Ein Artikel der Redaktion

Bohmte Wanderungstendenzen auf die Spur kommen

12.04.2007, 22:00 Uhr

Der demografische Wandel der Gesellschaft stellt Bürger, Sozialversicherungssysteme, aber auch die Städte, Kreise und Gemeinden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten vor enorme Herausforderungen. Was kann eine Gemeinde wie Bohmte tun, um sich auf diese Veränderungen einzustellen? Um diese Frage ging es während eines Workshops im Kotten an der Schulstraße.

Vertreter der Vereine, Kommunalpolitiker und Verwaltung kamen zusammen. Als Experte und Referent dabei war Dr. Dirk Heuwinkel vom Landkreis Osnabrück. Heuwinkel stellte aufschlussreiche Statistiken vor, die nicht nur ein generelles Bild der Entwicklung aufzeigten, sondern auch einen genauen Blick auf Bohmte ermöglichten. Ein konkretes Ergebnis des Treffens steht bereits fest: Arbeits- und Gesprächskreise werden eingerichtet, die sich um verschiedene Aspekte des Themas '"'Demografischer Wandel'"' kümmern. Nach Ostern, voraussichtlich Ende April, sind weitere Zusammenkünfte geplant.

Demografischer Wandel bedeutet, dass die Bevölkerung altert, die Lebenserwartung der Menschen also steigt. Hinzu kommt, dass die Zahl der Geburten niedrig ist. Folge: Die so genannte Bevölkerungsspyramide ist keine Pyramide mehr, die auf einem breiten Fundament von jungen Menschen steht. Bekannte Konsequenz für die Rentenversicherung: Immer weniger Junge müssen die Rente von immer mehr Älteren finanzieren. Ein Phänomen, das nicht nur Deutschland betrifft. '"'Wir sind Teil der globalen Veränderung'"', sagte Heuwinkel. Der Wandel betrifft sämtliche Industrieländer, wenn auch in unterschiedlich starkem Ausmaß. Aber auch Staaten wie China werden davon betroffen sein.

Wie sieht es in der Region aus? Der Landkreis Osnabrück gehört zu den wenigen Gebieten mit einem Geburtenüberschuss. Dies ändert sich aber rasch, die Region geht nun in die Phase der Stagnation über, wo sich Zu- und Wegzüge, Geburten- und Sterbefälle in etwa die Waage halten. Wobei es im Landkreis bereits heute erhebliche Unterschiede gibt.

In anderen Regionen der Bundesrepublik, vor allem in den neuen Bundesländern, hat der Schrumpfungsprozess begonnen. '"'Die Veränderungen sind bereits überall spürbar'"', sagte Heuwinkel. Indikatoren sind unter anderem aus Ausdünnung der Nahversorgung, Nachwuchsmangel in Vereinen und eine Veränderung der Märkte. Andere Produkte und Dienstleistungen werden künftig stärker nachgefragt. '"'Die Wirtschaft hat die Gruppe 50 plus als Kunden entdeckt.'"'

Wenn die Kinderzahlen sinken, stellt sich in den Gemeinde natürlich die Frage, wie viele Kindergartenplätze benötigt beziehungsweise vorgehalten werden sollen. Gleiches gilt für die Schulen. Der Bundesgesetzgeber, und auch die Kommunen können natürlich etwas dafür tun, dass die Kinderzahlen steigen. So etwa ausreichende Betreuungsangebote schaffen, um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können. Heuwinkel warnte allerdings davor, dass aufgrund solcher Maßnahmen plötzlich Kinder in Deutschland geboren werden. Da sei unrealistisch. Der Referent wie auch die Teilnehmer des Treffens waren sich einig, dass in der Bundesrepublik ein kinder- und familienfreundlicheres Klima herrschen müsse, um eine Veränderung zu bewirken. Und das sei eine Sache des Bewusstseins jedes Einzelnen.

Wie sieht die demografische Situation in der Gemeinde Bohmte aus? Nach einem starken Bevölkerungszuwachs in den 90er Jahren - Zuzug von Russlanddeutschen - stagniert die Einwohnerzahl seit 2001. 2002 und 2003 gab es bereits einen Sterbeüberschuss. Die Gemeinde bietet ein attraktives Wohnumfeld, das junge Familien anzieht. Wichtig sei, so Heuwinkel, Arbeitsplätze vor Ort bereitzuhalten. '"'Sie müssen die Wirtschaftsstruktur im Blick haben.'"' Das sei der Fall, betonte Bürgermeister Klaus Goedejohann.

Interessant ist ein Blick auf die Wanderungsbilanz, also die Zahl der Zu- und Wegzüge. Familien kommen nach Bohmte, aber es gibt hohe Verluste durch die so genannte Bildungswanderung. Viele junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren verlassen die Gemeinde, um auswärts zu studieren oder eine Ausbildung zu absolvieren.

Erstaunlicherweise existiert zudem eine Seniorenzuwanderung. '"'Das sind Menschen, die in die Nähe ihrer Kinder oder Enkel ziehen'"', vermutete Heuwinkel. Es handele es sich nämlich nicht um Bürger, die in ein Altenpflegeheim gehen müssten. Wie Goedejohann mitteilte, will die Kommune diesen Wanderungstendenzen auf die Spur kommen.

So sind Befragungen bei An- und Abmeldungen geplant, um mehr Klarheit zu schaffen - und die Politik entsprechend ausrichten zu können. Nächster Schritt ist die Gründung von Gesprächskreisen, die vom Landkreis Osnabrück begleitet werden. Themen sind '"'Älter werden in Bohmte'"', also die Frage, wie Menschen im Alter wohnen können, sowie '"'Junge Familien'"'. Eine weitere Gruppe will sich mit Möglichkeiten befassen, wie das ehrenamtliche Engagement gefördert werden kann.