Serie „Kunde und ich“ Bramscher Floristin über vergessene Hochzeitstage und dreckige Hände

Von Nadine Grunewald

Maike Roth ist Floristin aus Leidenschaft. Sie führt den Laden weiter, den ihr Urgroßvater 1902 in Bramsche eröffnet hat. Foto: Nadine GrunewaldMaike Roth ist Floristin aus Leidenschaft. Sie führt den Laden weiter, den ihr Urgroßvater 1902 in Bramsche eröffnet hat. Foto: Nadine Grunewald

Bramsche. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 12: eine Floristin.

Maike Roth ist Floristin aus Leidenschaft. Vor elf Jahren übernahm sie den Blumenladen „Blumen Schröder“ in Bramsche von ihrer Mutter. Gegründet wurde das Geschäft bereits 1902 von Roths Urgroßvater. Im Interview spricht die 54-Jährige über Last-Minute-Geschenke zum Hochzeitstag, vergessene Brautsträuße und Floristenhände.

Was kann man beim Blumenkauf falsch machen?

Eigentlich nichts. Wenn man älteren Menschen Blumen schenkt, sollte man allerdings vorsichtig mit weißen Blüten sein. Viele Ältere verbinden die mit etwas Negativem, deshalb sollte man sie nur verschenken, wenn man die Person gut kennt. Grundsätzlich kann man aber jede Blume für jeden Anlass nehmen.

Würden Sie selbst einen Blumenstrauß im Supermarkt kaufen?

Nein. Das habe ich noch nicht und das würde ich auch nicht. Blumen passen für mich nicht zu Käse und Wurst in den Einkaufswagen. Aber wenn jemand im Supermarkt einen Strauß kaufen möchte, ist das natürlich vollkommen in Ordnung.

Wie oft kommen Männer zu Ihnen, die ihren Hochzeitstag vergessen haben und noch schnell ein Geschenk brauchen?

Das passiert tatsächlich öfter. Und es sind auch immer nur Männer, denen das passiert. Wenn es früh am Tag ist, dann sage ich ihnen immer zur Beruhigung, dass der Tag ja noch nicht vorbei ist. Und wenn sie auf dem Rückweg gleich Brötchen mitbringen, fällt es zuhause gar nicht auf, dass sie den Hochzeitstag vergessen haben.

Und wie sieht es am Valentinstag aus?

Da kommen auch sehr viele Männer, junge und alte gleichermaßen, die ihren Frauen oder Freundinnen eine Freude machen wollen. Neulich kam morgens ein ganz leger gekleideter Mann zu uns, der einen Strauß Rosen für seinen Heiratsantrag bestellen wollte. Als er den am Nachmittag abholte, sah er ganz chic aus. Das hat mich total gefreut. Ob seine Auserwählte „Ja“ gesagt hat, weiß ich allerdings nicht (lacht).

Und Blumen gehen als Geschenk immer?

Ja. Obwohl der Wert der Blumen in letzter Zeit etwas abgenommen hat. In anderen Ländern sind Blumen das Geschenk, hier schenkt man eine Blume immer zu einem Geschenk dazu. Aber auch die Trauerkultur hat sich verändert.

Inwiefern?

Viele Menschen lassen sich in einem Friedwald bestatten und da braucht man keine Blumen mehr. Das hat auf der einen Seite Kostengründe, auf der anderen Seite ist so ein Grab auch leichter zu pflegen. Allerdings bedenken viele Angehörige nicht, dass sie dort nur noch schlecht hinkommen, wenn sie einmal auf einen Rollator angewiesen sind.

Kaufen denn noch viele einfach für sich selbst einen Strauß?

Es kommen vor allem immer mehr Männer, die sich zum Wochenende einen Blumenstrauß kaufen, um es sich schön zu machen. Der Raum wird dadurch lebendiger und wirkt für begrenzte Zeit anders. Sind die Blumen verwelkt, ist wieder Platz für Neues.

Für Hochzeiten geben Brautpaare immer mehr Geld aus. Merken Sie das auch?

Die Tendenz ist da, ja. Im Moment liegt Do-it-yourself mit vielen kleinen Vasen und wenigen Blumen darin noch im Trend, aber ich glaube, dass die Blumendeko auch wieder üppiger wird. Und das darf sie auch. Wenn Brautpaare zu mir kommen, frage ich immer ganz viel. Wissen sie schon, welche Farbe Lippenstift, Nagellack, Krawatte oder Fliege haben? Viele überrascht das. Aber es macht sehr viel aus, wenn sich ein Farbkonzept komplett durchzieht und ich möchte einfach, dass es perfekt passt.

Das Planen der Dekoration ist aber bestimmt eher ein Frauending, oder?

Schon. Es bestellen auch nur noch ganz selten Männer den Brautstrauß – Gott sei Dank. Die Männer wissen selten, wie das Brautkleid aussieht oder welche Farbe der Lippenstift hat.

Hat schon mal jemand am Tag der Hochzeit vergessen, den Brautstrauß abzuholen?

Einmal ist das tatsächlich passiert. Als wir den Bräutigam erreicht haben, war er schon auf dem Weg zum Standesamt und musste noch mal umdrehen. Es hat aber noch alles geklappt. Seitdem lassen wir uns immer eine Handynummer für den Notfall geben.

Haben Sie sich schon häufig an Dornen verletzt?

Nur mal am Anfang der Lehre. Man verletzt sich eher mal, wenn man neue Messer hat. Da gibt es schon mal eine kleine blutende Wunde. Aber wir haben immer Pflaster hier. Und meine Hände sind schon abgehärtet. Zuhause brauche ich keine Topflappen mehr, um einen heißen Topf anzufassen (lacht).

Bekommen Sie denn die Blumenerde noch abgewaschen?

Zum Teil bekommt man die Hände leider nicht mehr ganz sauber. Höchstens mit ganz scharfen Mitteln, aber die sind nicht gut für die Haut. Wenn wir Blumen einpflanzen, ziehen wir schon immer Handschuhe an. Trotzdem ist es sehr aufwendig, die Hände sauber zu bekommen. Das sind eben Floristenhände.

Hat sich das Kundenverhalten in den vergangenen Jahren verändert?

Es kommen immer mehr Kunden, die im Internet ein Foto von einem Blumenstrauß gefunden haben und fragen, ob wir ihnen so einen binden könnten. Das machen wir natürlich. Ganz gleich kann er aber nie werden, weil jeder Strauß individuell ist. Generell geben uns die Kunden aber sehr viel zurück. Neulich kaufte eine Kundin am Sonntag einen Blumenstrauß und bedankte sich bei uns dafür, dass wir auch sonntags für sie da sind.

So was zu hören, tut doch gut.

An Dornen oder mit der Rosenschere hat sich die Floristin schon lange nicht mehr verletzt - nur mit neuen Messern passiert ihr das manchmal. Foto: Nadine Grunewald

Das war sehr schön. Auch wenn es um Trauerfeiern geht, nehme ich mir viel Zeit. Wenn die Angehörigen dann sagen, dass sie es sich genau so vorgestellt haben, dann weiß ich, warum ich mir diesen Beruf ausgesucht habe.