Praktika und Integration Flüchtlinge bauen den Bohmter Jugendtreff aus

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Bohmte. Ein angehender Koch, Verfahrensmechaniker, Straßenbauer, Kfz-Mechatroniker und Elektriker haben gemeinsame Sache gemacht. Statt den Sommer im Freibad oder auf dem Bolzplatz zu verbringen, haben sie vermessen, gesägt, geschraubt und gebohrt. Diese fünf jungen Männer aus Gambia, Albanien und Afghanistan haben Manfred Poschmann geholfen, den Schiffscontainer am Bohmter Treff 163 auszubauen.

.„Ich hätte sonst nichts zu tun gehabt. Dann helfe ich lieber freiwillig mit, als nur in meinem Zimmer zu sitzen“, sagt der Albaner Fatjon. „Es wird ein Treffpunkt für junge Leute. Das finde ich gut“, ergänzt Syku aus Gambia.

Die jugendlichen „Handwerker“ sind als unbegleitete minderjährige Ausländer (umA) nach Deutschland gekommen. Der Verbund Sozialer Dienste (VSD) hatte sie in einer sogenannten Clearingstelle aufgenommen, um ihre Bleibeperspektiven zu klären. 13 der fast 50 umA, die seit Oktober 2015 vom VSD betreut worden sind, wohnen immer noch im Wittlager Land.

Das „BOB“-Projekt

Der Container stammt aus dem „BOB“-Projekt (Bad Essen, Ostercappeln, Bohmte) und ist schon von Sprayern verziert worden. Nun soll das Innere so hergerichtet werden, dass Kinder und Jugendliche hier gemütliche Stunden verbringen können. Freizeit ist für die jungen Ausländer inzwischen knapp geworden, denn sie haben am 1. August eine Ausbildung beziehungsweise eine Einstiegsqualifizierung begonnen.

Ousman kommt wie Syku aus Gambia. Im Juli 2016 ist er in der Clearingstelle in Ellerbeck (Gemeinde Bissendorf) aufgenommen worden. Die beiden wohnen jetzt zusammen in einer WG in Wallenhorst und teilen die gleiche Leidenschaft: Fußball. Ousman kickt für die 2. Herren von BW Hollage. Syku ist für die Sportfreunde Lechtingen am Ball.

Sprach- und Integrationsprojekt

Der 18-jährige Ousman möchte Verfahrensmechaniker werden. Er profitiert vom Sprach- und Integrationsprojekt „SPRINT-Dual“ des Kultusministeriums und der Agentur für Arbeit. Das heißt: Er geht weiter zwei Tage pro Woche zur Schule, an den anderen drei Tagen arbeitet der Afrikaner bei KME Germany GmbH & Co. KG in Osnabrück. Voraussetzung, um an dieser Vorbereitung auf die Ausbildung teilnehmen zu können, ist ein erfolgreich beendetes „SPRINT“-Jahr: Der Sprachstand A2 sollte danach erfüllt sein. Und die jungen Männer müssen einen Betrieb finden, der ihnen nach diesem Jahr „SPRINT-Dual“ einen Ausbildungsplatz in Aussicht stellt. Dabei hat ihnen Manfred Poschmann geholfen.

Praktikum im Straßenbau

Syku hat zwei Wochen lang ein Praktikum im Bereich Straßenbau bei Dieckmann gemacht. Als Kind habe er zwar den Wunsch gehabt, Flugbegleiter zu werden. Dieses Praktikum habe aber auch Spaß gemacht. Er war nie in der Clearingstelle des VSD, Syku hat Manfred Poschmann über Ousman kennengelernt. Er wollte nicht untätig herumsitzen und hat schon bei anderen Arbeitseinsätzen mitgeholfen.

Albert und Fatjon sind schon einen Schritt weiter als Ousman und Syku. Die beiden Albaner haben eine Ausbildung begonnen. Albert als Koch im Hotel Restaurant Bergeshöhe in Mettingen, Fatjon als Kfz-Mechatroniker bei Autohaus Fütz in Rabber. Albert wohnt in einem Betreuten Wohnen in Wehrendorf. Die Jugendlichen und jungen Männer werden hier zwar nicht rund um die Uhr betreut. Aber Fachkräfte aus dem VSD-Unternehmensverbund kümmern sich um sie. Kocht Albert denn manchmal auch für die anderen? „Nein, eigentlich nicht“, gesteht er schmunzelnd.

Über Hamburg nach Osnabrück

Fatjon wohnt zurzeit alleine in Wittlage, zwei Plätze sind in seiner WG noch frei. Er war schon immer an Autos interessiert. Im August 2015 kam er über Hamburg nach Osnabrück. Der Albaner war einer der ersten umAs in der Clearingstelle des VSD, die anfangs noch in einem Trakt der Familienferienstätte Haus Sonnenwinkel eingerichtet war. Außer den beiden Albanern hat auch Amir eine Ausbildung begonnen, und zwar bei Elektro Hauber. Der junge Afghane konnte bei der Aktion im Container nicht mithelfen, weil er im Betrieb gefragt war.

Zu Fuß zur Arbeit gehen

Rohullah hat in seiner Heimat Afghanistan schon in jungen Jahren zeitweise als Maurer und Tischler gearbeitet. Er musste daher nicht lange überlegen, als Manfred Poschmann ihn fragte, ob er ihm beim Container in Bohmte helfen möchte. Der 18-Jährige muss wie Ousman und Syku zuerst das Jahr „SPRINT-Dual“ erfolgreich meistern. Hausfeld Haustechnik hat ihm nach einem Praktikum einen Ausbildungsplatz in Aussicht gestellt. Immerhin kann er zu Fuß zur Arbeit gehen, denn Rohullah wohnt ebenfalls seit etwa eineinhalb Jahren im Betreuten Wohnen in Wehrendorf. Auch Khalid (Malerbetrieb Hollenberg und Hiese) und Zaman (Zimmerei Jens Wilker) absolvieren „SPRINT-Dual“ und bleiben in der Gemeinde Bad Essen.

Übergang ins Berufsleben

Manfred Poschmann vom VSD hat den jungen Männern geholfen, Kontakt zu den Firmen herzustellen. Er hat jahrelang Jugendliche beim Übergang ins Berufsleben begleitet und daher gute Kontakte in alle Branchen. Den Container baut er eigentlich mit Kindern und Jugendlichen aus dem Jugendtreff aus. Gelegentlich kann er aber auch auf die Hilfe der umAs zählen. „Sie sind sehr motiviert“, betont Poschmann. Damit sie „SPRINT-Dual“ erfolgreich bestehen, sei es wichtig, dass sie auch in der Schule gut abschneiden. „Ich versuche, ihnen die entsprechende Hilfe zu geben, damit sie diesen Teil erfüllen können“, so Poschmann.

Die 13 umA, die durch den Unternehmensverbund des VSD betreut werden, haben also entweder eine Ausbildung begonnen, sind im Programm „SPRINT-Dual“ bzw. „SPRINT“, gehen zur Berufsschule oder machen einen Integrationskurs mit.


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