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Regelmäßige Aktionen Mahnfeuer aus Sorge vor dem Wolf in der Dümmerregion

Von Heidrun Mühlke


Dielingen. Weidetierhalter und Landwirte haben mit einem Mahnfeuer auf die Gefahren der ansteigenden Wolfspopulation aufmerksam gemacht. Am Freitagabend trafen sich rund 150 Besorgte zu einem Mahnfeuer auf dem landwirtschaftlichen Anwesen des Landwirtes Joachim Schmedt in Dielingen.

Der Landwirtschaftliche Kreisverband Minden-Lübbecke unterstützte damit die vom Verband der Weidetierhalter in Niedersachsen initiierten „Mahn- und Solidarfeuer“. „Sie finden dort inzwischen regelmäßig zur Warnung vor den möglichen Folgen der unkontrollierten Wiederansiedlung der Raubtiere statt“, weiß Joachim Schmedt, Gemeindeverbandsvorsitzender und Hauptorganisator. „Auch wir wollen hiermit in unserer Region ein sichtbares Zeichen setzen.“

Sorge um wirtschaftliche Existenz

Mit dabei waren der Vizepräsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) Wilhelm Brüggemeier, der WLV-Bezirksverbandsvorsitzende Hubertus Beringmeier und der Kreislandwirt Rainer Meyer. „Wir sorgen uns um die Sicherheit der Weidetiere – Schafe, Ziegen, aber auch Kälber von Rinderherden sowie unseres Freilandgeflügels“, erklärte Schmedt. Verbunden sei damit auch die Unsicherheit über die wirtschaftliche Existenz der Betriebe. Neben den Sorgen um ihre Weidetiere und um ihr Freilandgeflügel mahnen die Landwirte, Weidehalter und Landbewirtschafter an, dass ohne ein konsequentes Management auch dem Wolf selbst so nicht gedient sei. „Bleiben Annäherungen des Wolfs an den Menschen dauerhaft ohne Konsequenzen für die betreffenden Wölfe, ist mit An- und Übergriffen zu rechnen“, erläuterte Kreisverbandsvorsitzender Hermann Seeker.

Verwilderung der Einzeltiere

„Wir Landbewirtschafter fürchten bei einer Verwilderung der Einzeltiere ohne Rudel weiter Angriffe auf Menschen. Falls Risse von Nutztieren trotz aller Vorsichtsmaßnahmen erfolgten, reiche die bisher festgelegte Entschädigung in der NRW-Förderrichtlinie Wolf nicht weit genug. Zudem sei die Beweislast eines Wolfsrisses aufseiten der Landwirte. „Das können wir nicht tolerieren“, bekräftigt Seeker. Die bisher vorgeschlagenen Präventionsmaßnahmen wie Herdenschutzhunde oder Schutzzäune seien nicht praktikabel.

„Wir Bauern fordern ein wesentlich weiter reichendes Wolfmanagement in NRW“, untermauert Joachim Schmedt. „Eine nachhaltige Akzeptanz des Wolfes kann nur durch eine stärkere Berücksichtigung der Interessen aller erreicht werden.“ Weidetiere in offenen Weidelandschaften wie im Mühlenkreis wolfssicher zu schützen sei kaum möglich. Die angestrebte landwirtschaftliche Nutzungsform „Grünland“ als ökologisch wertvoller Bestandteil der Kulturlandschaft sei nur dann zukunftsfähig, wenn Rauhfutter verzehrende Nutztiere, wie beispielsweise Rinder und Schafe, dort gehalten werden könnten.

Andere europäische Länder

Beispiele aus anderen europäischen Ländern zeigten, wie Wolfspopulationen reguliert werden könnten, ohne den Schutz der Art in Frage zu stellen. „Wir wollen nicht, dass der Wolf ausgerottet wird. Wir wollen auf die Gefahr hinweisen, auf die wir zulaufen“, betonte Schmedt. „Wir brauchen einen praxistauglichen Plan, wie Wolf und Weidetiere gemeinsam existieren können“, fordert Hermann Seeker. „Wir möchten ausdrücklich darauf hinweisen, dass es nicht darum geht, den Rückkehrer „Wolf“ aus unserer Kulturlandschaft gleich wieder zu verbannen.“

Keine natürlichen Feinde

Der Berufsstand wolle vielmehr einen verantwortlichen Umgang im künftigen Zusammenleben mit dem Wolf. Der Wolf vermehre sich stark, denn er habe keine natürlichen Feinde. „Seine Beute – darunter auch Schafe und Rinder – sind den Attacken des anpassungs- und lernfreudigen Räubers trotz gut gemeinter Schutzvorrichtungen faktisch ausgeliefert“, untermauert Joachim Schmedt. Eine weitere Ausbreitung des Wolfes würde nicht ohne gravierende Folgen bleiben.