Ein Artikel der Redaktion

Bronze- und Eisenzeit Lembruch: Museum macht Geschichte lebendig

08.10.2014, 20:30 Uhr

Eine bronzezeitliche Modenschau, eine eisenzeitliche Kampfvorführung, Feuerschlagen als Workshop, Schmieden für Kinder, Bogenschießen, Speerwerfen, Panflötenspiel, Grillen und Backen: All das und vieles mehr beinhaltete der archäologische Sonntag zur Bronze- und Eisenzeit am Dümmer.

Zu diesem hatte das Dümmer-Museum Lembruch Alt und Jung eingeladen – und über 800 interessierte kleine und große Besucher kamen.

Unter dem Motto „Spectaculum der Vorgeschichte“ tauchten alle per Zeitreise in die Anfänge der Metallverarbeitung ein. Konzeptionell und logistisch hatte diese außergewöhnliche „Zeitreise“, die fast wie ein mittelalterlicher Markt anmutete, in wochenlanger Vorarbeit Klaus Haller aus Osnabrück, der erst kürzlich seinen Magister in Ur- und Frühgeschichte abschloss, vorbereitet. Mit „ins Boot“ hatte er den Archäo-Techniker Guido Groneik aus Ostercappeln, die Gruppe „Aurea Aetas“, zu Deutsch „Das goldene Zeitalter“, aus Aschaffenburg, sowie den Panflötisten Sebastian Pachel aus Bielefeld geholt.

„Aurea Aetas“ machte ihrem Namen alle Ehre, denn es schimmerte und glänzte an diesem besonderen Tag oft im Museum. Neben norddeutschen Trachtausstattungen hatten sie auch etliches aus Süddeutschland mitgebracht. Während einer Modenschau zeigte die Gruppe beispielsweise Trachten, die aus der Mittelbronzezeit (ca. 1350 vor Chr.) oder der Urnenfelderzeit (1000 vor Chr.) überliefert sind. Außerdem stellten sie Hals-, Arm- und Beinschmuck, verschiedene Nadeln, Fibeln, Gürtelscheiben, aber auch Bewaffnung vor. „Von diesen (Lüneburger) Flügelhauben wurden bislang rund 40 Exemplare ausgegraben“, verdeutlichte Goldschmied Thorsten Seifert mit Blick auf ein junges „Model“.

Jedoch durfte auch ein Krieger aus der Urnenfelderkultur mit Helm (aus Österreich), Rüstung (Frankreich), Schild, Beinschienen (Region Ulm) und Speer nicht fehlen. „Wir haben nie ein komplettes Set gefunden, sondern immer nur die Einzelteile“, erklärte Seifert, der mit seiner Gruppe Geschichte lebendig werden ließ. Dazu trug auch die begleitende Präsentation mit Repliken aus Schmuck und Waffen im Anbau des Museums bei.

Die Aschaffenburger Frauen präsentierten die Wollverarbeitung; mit natürlichen Materialien wie Krappwurzel oder der Färberdistel Saflor färbten sie diese und - wie passend - in den leuchtenden Herbstfarben. Außerdem lud die Gruppe zum Grillen von Würstchen ein, natürlich über einem offenen Feuer, und offerierte den Gästen Trauben- und Apfelsaft, die schon in der Bronze- und Eisenzeit bekannt waren.

Klaus Haller, der sich in einen Schmied der vorrömischen Eisenzeit verwandelt hatte, agierte nicht nur auf seinem Schmiedeplatz, indem er das Feuer mit Blasebalg in Betrieb hielt, sondern präsentierte auch die eisenzeitliche Kultur. Begeistert machte außerdem die jüngere Generation von seinem Angebot „Schmieden für Kinder“ Gebrauch. Guido Groneik lud dagegen die Kinder zum Speerwerfen und Bogenschießen ein. Zwischendurch beeindruckten Haller und Groneik sogar mit einer Kampfvorführung vor dem Museum, bei dem beide einige Blessuren davontrugen und sogar ein Schild zerbrach. Zuvor hatten sie die Bewaffnung in der Eisenzeit genauestens erklärt.