Projektgruppe am Gymnasium Bramscher Schüler machen sich stark für Bildungschancen

Lena-Marie Lammers, Judith Heidebreck, Daniela Solbrig (Lehrerin) und Miriam Hockmann (von links) präsentieren ihr selbst erstelltes Video zum Thema „Bildung für alle“. Gemeinsam wollen sie für mehr Chancengleichheit sorgen. Foto: Bastian RabeneckLena-Marie Lammers, Judith Heidebreck, Daniela Solbrig (Lehrerin) und Miriam Hockmann (von links) präsentieren ihr selbst erstelltes Video zum Thema „Bildung für alle“. Gemeinsam wollen sie für mehr Chancengleichheit sorgen. Foto: Bastian Rabeneck

Bramsche. Seit 1919 hat jedes Kind in Deutschland das Recht auf Bildung. Was viele Schulen nicht wissen: Das Gesetz schließt auch Kinder ein, deren Eltern keinen legalen Aufenthaltsstatus haben. Ein Problem, auf das die AG „Schule ohne Rassismus“ des Bramscher Greselius-Gymnasiums mit vielen kreativen Ideen aufmerksam macht.

Bis 2010 waren Schulen als staatliche Behörde dazu verpflichtet, Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus zu melden, heißt es in dem Dossier, das die Teilnehmer der AG „Schule ohne Rassismus“ selbst zusammengetragen haben.

Seit einer Gesetzesänderung des Bundestags sind Schulen jedoch von einer Meldepflicht befreit. Dennoch bleibt vielen Kindern das Recht auf Bildung weiterhin verwehrt. „Die meisten Schulen wissen überhaupt nicht, dass die Meldepflicht gar nicht mehr existiert“, erklärt AG-Teilnehmerin Miriam Hockmann.

Schulen weigern sich

Eine Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ergab, dass unter 100 bundesweit zufällig ausgewählten Grundschulen, das Anfordern einer Meldebestätigung nach wie vor zur Routine gehört. Gerade einmal sechs Schulen wiesen darauf hin, dass eine Schulanmeldung des Kindes auch ohne Meldebestätigung der Eltern möglich ist. 62 Prozent der Schulen weigerten sich, ein Kind mit illegalem Aufenthaltsstatus einzuschulen.

Momentan ist die achtköpfige Gruppe um Englisch und Politik-Lehrerin Daniela Solbrig damit beschäftigt, diese Informationen an andere Schulen zu verteilen. Auf diese Weise möchten die Teilnehmer für mehr Toleranz werben. Darüber hinaus haben die Schüler ein Video entworfen, in dem sie anschaulich die Konsequenzen fehlender Bildungschancen aufzeigen.

„Irgendwo muss man anfangen“

„Bildung ist die einzige Möglichkeit der Kinder schwierigen Verhältnissen zu entfliehen“, sagt Solbrig. 2015 rief sie die AG, an der derzeit Schülerinnen der achten bis zwölften Klassen teilnehmen, am Greselius-Gymnasium ins Leben. Seitdem führt die Gruppe jährlich bis zu drei Projekte durch, die Themen wie Rassismus, Homosexualität und die Flüchtlingskrise in den Fokus rücken. „Wir waren schon immer politisch interessiert und haben von Anfang an die Chance genutzt, uns bei der AG einzubringen“, erklärt Schülerin Judith Heidebreck. „Wir können zwar nur im schulischen Rahmen für mehr Vielfalt werben aber irgendwo muss man schließlich anfangen“, ergänzt Lena-Marie Lammers.


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