Jérôme Kantner zu Gast im „Haarwerk“ Am Lutterdamm in Bramsche vom Frisör-Weltmeister gelernt

Von Holger Schulze

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Der bekannte Barber Jérôme Kantner zeigte den Haarwerk-Mitarbeiterinnen seine Techniken. Foto: Holger SchulzeDer bekannte Barber Jérôme Kantner zeigte den Haarwerk-Mitarbeiterinnen seine Techniken. Foto: Holger Schulze

Bramsche. Am Wochenende standen Melanie Finck und ihre Mitarbeiterinnen im Salon Haarwerk am Lutterdamm in Bramsche als Lernende hinter den Frisörstühlen. Denn der Weltmeister war da – Jérôme Kantner.

Bei einer internen Fortbildung drehte sich alles um den Kopf des Mannes. Haarekürzen, Rasieren, Pflege, Hygiene und Produktschulung – inklusive praktischer Übungen für die gesamte Mannschaft – bestimmten die Tagesabläufe am Samstag und Sonntag. Hierzu hatte sich Melanie Finck den Barber Jérôme Kantner, dem es 2014 gelungen war, bei der American Crew International All-Star Challenge zum besten Männerfriseur der Welt gekürt zu werden, in ihren Salon geholt.

„Nicht stehenbleiben“

„Was wir früher gelernt haben, ist inzwischen nicht mehr so. Wir wollen nicht auf der Stelle stehenbleiben“, erläuterte Finck den Grund der Schulung. Deshalb ließen sich die Salon-Chefin und ihre sechs Kolleginnen einmal von einem Weltmeister vorführen, welche Feinheiten beim gekonnten Umgang mit Bart- und Haarwuchs zu beachten sind.

Kantner selbst lebt in Mainz und ist seit 1986 ausschließlich im Herrenfach tätig. Wenn er nicht gerade Schulungen gibt, ist er trotz Weltmeistertitel immer noch 12 bis 13 Stunden pro Tag mit Maschine, Kamm, Schere, Spezialklinge und etlichen Pflegemitteln hinter oder neben den Köpfen seiner männlichen Kunden zu finden.

Bei seinen Schulungen erläutert Kantner nicht nur wortreich, sondern auch präzise die Vorgehensweisen bei seiner speziellen Art, das Frisörhandwerk auszuüben. Im Dialekt seiner Heimat locker vorgetragen, erfährt sein Publikum viel von dem, was der Mann will, welche Bedingungen für Lehrlinge vor drei Jahrzehnten in einem Salon vorherrschten und was innseinem Beruf passionierte Leidenschaft bedeutet.

Bevor er selbst seine Lehre überhaupt antreten durfte, musste Kantner ein ganzes Jahr einmal pro Woche zum „Probeabend“ im Laden seines Chefs antreten. Bei der sich anschließenden Ausbildung habe der Grundsatz gegolten, „entweder man wurde geschmissen oder man wurde gut“, berichtet Kattner während er millimetergenau mit der Maschine die Haare eines Models auf die beabsichtigte Länge reduziert.

Zuerst einmal ging es aber zum Waschtisch. „Bei mir bekommt jeder Kunde den Kopf gewaschen. Nur, wer ganz frisch aus der Dusche mit noch nassen Haaren in den Laden kommt, erhält von mir einen Trockenhaarschnitt“ so der Weltmeister zum Umgang mit der Hygiene.

„Wenn ihr einem Mann die Wahl lasst, nimmt er immer das, was weniger kostet. Ein Mann muss immer Nutzen aus allem ziehen. Wenn er keinen Nutzen im Waschen sieht, außer fünf Euro mehr auszugeben, wird er den billigeren Trockenhaarschnitt wählen.“ Mit Aussagen wie diesen erklärte Kantner den Zuhörerinnen im Salon immer wieder, wie Männer denken und was sie brauchen. Große Haarschneidemaschine zum Beispiel: „Ein Mann will Technik haben. Du kannst auch mit der Nagelschere Haare schneiden, das geht auch. Es ist nur halt total unmännlich. Oder habt ihr schon mal bei euch zuhause einen Handwerker gesehen, der mit dem kleinen Akkuschrauber rumhantiert?“

Die richtige Technik beim Handwerk gehört für Kantner ebenfalls zwingend zur Ausübung des Berufes dazu. „Wir müssen durch Technik glänzen. Das unterscheidet uns von den Anbietern der Zehn-Euro-Billighaarschnitte, nach denen alle Männer anschließend gleich aussehen. Wir aber machen Frisuren“, erläuterte der Meister den Qualitätsanspruch.

„Wir machen Frisuren“

Drei Kämme, eine Schere und mehrere Spezialklingen benötigt Jérôme Kantner neben der Maschine für das Styling seiner Männerfrisuren. Vor allem aber war bei seiner Vorführrunde am Wochenende ein handwerkliches Geschick von höchster Präzision zu sehen. Mit welcher „Unfehlbarkeit“ Kantner parallel zu seinen fortwährenden Erläuterungen die Haarspitzen des Models auf exakte Länge brachte, nachdem er zuvor das Haar akribisch gescheitelt und in vier Zonen aufgeteilt hatte, war für einen Laien geradezu faszinierend. Dreißig Jahre Erfahrung haben aus ihm einen souveränen Meister in der Beherrschung von Millimetern werden lassen.

Ein guter Unterhalter ist Katner zudem. Doch das dürfte wohl auch zum Handwerk von Melanie Finck und ihrer Belegschaft am Lutterdamm gehören, die sich bereits während der Fortbildung selbst eigenhändig daranmachten, die zuvor vorgeführten Techniken an Bart und Haupthaar in die Tat umzusetzen.


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