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Tipps von Pflanzenschutzexpertin Feldbegang auf Hof Hundeling in Pente

Von Andreas Wenk | 05.06.2019, 12:45 Uhr

Rund 45 Landwirte sind der Einladung des Landvolkverbandes Bramsche zum Feldbegang auf dem Hof Hundeling in Pente gefolgt.

„Dass die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln ernten, ist schon lange vorbei“, sagt Landvolk-Vorsitzender Ralf Große-Endebrock. Zur gleichen Zeit steht Lena Pleus auf dem Acker und sagt den Teilnehmern des Feldbegangs, wie sie ihre Erträge sichern und steigern können. Pleus ist Pfanzenschutzberaterin bei Agravis. Die Raiffeisen AG gehört zu den Großen im Agrarhandel und Pleus scheint auf alle Fragen und Probleme in der Landwirtschaft eine Antwort zu haben. Beim Feldbegang hocken die Landwirte auf Bierbänken, die auf Anhängern von Treckern durch die Landschaft gezogen werden. Heute stehen sieben Felder auf dem Programm. Mais und Wintergerste werden ebenso kritisch unter die Lupe genommen wie Ackerbohne und Grünland.

Pleus springt an jeder Station vom Hänger und begutachtet die Felder, gibt Hintergründe zu Aussaat und Düngung, Krankheiten und Schädlingen preis. Hinzu kommen ackerbauliche Verfahrenstipps für die kommenden Wochen.

Obwohl Agravis für alle Probleme Produkte anbietet, empfiehlt Pleus auch schon mal rein mechanische Methoden wie das Striegeln. Auch wenn teilweise der Eindruck einer Promotionaktion entsteht und das Gefühl aufkommt, dass Pleus für jede Situation auch eine Lösung aus dem Konzernhut zu zaubern vermag, wirbt sie gleichzeitig um Verständnis für gesetzliche Regelungen. So manch anstehendes Verbot kann sie nach eigenen Worten zwar nicht nachvollziehen und nach einem Hinweis auf einen Aufsatz von Professor Andreas Hensel vom Bundesinstitut für Risikobewertung scheint sie auch nicht unbedingt zu den schärfsten Glyphosat-Kritikern zu gehören. Dennoch mahnt sie die Landwirte generell dazu und schreibt ihnen ins Stammbuch: „Anwendungsbestimmungen sind dazu da, eingehalten zu werden.“

Hört man Pleus aufmerksam zu, wird deutlich, was Große-Endebrock damit meint, dass die große Zeit der "dümmsten Bauern" vorbei ist. Pleus selbst hat Produktionsgartenbau studiert und dass ihr das weit überwiegend männliche Publikum an den Lippen hängt, liegt offensichtlich an ihrer Kompetenz, die sie bereits nach wenigen Worten ausstrahlt. Sie berichtet von Resistenzen und Wirkstoffen, die schon bald nicht mehr verfügbar sind, weil sie womöglich den Hormonhaushalt beeinträchtigen, und anderen Substanzen, die zwar in Reinstform, nicht aber in anwendungsspezifisch verdünnter Form getestet und als gefährlich eingestuft wurden.

Differenziertes Bild

Damit zeichnet sie ein differenziertes Bild, das sie nicht als reine Protagonistin der Agrarlobby erscheinen lässt. Dass sie Grünland wie Maisfelder gleichermaßen als Kulturland betrachtet und dafür ebensoviel Pflege und Aufmerksamkeit einfordert, klingt zunächst befremdlich, doch wenn sie erläutert, dass vier bis fünf Schnitte im Jahr eine wichtige Futterquelle darstellen, erscheint auch diese Sicht der Dinge plausibel. Farbnuancen, die kaum auffallen, stuft sie schnell als Frostschäden oder Schädlingsbefall ein. Auch wenn der Laie die Informationsflut auf dem Acker kaum einzuordnen vermag, schnell wird deutlich, dass moderne Höfe ebenso wenig mit der auch in der Werbung viel strapazierten Kinderbuch-Idylle zu tun haben wie das heutige Berufsbild des Landwirtes mit dem Vorurteil eines sich vererbenden Jobs für eher schlichte Gemüter. Vielmehr drängt sich der Eindruck auf, dass moderne Landwirtschaft heute hochgradig professionelles Arbeiten und spezialisiertes Wissen erfordert statt der sprichwörtlich schlitzohrigen Bauernschläue.

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