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Rudolf Molitor packt an Bürgerengagement in Bohmte ist Lebenselixier

Von Helge Holz | 17.06.2016, 21:30 Uhr

Direkt als Sprecher im Vorstand „seiner“ Kolpingfamilie arbeitet Rudolf Molitor heute nicht mehr. „Das sollen mal andere Menschen machen und mit neuen Ideen die Gemeinschaft bereichern“, meint Rudolf Molitor rückblickend. Doch seine Hände in den Schoß legen ohne sich dann doch irgendwie ehrenamtlich einbringen?

Nein, so weit geht Rudolf Molitor dann doch nicht. Dafür fühlt sich der Bohmter einfach zu stark mit Kolping, der Nachbarschaft und mit Bohmte verbunden. Da ist ein ehrenamtlicher Einsatz für die Gemeinschaft mehr ein Lebenselixier als eine Bürde. So kennt und schätzt ihn seine Kolpingfamilie heute als Verbindungsglied zur Öffentlichkeit. Als roter Faden dient nicht nur ihm der Leitgedanke von Adolph Kolping, dass ihre Interessengemeinschaft Angebote für alle, für junge, für ältere Menschen, für Frauen und Männer parat halten müsse. Von daher fällt es ihm nicht schwer, wenn er die breite Palette an Möglichkeiten der heimischen Kolpingfamilie vorstellt, die sie für ihre Mitbürger im Angebot hat.

Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit

Die Aktiven sorgen ja auch für gute Argumente, die er heute als Beauftragter für die Öffentlichkeitsarbeit verkünden darf: Erst vor einem Monat hatte die Kolpingfamilie zum sechsten Mal zu ihrem Familiennachmittag am Domizil der Grundschule Jung und Alt eingeladen. Hier wartete ein vergnüglicher Nachmittag mit Spiel und Spaß. Ihr Angebot richtete sich dabei auch an Familien, die nicht unbedingt auf Rosen gebettet sind. „Besonders schön war es, dass auch einige Flüchtlingsfamilien gekommen sind. Die Kinder konnten gemeinsam spielen und die Erwachsenen nutzten die Gelegenheit, um sich auszutauschen. Das war wirklich ein rundum gelungener Nachmittag“, freute sich Rudolf Molitor.

Konfessionsübergreifende Gemeinschaft

Nicht nur bei derlei Familientagen zeigt sich deutlich, dass sich die Kolpingfamilien nicht nur als Vertreten katholischer Interessen versteht. Sie sehen sich vielmehr als eine konfessions-übergreifende Gemeinschaft. Mit ihrem Einsatz möchten sie Familien stärken und sich gleichfalls als Ort des gegenseitigen Kennenlernens verstehen und damit quasi ganz nebenbei so auch die Integration fördern. Doch nicht die Arbeit steht im Mittelpunkt. Bald steht wieder ein ganz besonderer „Familienausflug“ auf dem Programm. Dann schlüpfen die Mitglieder in die Rolle von Pedalrittern und erkunden Bohmte und um zu. Doch dann ruft wieder die Arbeit. Gemeinsam mit der Kolpingfamilie in Hunteburg werden sie sich im Herbst wieder politisch geben, wenn die Kommunalwahl wieder vor der Türe stehen. Dann werden sie den zur Wahl stehenden Kandidaten und Kandidatinnen nicht nur eine Bühne geben, auf der die Kommunalpolitiker ihre Vorstellungen präsentieren werden wie genau sie sich das Leben im Wittlager Land für die Zukunft vorstellen würden, so sie denn am Wahltag die Mehrheit an Stimmen bekommen werden.

Auf den Prüfstand stellen

Hinzu kommt, dass dann die Gastgeber gleichzeitig auch die politischen Angebote sofort auf den Prüfstand stellen, wenn diese mit dem ur-eigenen Wertekanon der Kolpinger verglichen werden. Klar, dass dann die Zuhörer auch genügend Möglichkeiten finden werden, um wichtige Fragen zu dem einen oder anderen Themenbereich dann ebenfalls ansprechen zu können.

Kolping ist das eine, der Sämann das andere Projekt, an das die Familie Molitor ihre Herzen verloren haben. Der Bohmter Johannes Hemme war und ist der Motor vom Arbeitskreis „Der Sämann“. Doch was ist eigentlich der Sämann“? Es ist eine Kindertagesstätte im brasilianischen São Paulo. Mitten auf der anderen Seite des Globus engagierte sich seit mehr als zwanzig Jahre das brasilianische Ehepaar Fatima und Wilson Aves für die Kinder aus den Favelas in ihrer Stadt. Es dürften schon gut ein Dutzend Jahre her sein, als Rudolf und Maria Molitor von dieser Kindertagesstätte „Der Sämann“ gehört hatten. Sofort hieß es, „da müssen wir uns auch einbringen“.

Als Gruppe organisieren sie unter anderem Flohmärkte zugunsten der Kindertagesstätte oder versorgen interessierte Mitmenschen mit Informationen, mit welchen Möglichkeiten der Alltag für die Kindern in der brasilianischen Tagesstätte ein wenig angenehmer gestaltet werden kann. Vor einigen Monaten war eine neunköpfige Delegation aus Bohmte in Brasilien, um dort die Organisatoren der Kita samt der gut 150 Kinder kennenzulernen. Dort erfuhren die Niedersachsen, dass die Kita gewachsen ist.

Ein persönlicher Besuch

Unabhängig vom eigentlichen Hilfsprojekt hat sich dort zusätzlich sogar eine Seniorengruppe gebildet. Wenn Papa und Mama Geld verdienen müssen, bringen oft die Großeltern den Nachwuchs zur Kita. Beim Warten kommen dann die Senioren miteinander ins Gespräch, dazu noch etwas Kaffee und Kuchen – schon gibt es eine weitere verschworene Gemeinschaft. Und genau so etwas erfährt man nicht nebenbei, beim E-Mailschreiben. Da kann so ein persönlicher Besuch einfach besser, um so etwas zu erfahren – aber das ist eine andere Geschichte.