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Empfang des Kirchenkreises in Bohmte Hugo: Viele Dinge mit Gelassenheit ertragen...

Von Rainer Westendorf | 18.09.2011, 13:27 Uhr

„Ein Forum der Begegnung für ehrenamtliche und hauptberufliche Mitarbeiter soll diese Veranstaltung sein“, so Wolfgang Loos, Superintendent des Kirchenkreises Melle/Wittlage. Zum vierten Mal fand das Treffen statt. Am Samstag war die Kirchengemeinde St. Thomas Bohmte Gastgeber der Zusammenkunft.

In den 15 Gemeinden des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises zählen mehr als 100 Frauen und Männer , die in der Kirche und diakonischen Einrichtungen tätig sind, zu dem Personenkreis. „Wir verstehen uns aber zugleich ganz bewusst als Kirche in der Welt“, sagte Loos. Daher umfasste der Kreis der Eingeladenen Vertreter aus Politik, Schulen, Kindergärten, Industrie, Handwerk und Landwirtschaft. Ein breites Spektrum also, um miteinander ins Gespräch zu kommen und Meinungen auszutauschen. Musikalisch umrahmt wurde das Treffen von Peter Münter, Oboe, und Ralf Winkelmann, Gitarre, die Klezmer-Musik spielten.

Der Superintendent ging in seiner Begrüßung auf ein Thema ein, das viele Mitglieder der Kirchengemeinden – nicht zuletzt die Gemeinden im Altkreis Wittlage – beschäftigt: die Zusammenlegung der Kirchenkreise. „Wir stehen seit fünf Jahren in einem spannenden Neuordnungsprozess“, so Loos. Aus vier Kirchenkreisen in der Region Osnabrück werden drei. Melle/Wittlage ist künftig nicht mehr eigenständig. Zum 1. Januar 2013 gehören die Meller Kirchengemeinden zum Kreis Georgsmarienhütte. Die Wittlager kommen zum Kirchenkreis Bramsche. Osnabrück „übernimmt“ wiederum einige Gemeinden aus dem Kreis Georgsmarienhütte. „Es geht darum, die Kräfte zu bündeln“, so Loos zu den Motiven der Strukturreform. Wichtig sei es, auch in Zukunft miteinander im Gespräch zu bleiben und als evangelisch-lutherische Kirche in der Osnabrücker Region zu agieren. Die Diskussion sei natürlich nicht einfach gewesen. „So mancher hat dabei die Freiheit des Christenmenschen vermisst“, schlug der Superintendent den Bogen zum Motto des Kirchenkreisempfangs.

„Der Christenmensch ist ein freier Herr über alle Dinge und niemandem untertan. Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan.“ Diese Sätze Martin Luthers standen im Mittelpunkt. Welche Bedeutung haben sie in der heutigen Gesellschaft? Landrat Manfred Hugo beschäftigte sich mit dieser Frage in seinem Vortrag.

Hugo war gleich in mehrfacher Funktion präsent. Er gehört der Kirchengemeinde St. Thomas Bohmte an. Er ist Mitglied des Kirchenkreistags und des Kirchenkreisvorstands – und er ist bekanntlich Landrat; und zwar seit 18 Jahren. Am 31. Oktober endet seine Amtszeit, und er geht in den Ruhestand. „Soll ich hier überhaupt als Redner auftreten?“, fragte Hugo angesichts dieser mehrfachen Bindungen. Er habe zunächst gezögert, sich aber dann entschlossen, kurz vor dem Ende der Berufslaufbahn etwas aus seinem Leben zu erzählen. Die Freiheit des Christenmenschen spiele in all seinen Funktionen eine Rolle. Manfred Hugo berichtete, dass er in Eltern- und Großelternhaus eine christliche Zuversicht und innere Ruhe gelernt habe, die ihn sein Leben lang geprägt hätten. Das sei ein stabiles Fundament. „Und daraus gewinnt man die Freiheit, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen.“

In die Politik kam Hugo übrigens durch sein Engagement im CVJM. 1968 suchte die CDU Kandidaten, und zwar solche evangelisch-lutherischer Konfession. In den 50er- und 60er-Jahren war die CDU nämlich noch sehr stark katholisch geprägt. Hugo ließ sich aufstellen – er war ziemlich weit vorn auf der Liste platziert – und wurde gewählt. „Von da an war die Karriere nicht mehr zu verhindern...“, merkte der Landrat ironisch an. Hugo wurde später Bürgermeister in Bohmte. Im Rat herrschte eine Pattsituation, das Los musste entscheiden. „Dieses Los hat meinem Lebensweg nachhaltig bestimmt.“ Die weiteren Aufgaben und Funktionen erwuchsen später daraus. Eine Tatsache, der sich Hugo immer bewusst war – und die für die notwendige Bodenhaftung gesorgt hat.

Hugo hat sich immer bemüht, seine christliche Grundeinstellung in das tägliche Leben einfließen zu lassen, ob als Bürger, Jurist oder Kommunalpolitiker, ohne das an die große Glocke zu hängen. „Viele Dinge kann man mit Gelassenheit ertragen“, so Hugo. Selbst die Querelen in der Landkreis-CDU in den vergangenen eineinhalb Jahren. „Das war nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig.“ Aber letztendlich komme es im Leben auf ganz andere Dinge an, betonte der scheidende Landrat in der St.-Thomas-Kirche Bohmte.