Serie „Kunde und ich“ Weinladen-Inhaber über betrunkene Kunden und Männergeschenke

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Hermann Bei der Sandwisch verkauft neben Spirituosen und Weinen auch ausgewählte Öle, Essige oder Senfe. Foto: Nadine GrunewaldHermann Bei der Sandwisch verkauft neben Spirituosen und Weinen auch ausgewählte Öle, Essige oder Senfe. Foto: Nadine Grunewald

Bramsche. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 11: ein Weinladen-Inhaber.

Hermann Bei der Sandwisch führt seit Anfang der 1980er Jahre den Weinladen in der Bramscher Innenstadt. Dort erlebt er einiges. Im Interview hat der 57-Jährige mit uns über betrunkene Kunden und besondere Wünsche beim Einpacken von Geschenken für Männer gesprochen.

Herr Bei der Sandwisch, haben Sie sich schon von der Weihnachtszeit erholt?

Ja. Das ist die stressigste Zeit für mich, aber auch immer wieder das i-Tüpfelchen. Ich schmücke das Geschäft immer schön und die Leute freuen sich dann über die Atmosphäre und stöbern gerne. Fast alle finden etwas.

Sie öffnen um 9.30 Uhr – wer geht denn so früh schon in einen Weinladen?

Morgens kommen meistens die Rentner, aber nicht nur. Bei uns kaufen auch viele junge Leute ein. Und unsere älteste Kundin ist 104.

Wird denn morgens auch schon Alkohol probiert?

Das kommt eher selten vor. Ganz Mutige probieren aber schon mal einen Likör, wenn sie nicht Auto fahren müssen. Dass Kunden morgens mal Weine probieren, ist eher samstags der Fall.

Ist schon mal jemand betrunken aus dem Laden gegangen?

Nein, nur nach einer Weinprobe. Da probiert man mehrere Weine. Es ist auch schon mal passiert, dass ein Teilnehmer dann noch einen Schnaps trinkt und anschließend mit einem Knick im Bein rausgeht (lacht). Ansonsten achten wir schon darauf, dass das nicht vorkommt. Wir wollen ja nicht, dass sich jemand den Gaststättenbesuch spart, wenn er zu uns kommt. Aber da ist bei unseren Kunden die Hemmschwelle auch zu groß.

Hat sich die Trinkkultur in den vergangenen Jahren verändert?

Ich würde sagen, dass gerade Spirituosen stärker Modetrends unterworfen sind. Rot- und Weißweine laufen bei softeren Getränken immer noch.

Was ist bei Ihren Kunden aktuell der Renner?

Die Karawane zieht weiter: Inzwischen fragen vor allem die jungen Leute verstärkt nach Gin. Davor war es der Whiskey. Am allermeisten werden bei uns aber die alten Brände gekauft. Viele Menschen, die am Alfsee Urlaub machen, kommen extra zu uns oder lassen sich etwas davon nach Hause schicken. Andere kommen extra deshalb von außerhalb nach Bramsche.

Gibt es bestimmte Frauen- und Männergetränke? Man kann zwar nicht alle über einen Kamm scheren, aber ein Dauerbrenner bei Frauen ist Prosecco. Im Großen und Ganzen trinken Frauen eher die etwas leichteren Sachen, Männer die Obstbrände. Aber wenn es um Geschenke geht, fallen schon Unterschiede auf.

Was denn?

Wenn Männer etwas kaufen, das sie Männern schenken möchten, wollen sie immer, dass ich das Geschenk nicht so aufwendig einpacke. „Keine Schleife, nicht so bunt“ – das höre ich drei, vier Mal am Tag.

Und was trinken Sie selbst am liebsten?

Rotwein und Mineralwasser, aber einzeln. Ich koche abends gerne und trinke dann ein Gläschen Wein dazu. Das ist für mich Genuss.

Welches alkoholische Getränk sollte Ihrer Meinung nach nie im Haushalt fehlen?

Einen guten Wein sollte man auf jeden Fall immer da haben. Vielleicht auch einen guten Portwein. Den nehme ich immer zum Kochen. Und natürlich einen guten Sekt. Es gibt nichts Schöneres, als bei besonderen Anlässen damit anzustoßen.

Ist an dem Sprichwort „Bier auf Wein, das lass sein, Wein auf Bier, das rat ich dir“ etwas dran?

Das stimmt genauso wenig wie der Tipp, dass man einen Löffel in eine geöffnete Sektflasche stecken soll, damit die Kohlensäure drin bleibt.

Also kann man beim Weintrinken nichts falsch machen?

Außer dass man zu viel trinkt, eigentlich nicht. Aber man sollte sich bei der Auswahl des Weins nicht von Trends leiten lassen, sondern den Wein wählen, der einem schmeckt und der einem bekommt. Und natürlich sollte er zum Essen passen.


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