Ein Artikel der Redaktion

Bohmte Begegnung von Kunst und Theologie

22.05.2009, 22:00 Uhr

„Die Arbeit an dem Buch, an den Texten, das war einfach wunderschön. Und wir waren der Gemeinde wieder ganz nah“, sagen Pastor i. R. Hans-Dieter Schorege und seine Ehefrau Margarete. Schorege hatte vor mehr als 30 Jahren die St.-Thomas-Kirchengemeinde verlassen.

„Aber wir kommen gar nicht los von Bohmte, es ist wie ein Nach-Hause-Kommen“, erklärt das evangelische Theologenehepaar, das kürzlich den Kirchen- und Kunstführer „Die St.-Thomas-Kirche in Bohmte“ veröffentlicht hat.

War in den 50er-Jahren die Kirche in Bohmte noch karg, glanzlos und mit kleinen Fenstern ausgestattet, änderte sich dies in den 60ern, als Pastor Schorege mit dem Künstlerehepaar Ruth und Theo Landmann zusammentraf. Gemeinsam erarbeitete man eine theologisch-künstlerische Konzeption. Vereinigt in kongenialer ökumenischer Zusammenarbeit, schufen sie eine einzigartige Bilderbibel – einen Traum aus Stein, Farbe und Kristall.

So entwarf Ruth Landmann beispielsweise 14 Engobe-Tafeln, Keramiken, auf denen die Schöpfungsgeschichte dargestellt ist. Die 14. Tafel weist auf das Neue Testament hin, dessen Hauptaussagen in den acht Buntglasfenstern der Südwand von Theo Landmann gedeutet wurden. Was zunächst aussieht wie eine farbsymbolische Interpretation von Weihnachten (blau), Karfreitag (violett), Ostern (golden) und Pfingsten (rot), beweist beim näheren Betrachten, dass der Stern der Heiligen Nacht, die Dornenkrone, das Kreuz und andere Sinnbilder des Neuen Testaments bewusst als Stilmittel dieser farblich reizvollen Komposition verwendet wurden. Das in Rot gehaltene Fenster stellt wiederum eine Verknüpfung zum Altarbild her, das Ruth Landmann schuf und das Christus mit dem Apostel Thomas zeigt. Die Krönung der Kunst in St. Thomas stellt nach Ansicht von Sachverständigen die von Ruth Landmann erschaffene farbige Kirchentür aus venezianischem Glasmosaik dar. Nach dieser künstlerischen Erneuerung wurde die Kirche nicht nur zum „Wallfahrtsort“, sondern viele gaben ihrer Begeisterung Ausdruck, wie der katholische Pfarrer Karl Boltmann, der zu Pastor Schorege sagte: „Ihre neue Kirche zwingt mich in die Knie!“ Ortsbürgermeister Willi Rückin drückte es seinerzeit so aus: „Die alte Kirche engte mich ein – die neue macht mich frei! Die alte stimmte mich sentimental – die neue macht mich froh.“ Die lebendige Gemeinde habe sich durch ihr hohes Opferaufkommen dieses außergewöhnliche Gotteshaus selbst errichtet, betont Pastor Schorege noch heute.

In dem Kirchenführer, „den wir ursprünglich schon in den 70er-Jahren der Gemeinde versprochen hatten“, so Hans-Dieter Schorege, werden alle Kunstwerke eingehend erläutert: Die brillanten Fotos steuerte Christian Grovermann bei. „Hier liegt ein wahrer Glücksfall einer Begegnung von Kunst und Theologie vor, aber auch der Konfessionen“, betont Ministerpräsident Christian Wulf in seinem Geleitwort. Das verstorbene Künstlerpaar Landmann habe hier im Verein mit dem Pfarrerehepaar Schorege aus einer schmucklosen Kirche ein Gotteshaus geschaffen, das seine Besucher immer wieder in Erstaunen setze und begeistere, und zwar weit über die Region Osnabrück hinaus, so Wulf.

Daher widmet auch der NDR Anfang Juni diesem Gotteshaus eine Reportage. Schoreges Kirchen- und Kunstführer ist im Rasch Verlag unter ISBN 978-3-89946-127-5 erschienen, ist aber auch nach allen Gottesdiensten, im Pfarrbüro sowie in den Geschäften La Tabacciere (Ulrike Rubcic) und bei Markus Dörfler, Bremer Straße, für zehn Euro erhältlich.