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Glücklich, gebraucht zu werden Christel Kühn und die Grundschulbücherei Bohmte

Von Christa Bechtel | 15.06.2018, 21:33 Uhr

Jede Lektüre, die Christel Kühn bereits als Schulkind in die Finger bekam, las sie - und entwickelte sich im Laufe der Jahre zur richtigen Leseratte. Seit sieben Jahren gehört sie mit großer Begeisterung zum ehrenamtlichen Team, das die Bücherstube in der Erich-Kästner-Schule Bohmte betreut.

„Ich bin Kriegskind und in der Zeit gab es nicht viele Bücher“, blickt Christel Kühn, die gebürtig aus Bergfriede/Ostpreußen kommt, auf ihre Kindheit zurück. Ihr erster Roman war „Suchkind 312“. „Das war ein Fortsetzungsroman in der „Hör Zu“, den ich mit einer Taschenlampe unter der Bettdecke gelesen habe, weil ich das nicht durfte“, erzählt sie. In dieser Zeit habe sie viele Bücher von Schulfreundinnen ausgeliehen bekommen, wie die Serie „Nesthäkchen“. „Die liest wahrscheinlich heute keiner mehr. Aber die waren damals so angesagt wie heute die Conni- oder Bibi Blocksberg-Bücher“, meint die Mutter von zwei erwachsenen Kindern und Oma von drei Enkeln.

Glücklich noch gebraucht zu werden

„Du hast doch Zeit; wir brauchen noch jemanden für die Bücherstube“, kam nach den Sommerferien 2011 die damalige Leiterin auf Christel Kühn zu, die erst einmal etwas verhalten reagierte. Sollte sie sich das in ihrem Alter noch regelmäßig antun, fragte sich die seinerzeit 74-Jährige. Doch anschauen wollte sie sich diese neue Aufgabe schon. Als sie in die Bücherstube kam, sah sie den Computer und sagte spontan: „Vergiss mich; ich gehe nach Hause.“ „Weshalb?“, fragte Leiterin Tatjana Sandner. „Ich weiß wohl, dass das kleine Ding da ‚Mouse‘ heißt, doch mehr kenne ich vom Computer nicht“, antwortete Christel Kühn. Aber: „Ich habe mich überreden lassen und bin heute froh darüber, dass ich das gemacht habe. Der Computer hat mir anfangs zwar nicht immer gehorcht, aber jetzt ist er mir vollkommen hörig“, erzählt sie. Daher sei sie dankbar, „dass ich jeden Dienstag in die Erich-Kästner-Schule gehen darf.“ Vor allem, als man ihr nach ihrem 80. Geburtstag sagte: „Du darfst aber nicht aufhören, wir brauchen dich noch.“ Kühn: „Da bin ich glücklich drüber, dass ich noch gebraucht werde.“ Zum weiteren Bücherstubenteam gehören Koordinatorin Michaela Strubbe, Erika Macho, Anette Rupenkamp und Selvi Kunt, die an den anderen Schultagen präsent sind.

Querbeet von Märchen- und Sachbücher

Denn die Bücherstube hat täglich in den großen Pausen von 9.10 Uhr bis 9.30 Uhr und von 11 bis 11.20 Uhr geöffnet. Rund 1200 Bücher haben dort die Mädchen und Jungen zur Auswahl. Querbeet von Märchen- und Sachbücher über die beliebten Conni- und Bibi Blocksberg-Reihen bis hin zu englischer Lektüre oder Schulwitze-Bücher. Überwiegend werde der Lesestoff gespendet. „Zwischendurch, wenn Geld vorhanden ist, schaffen wir auch neue Bücher an“,so die Bohmterin. Sehr viel werden von den rund 200 Lesekindern die Sachbücher „Was ist Was“ ausgeliehen, die seit über 50 Jahren für kindgerecht vermitteltes Wissen und eine einzigartige Themenvielfalt stehen.

Herz ausschütten

Zwischendurch wird Christel Kühn von den jungen Leseratten auch nach ihrem Alter gefragt. „Es war schon mal ein Kind hier, das mir freudestrahlend erzählte, dass sie kleine Katzen haben. Wenn der Schulwechsel ist, kommen auch Kinder, die strahlend sagen: ‚Ich habe eine Empfehlung fürs Gymnasium oder für die Realschule‘“, geht sie darauf ein, dass die Grundschüler ihr ebenso ihr Herz ausschütten.

Lesen bildet

Seit rund 30 Jahren ist das Klöppeln für die gelernte Weberin ebenfalls zur Passion geworden, sodass sie sogar zum Schauklöppeln eingeladen wird. Jahrelang im Landgasthaus Gieseke-Asshorn, wenn am Totensonntag in Bohmte der „Tag der offenen Tür“ war. Bis dato stellt sie diese Handarbeitstechnik zudem auf der Mühleninsel in Venne zum Erntedankfest vor. Seit Kurzem auch im Heimatmuseum Schwagstorf, wenn es jeden ersten Sonntag im Monat geöffnet ist. Weiter engagiert sich Christel Kühn in der St. Thomas Kirchengemeinde Bohmte für alles, „was so anfällt.“ So deckt sie beispielsweise zum Nachmittags-Frauenkreis am zweiten Mittwoch im Monat die Tische und teilt Kuchen mit aus.

„Oder wenn wir einen Gospel-Workshop haben, bekommen die Teilnehmer auch Essen“, erzählt sie. „Wenn ich gebraucht werde: Ein Anruf genügt und ich bin da“, sagt sie lächelnd. Für die Bücherstube wünscht sie sich: „Dass die Kinder weiter so lesen, Bücher ausleihen. Denn lesen bildet, hilft in der Rechtschreibung und fördert den Wortschatz.“