Jahresbilanz 2017 Ein hartes Jahr für die Feuerwehr Bramsche-Mitte

Von Björn Dieckmann


Bramsche. Die Feuerwehr Bramsche-Mitte hat im Jahr 2017 insgesamt 136 Einsätze absolviert. Es waren weniger als im Vorjahr, aber teils sehr herausfordernde Aufgaben.

Fast 50 Einsätze weniger als 2016 hatte die größte der insgesamt acht Ortswehren im Bramscher Stadtgebiet 2017 zu bewältigen. Die gesunkene Zahl erklärt Ortsbrandmeister Jörg Ludwigs damit, „ dass wir im Sommer 2016 ein Unwetter hatten, bei dem die Hase teilweise über die Ufer getreten ist und wir damals zwei Tage lang praktisch im Dauereinsatz waren“. Eine solche Extremlage habe es im vergangenen Jahr nicht gegeben – zumindest nicht in dieser Region. Mitglieder der Bramscher Feuerwehren waren allerdings zum Hochwassereinsatz im Raum Hildesheim abgeordnet, der indes nicht in die Bilanz einbezogen ist.

Viele Hilfeleistungen

Einsätze bei Unwettern oder anderen Fällen, in denen es nicht um Brandbekämpfung geht, werden in der Statistik der Feuerwehr als „Hilfeleistungen“ registriert: 119 davon gab es 2016, im vergangenen Jahr nur noch 71, die allerdings zum Teil sehr aufwendig waren: „ Der Blindgänger-Fund in Pente war eine Herausforderung für uns. Eine Evakuierung in dieser Größenordnung, das hatten wir vorher noch nicht“, erinnert sich Ludwigs: Rund 300 Helfer waren daran beteiligt, 1100 Menschen aus großen Teilen von Achmer und auch aus Pente mussten ihre Häuser verlassen. Einen Lkw-Unfall auf der A1 nennt Ludwigs des Weiteren, ebenso die Suche nach einer vermissten Person.

Besonders stark gefordert war die Feuerwehr Bramsche-Mitte allerdings bei verschiedenen Brandeinsätzen. Ludwigs nennt hier ein Feuer in der Küche der Fleischerei Sostmann. Aber auch den Brand einer privaten Werkstatt mit angrenzendem Wohnhaus in der Jägerstraße in der Gartenstadt, „wo wir nicht wussten, was in der Werkstatt an Materialien und Stoffen gelagert wird“, erinnert sich Ludwigs.

Strafanzeige nach Beleidigung

Im Verlauf dieses Einsatzes kam es zudem zu einem Vorfall, „den wir von der Bramscher Feuerwehr so bis dahin zum Glück noch nicht erleben mussten“, wie Pressesprecher Marc Piwinski sagt: Denn ein Brandschützer sei von jemandem, der sich durch den Einsatz belästigt fühlte, derart beleidigt worden, dass der Feuerwehrmann anschließend Strafanzeige erstattet hat. Geahndet worden sei dies mit einer Geldbuße, „und darüber sind wir sehr froh, denn es muss deutlich gemacht werden, dass es Grenzen gibt“, betont Piwinski.

Sehr belastend, so führt wiederum Ortsbrandmeister Ludwigs weiter aus, sei zudem der Wohnungsbrand in der Innenstadt im Juni 2017 gewesen: „Die Kollegen, die als Erste zur Brandbekämpfung ins Haus vorgedrungen sind, haben die Leiche der jungen Frau aufgefunden und schnell erkennen können, dass dort ein Verbrechen geschehen sein muss “, schildert Ludwigs. Nach solchen Einsätzen, so sagt er, sei es „wichtig, dass man sich schnell zu Gesprächen zusammensetzt“. Außerdem habe die Führung der Ortswehr auch in der Folge „noch über einen längeren Zeitraum immer mal wieder einen Blick auf die Kameraden geworfen“. Es seien allerdings „erfahrene Leute“ gewesen, „die haben das ganz gut weggesteckt“, ist Ludwigs überzeugt.

Herausforderungen

Ein außergewöhnliches Ereignis war auch ein Blindgängerfund in Pente. 300 Helfer, darunter viele Feuerwehrleute, waren an der Evakuierung von 1100 Menschen in Achmer und Pente beteiligt. Archiv-Foto: NWM-TV

Anhand dieser und vieler weiterer Einsätze zeige sich, „dass wir uns von den Aufgaben her immer mehr einer großstädtischen Feuerwehr annähern“, meint Alexander Weniger, der auch als Jugendfeuerwehrwart fungiert. Dazu zählt er auch die Türöffnungen, die die Feuerwehr in weiterhin steigender Anzahl für Polizei und Rettungsdienst bei Notfällen vornehmen müsse „und bei denen man manchmal ein soziales Umfeld vor Augen geführt bekommt, das man in Bramsche nicht unbedingt vermuten würde“, so Weniger. Sein Kamerad Marc Piwinki denkt ähnlich: „Man muss auch berücksichtigen, dass immer mehr Elektronik verbaut ist – in Autos, in Häusern. Im Grunde bräuchten wir längst für jeden Aufgabenbereich Spezialisten, ähnlich wie bei einer Berufsfeuerwehr. Aber wir sind Ehrenamtliche – und Allrounder. Das ist für alle eine große Herausforderung, immer auf dem neuesten Stand zu bleiben“.


Zur Zeit gibt es bei der Feuerwehr Bramsche-Mitte 70 aktive Mitglieder, zudem 21 Kameraden der Reserve und 21 Jugendfeuerwehrleute. Insgesamt wurden rund 8000 Stunden Dienst geleistet. Die Statistik 2017 weist 64 Brandeinsätze aus, einen mehr als im Vorjahr. 25 Alarmierungen wurden durch Brandmeldeanlagen ausgelöst, in 22 Fällen handelte es sich um Fehlalarme. In 72 Fällen war technische Hilfeleistung durch die Feuerwehr gefragt, darunter 28-mal Türöffnen für Polizei/Rettungsdienst (+3) und bei neun Verkehrsunfällen.