung in Betracht kommt. Den jüngeren Angeklagten wird der anwesende Sachverständige zeitnah in der Justizvollzugsanstalt Vechta aufsuchen und im Hinblick auf seine Drogenproblematik begutachten. Beide Angeklagte befinden sich derzeit in Vechta beziehungsweise in Lingen hinter Gittern.

Entschuldigung per Handschlag

Aufgrund dieser Geständnisse beschränkte sich das Gericht auf die Anhörung der Geschädigten. Deren Mann war noch nicht geladen worden, weil er sich im Krankenhaus befindet. Auch aus Sicht der Zeugin verlief der Überfall so, wie es die Angeklagten bereits eingeräumt hatten. Zu der Bedrohung ihres Mannes mit der Pistole könne sie aus eigener Wahrnehmung nichts sagen. Die Tat selbst jedoch sei ihr noch lange mit Angstgefühlen, auch in der Nacht, nachgegangen. Hierfür entschuldigten sich die beiden Haupttäter bei ihr per Handschlag.

Der Prozess wird am 15. Februar 2018 ab 9.30 Uhr in Saal drei im Saalzentrum der Gerichte in Osnabrück fortgesetzt.