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Gastspiel im Rittersaal Zwei grandiose Pianisten in Lemförde

Von Christa Bechtel | 24.07.2014, 10:11 Uhr

Im wieder gut gefüllten Rittersaal gastierten im Rahmen eines Gesprächskonzertes zwei grandiose Pianisten, deren Spiel Seele und Wärme hat: Oksana Köhn aus Bramsche und Achim Clemens aus Gummersbach.

Mitgebracht hatten die beiden, die vielen bereits durch die Feuchtwanger-Meisterkurse bekannt sind, Klaviermusik aus dem alten Russland. Zünftig begrüßt wurden die Besucher mit Brot, auf das Butter und Salz kam, und einem Wodka.

Oksana Köhn eröffnete das Programm schwermütig mit dem „Morgengebet“ von Tschaikowski.

Anschließend leitete Oksana Köhn die prägnante und leidenschaftliche Musik „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgsky ein: „Drei Freunde sind 1870 von einer Idee besessen: ein Kunstkritiker, ein Kunstarchitekt und ein Musiker. Was sie in Freundschaft verbindet, ist der Wille, die ursprüngliche Sprache der russischen Kultur in allen Bereichen zu manifestieren. Doch dieses große Projekt bleibt unerfüllt – denn einer stirbt. Und der Kunstkritiker Wladimir Stassow organisiert eine Ausstellung seines verstorbenen Freundes, des Kunstarchitekten und Malers Victor Hartmann.“

Der Komponist, der der dritte Freund war, sah die Ausstellung und begann mit dem Zyklus, den er erst einmal „Hartmann“ nannte. „Für die Auswahl der Stücke, die wir getroffen haben, war für uns kennzeichnend, inwiefern zum Beispiel eine Schlossruine auf der Zeichnung Hartmanns russisch erklingen kann oder wie man ein Modell einer Standuhr russisch erklingen lässt“, erläuterte die Bramscherin, die mit Achim Clemens vierhändig den Zyklus mit „Il vecchio castello“ eröffnete.

Ein mittelalterliches Schloss in Frankreich, vor dem ein Troubadour singt. Mussorgsky verwandelte die Landschaftsbilder in eine lyrische Miniatur – und die beiden exzellenten Pianisten spielten sie mit einer bestechenden inneren Präzision.

Mit „Bydlo“ folgte ein polnischer Ochsenkarren; ungewöhnlich massive Akkorde im Bass beschreiben deutlich, wie der schwerfällige Weg sich erst nähert, dann wieder entfernt.

Bei „Samuel Goldenberg und Schmuyle“ basiert das Sujet auf Bleistiftskizzen zweier Juden. Mussorgsky schuf daraus ein Zwiegespräch, das in einen Streit mündet – was Köhn mit Klangbeispielen vorab den Zuhörern nahebrachte.

„So hervorragend erklärt habe ich Mussorgskys Zyklus mal ganz anders gehört“, schwärmte ein Konzertbesucher in der Pause. Anschließend bewiesen abwechselnd Oksana Köhn und Achim Clemens ihr bravouröses Können am Flügel. Dafür hatten sie beispielsweise Rachmaninoffs „Prélude cis moll“ ausgewählt.

Mit dem „Abendgebet“, besser bekannt als „Ich bete an die Macht der Liebe“, klang das Konzert nach zweieinhalb Stunden aus. Doch das begeisterte Publikum forderte noch eine Zugabe – die bekam es auch.