Mehrheit für Vertragsverlängerung Streitpunkt im Bohmter Rat: Kinder- und Jugendarbeit

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Ohne Schulsozialarbeit wäre der Alltag in den Schulen der Gemeinde Bohmte kaum noch vorstellbar. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpaOhne Schulsozialarbeit wäre der Alltag in den Schulen der Gemeinde Bohmte kaum noch vorstellbar. Symbolfoto: Daniel Karmann/dpa

Stirpe-Oelingen. Wenn über einen Tagesordnungspunkt im Rat 50 Minuten diskutiert und zum Abschluss in namentlicher Abstimmung entschieden wird, ist das einigermaßen ungewöhnlich. Thema des Gemeinderats Bohmte war in der Gemeinschaftshalle Stirpe-Oelingen das Gesamtkonzept der Kinder- und Jugendarbeit.

Im Vorfeld, so berichtete Erste Gemeinderätin Tanja Strotmann, seien die Vertreter von Schulen und Kindergärten befragt, in Ausschüssen beraten und die beiden Vertragspartner, Kinderhaus Wittlage und Fuchs Konzept, befragt worden. Der Schulausschuss habe dafür votiert, eine Arbeitsgruppe zu bilden, um das bestehende Konzept zu überarbeiten.

Notwendig sind die Beratungen geworden, weil die Verträge zum 31. Juli 2018 auslaufen. Derzeit ist das Kinderhaus für frühe präventive Hilfen (Grundschulen und Kindergärten und die offene Kinder- und Jugendarbeit) zuständig, Fuchs Konzepte für die Schulsozialarbeit an Haupt- und Realschulen. Kurzfristig, so Strotmann, sei bei der Gemeinde die Nachricht eingetroffen, dass Fuchs Konzepte für Schulsozialarbeit aus einer Hand sei und für die Tätigkeit an einer Schule nicht zur Verfügung stehe.

Neues Konzept

Helmut Buß (SPD), bis zum Ende des vergangenen Schuljahrs selbst stellvertretender Leiter der Oberschule Bohmte, sprach sich dafür aus, dass eine Arbeitsgruppe das Konzept überarbeiten solle. Schließlich sei 2011 bei Vertragsabschluss von den Herausforderungen, die heute die Inklusion darstelle, noch nicht die Rede gewesen. Das sei von den Lehrern allein nicht zu bewältigen.

Funktionierendes Konzept

Joachim Solf (Bündnis 90/Die Grünen) sprach sich für die Weiterführung des bestehenden Konzepts: „Nach Angaben der Betroffenen funktioniert es gut. Bei einer Änderung wüssten wir nicht, was wir wiederbekommen.“ Er fügte hinzu, dass nicht das schriftliche Konzept entscheidend sei, sondern die tatsächliche Arbeit. Solf: „Wir haben ein funktionierendes System.“ Und Mängel der Inklusion seien auf Gemeindeebene nicht zu beheben.

Norbert Kroboth (CDU) machte deutlich, dass die Gemeinde die Mittel, die sie für die Kinder- und Jugendarbeit zur Verfügung stelle, nicht unendlich steigern könne. Eine Deckelung sei erforderlich. Gleichzeitig liege es in der Verantwortung der Gemeinde, den Angestellten auch über den 31. Juli 2018 hinaus Sicherheit zu geben. Kroboth: „Wir müssen dazu stehen, nicht immer neu auszuschreiben und neue Wege zu suchen.“ Er fügte hinzu: „Ich meine, es ist eine gute Regelung, das erste Quartal 2018 in der Arbeitsgruppe für eine Überarbeitung zu nutzen.“

Vergabebeschluss verschieben

Thomas Rehme, Sprecher der SPD-Fraktion, verwies darauf, dass der so lautende Beschluss im Verwaltungsausschuss nicht einstimmig erfolgt sei. „Wir sind für die Überarbeitung. Eine Anpassung muss möglich sein. Und mit dem vorliegenden Beschluss ginge das so nicht..“ Er plädierte dafür, erst das Konzept zu aktualisieren und dann den Vergabebeschluss in der nächsten Ratssitzung zu fassen. Rehme schloss mit dem Hinweis, er denke daran, namentliche Abstimmung zu beantragen.

Für die Linken sprach sich Lars Büttner dafür aus, dass die bisherigen Träger die Arbeit weiterführen. Der Erfolg sei von Personen abhängig, und ein Wunsch nach Wechsel sei nicht vorhanden. Markus Unger (CDU) machte deutlich: „Seitens der Schulen und Kindergärten gibt es keine Bedenken gegen die bisherigen Träger. Das war für uns maßgeblich.

Mathias Westermeyer brachte es auf den Punkt: „Die SPD ist für ein neues Konzept und die Ausschreibung, der Rest für die Beibehaltung des Bestehenden.“ Es sei das gute Recht von Fuchs Konzepte, mehr als 30 Prozent der Schulsozialarbeit zu wollen, dass die Äußerung nach der Schulausschusssitzung erfolgte, sei unglücklich.

Veränderungen nötig

Thomas Rehme votierte dafür, dass nicht erst die Auftragsvergabe erfolgen und dann über das Konzept beraten werden sollte. Das Kinderhaus Wittlage leiste in Kindergärten und an Grundschulen ohne Zweifel gute Arbeit. In der offenen Jugendarbeit sei er aber der Ansicht, dass Veränderungen nötig seien. Rehme: „Wir sollten in der nächsten Sitzung darüber abstimmen, wer es macht.“ Anita Meier zu Farwig: „Wenn alle, die abgefragt wurden, zufrieden sind, kann es beim Kinderhaus bleiben.“

Bürgermeister Klaus Goedejohann sagte, dass sich alle einig seien, dass die Gemeinde Bohmte bei der Kinder- und Jugendarbeit vorbildlich unterwegs sei. 2014 sei einstimmig eine Verlängerung der Verträge erfolgt. Goedejohann: „Hinter den 255.000 Euro stehen Menschen. Kurz vor Weihnachten zu sagen: Ihr habt keinen festen Job mehr, geht nicht an.“ Er forderte die Ratsmitglieder auf: „Lasst uns alle bei Fuchs anrufen, damit das, was in den vergangenen sechs Jahren super gemacht wurde, weitergehen kann.“

Die namentliche Abstimmung ergab, dass die 11 Vertreter der SPD gegen die Verlängerung der Verträge, die 19 Ratsmitglieder von CDU, Bündnis 90/Die Grünen und Gruppe Die Linke/Berg dafür waren.


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