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E-Mail aus...Namibia Bramscherin lernt neue Seite von Namibia kennen

Von Von Franziska Rulhof | 15.07.2019, 15:51 Uhr

Junge Bramscherinnen und Bramscher sind in aller Welt als Freiwilligendienstleistende unterwegs. Sie alle reizt es, neue Welten kennenzulernen. In unserer Reihe „E-Mail aus...“ berichten sie über ihre Erfahrungen. Franziska Rulhof hat in Namibia eine neue Seite kennengelernt, die sie nachdenklich macht..

"Vor kurzem waren meine Mitfreiwilligen und ich bei einer Kollegin in ihrem Tausend-Seelen-Dorf zu Besuch. Zwei Tage ohne Strom und ohne fließendes Wasser. Wir haben, wie die meisten Menschen in diesem Dorf, über offenem Feuer gekocht, Wasser in einem großen Eimer geholt, zu fünft in dem kleinen Wellblechhaus geschlafen. Als Toilette diente der Busch.

Für uns war es wundervoll, auch diese Seite Namibias kennenzulernen, denn wir sehen in Windhoek normalerweise nur das Leben in einer modernen afrikanischen Hauptstadt. Da vergisst man manchmal, dass fast 60 Prozent der namibischen Bevölkerung in ländlichen Gebieten leben, häufig von der Landwirtschaft.

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Während unseres Aufenthaltes im Dorf haben wir den Kindergarten gestrichen und es kamen Gespräche darüber auf, wie unser Jahr verlaufen wäre, wenn wir ihn hier anstatt in Windhoek verbracht hätten. Abgesehen von banalen Unterschieden – wie dem Vorhandensein oder Fehlen einer Waschmaschine oder einer Toilette – genießen wir an der Schule einen ganz anderen Komfort: Viele unserer Kollegen stammen aus Deutschland oder sind weiße Namibier und verstehen daher unsere Sozialisation, unsere Gedanken und Vorstellungen sehr gut. Sie können uns Dinge, die uns fremd sind, erklären. Weil sie verstehen, woher wir kommen. Und wir haben regelmäßig Kontakt zu anderen Freiwilligen, mit denen wir uns austauschen können.

In dieser Hinsicht ist unser FSJ fast schon ein „Freiwilligendienst light“ – eine etwas abgespeckte Version irgendwie. Denn eigentlich geht man ja ins Ausland, um eben mal nicht von Menschen mit einem sehr ähnlichen Hintergrund umgeben zu sein. Und in vielen Einsatzstellen besteht die größte Herausforderung sicher darin, mit den Kollegen zusammenzuarbeiten, die vielleicht eine andere Sprache sprechen und ganz andere Vorstellungen von vielen Dingen haben als ein junger Deutscher sie hätte. Dieses Auseinandersetzen mit fremden Menschen und fremden Werten, Vorstellungen und Gewohnheiten nennt man interkulturelles Lernen. Und es ist eine wunderschöne Sache, die in meinem Freiwilligendienst, zugegeben, manchmal zu kurz kommt.

Aber meine Mitfreiwilligen und ich sind auch froh darüber, nicht ganz allein in einer fremden Welt untergebracht zu sein. Obwohl wir sehr netten und interessierten Menschen begegnet sind, glauben wir, dass wir in einer solchen Einsatzstelle überfordert und sehr einsam gewesen wären. Natürlich geht es bei einem FSJ im Ausland darum, selbstständig zu werden, den Horizont zu erweitern und eigene Grenzen zu testen. Die Waldorf School Windhoek, trotz aller Ähnlichkeiten mit meiner Waldorfschule in Deutschland, hat mir diese Möglichkeit zu wachsen gegeben – ohne mich zu überfordern. Und so bin ich sehr dankbar, mit vielen positiven Erfahrungen aus dem Jahr gehen zu können. "