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Kunstwerk „123 n. Chr.“ Mindestens zehnmal Anzeige erstattet - Reiner Vandalismus

Von Christa Bechtel | 09.09.2011, 14:54 Uhr

„Minimum sind zehn Einsätze, bei denen wir gesehen haben, dass hier reiner Vandalismus betrieben wurde. Da wurden Spiegel abgetreten, Scheiben eingeschlagen, der Strom abgeklemmt, die Scheinwerfer eingetreten“, erklärt Monika Schnuck vom Landschaftsverband Osnabrücker Land (LVO), die mit ihrer Kollegin Petra Gieseke die Kunstwerke der Colossal-Ausstellung „Kunst – Fakt – Fiktion“ betreut.

Die Rede ist vom Objekt „123 n. Chr.“, das der Konzeptkünstler Andreas Slominski im Rahmen des internationalen Kunstprojekts Colossal entworfen hat. Dieses steht in Bohmte-Herringhausen an der Hunteburger Straße/Ecke Dübberortstraße. Projektträger ist der LVO; Familie Massmann stellte für „123“ ihren Grund und Boden zur Verfügung, Anneliese Mellentin den Strom.

Der in Meppen geborene Andreas Slominski lebt und arbeitet in Berlin. Er ist bekannt dafür, die Betrachter seiner Objekte in die Falle zu locken. Nach diesem Kriterium konzipierte er auch sein Kunstwerk „123 n. Chr.“. Auf einer Wiese in Bohmte-Herringhausen stehen drei weiße Golf der ersten Generation, die auf den ersten Blick wie ein wilder Schrottplatz wirken.

Doch die Scheinwerfer der Wagen, ergänzt durch eine Extra-Leuchte, lassen nachts – sozusagen wie Morsezeichen – die Zahlen 1, 2 und 3 erkennen. Manch einer mag sich jetzt fragen: „123 n. Chr.“ – welches geschichtliche Ereignis fand denn in diesem Jahr statt?

Slominski richtet den Fokus gezielt auf die Lücken in unserem Geschichtswissen und zeigt mit diesem Rätsel, dass dieses Nicht-Wissen integraler Bestandteil chronologischer Konventionen ist.

Daher das zusätzliche auf einer Stange montierte Licht, die leichten Verfälschungen, der skurrile Fernpunkt, der eine Aufstellung suggeriert, die breiter ist als das eigentliche Trio der Autos. Und: Es gab im betreffenden Jahr übrigens keine besondere geschichtliche Begebenheit!

So viel zur Erklärung des Kunstwerks, durch das niemand eine persönliche Beeinträchtigung erfährt. Und doch wird es seit Monaten immer wieder zerstört, erfährt eine gnadenlose Intoleranz. „Sobald wir von den Schäden wussten, haben wir Anzeige bei der Polizei erstattet“, so Monika Schnuck, die sich an diesem Morgen die aktuellen Schäden vor Ort ansah: Die Windschutzscheiben wurden eingetreten und auch die Dächer der Pkw zerstört. Dem LVO sind durch diese Zerstörungswut in den vergangenen Monaten Kosten in Höhe von etwa 3000 Euro entstanden.

Ortsbürgermeister Heiner Niemann vermutet, dass es randalierende Jugendliche sind, die am Wochenende durch den Ort ziehen. Er meint, „dass die Pkw für sie ein besonderer Anziehungspunkt sind. Das ist leider in der heutigen Zeit so“, beklagt der Politiker, der der Ansicht ist, dass es vielen schwerfalle, „123“ als Kunstobjekt zu verstehen. „Weil man nichts damit verbinden kann und sich nicht damit befasst hat; für mich ist das kein Problem“, betont der Kunstbegeisterte, der sich sicher ist, dass die Herringhauser hinter diesem Projekt stehen.

Nach der aktuellen Sachbeschädigung wird der LVO nun Rücksprache mit Andreas Slominski nehmen. „Eventuell wird das Kunstwerk dann früher abgebaut“, signalisiert Monika Schnuck.