Kontakte knüpfen und Sprache lernen Flüchtlinge und ihr Neubeginn in Bohmte

Von Lars Herrmann

Angekommen in Bohmte: Zaid (li.), Fadi und Tareq (re.) haben in Bohmte ein neues zuhause gefunden und werden von Silke Schramm, die die Flüchtlingssozialarbeit im Wittlager Land, begleitet. Foto: Lars HerrmannAngekommen in Bohmte: Zaid (li.), Fadi und Tareq (re.) haben in Bohmte ein neues zuhause gefunden und werden von Silke Schramm, die die Flüchtlingssozialarbeit im Wittlager Land, begleitet. Foto: Lars Herrmann

Bohmte. Tareq ist endlich angekommen. Im April 2012 hat er seine Heimat Syrien als Flüchtling verlassen. Es war der Beginn einer Odyssee: Jordanien, Türkei, Griechenland, Serbien, Ungarn. Als er im Februar 2015 in Köln ankommt, ahnt er noch nicht, dass seine Zukunft in Bohmte liegt.

Dass er in Syrien schon vier Semester Energietechnik studiert hat, zählte im Ausland nichts. „Es war nicht in Ordnung, wie man als Flüchtling in Jordanien oder in der Türkei behandelt wurde“, sagt der 26-Jährige. „Niemand kümmert sich um dich, du bist ganz auf dich allein gestellt.“ Ungerecht ist noch eine milde Beschreibung für das, was ihm dort widerfahren ist. „Viele syrische Flüchtlinge waren Arzt, Ingenieur oder Firmeninhaber. Sie haben Ziele und Pläne, aber im Ausland stehen sie vor dem Nichts.“

Tareq ist froh, in Bohmte viele hilfreiche, nette Menschen kennengelernt zu haben. Er spielt auch Handball für den TV 01. Das Talent ist ihm quasi in die Wiege gelegt worden, sein Vater war sogar für kurze Zeit syrischer Nationalspieler. „Deutsche und Flüchtlinge müssen aufeinander zugehen. Nur wenn wir Kontakte knüpfen, kann Integration gelingen“, betont er. Sport könne dies ermöglichen.

Silke Schramm weiß, wie schwierig es für die jungen Männer ist, Kontakte zu knüpfen, „vor allem in den kleinen Orten“. Sie kümmert sich um die Flüchtlingssozialarbeit im Wittlager Land. Ohne den Kontakt zu Gleichaltrigen fehle auch die Gelegenheit, Deutsch im Alltag zu sprechen und zu lernen. (Lesen Sie auch: Von Aleppo und Seoul nach Bad Essen und Levern)

Leute wollen Freiheit und Demokratie

Am 1. August hat für Tareq ein neues Kapitel begonnen: Bei der Firma Hune in Osnabrück absolviert er eine Ausbildung als Lagermechaniker. Nach einem einmonatigen Praktikum Ende 2016 hat er über sieben Monate eine Einstiegsqualifizierung durchlaufen. „Ich möchte nicht untätig zu Hause sitzen. Nach der Ausbildung möchte ich weitermachen, nicht nur Geselle bleiben“, sagt der Syrer.

Was in seiner Heimat passiert, verfolgt er genau. Einer seiner Brüder lebt zwar auch in Bohmte. Doch die meisten Familienmitglieder sind noch in Syrien. „Die Leute wollen Freiheit und Demokratie. Aber das wird unterbunden. Was alles falsch läuft, darüber könnten wir bis morgen sprechen“, so der 26-Jährige.

Fadi seit August Malergeselle

Fadi aus dem Irak ist schon einen Schritt weiter als Tareq. Er arbeitet seit August als Malergeselle für Oevermann. In seinem vierwöchigen Praktikum hat er Maler- und Lackiermeister Werner Oevermann überzeugen können, ihm einen Arbeitsvertrag zu geben. Immerhin bringt er auch 18 Jahre Berufserfahrung aus dem Irak mit.

Nach Feierabend wird er in Kürze einen Deutschkurs mitmachen, um besser mit den Kunden kommunizieren zu können. Anfangs war er in einem Haus der Arbeiterwohlfahrt untergebracht und wurde sehr gut durch einen Sozialassistenten betreut. Mittlerweile lebt er in einer eigenen Wohnung in Bohmte. Seine Familie, darunter drei Kinder, lebt allerdings noch im Irak.

Kumpel Zaid absolviert Praktikum

Ganz allein ist Fadi aber nicht. Er kennt Zaid bereits seit vielen Jahren. Zaid konnte jetzt dank privater Kontakte eines Bohmter Bürgers ein Praktikum bei Malermeister Tim Teetzen beginnen. Er möchte als Maler arbeiten, im Irak hat er seit 2006 Berufserfahrung gesammelt.

Praktikum, Ausbildung oder Arbeit: Das Trio aus Bohmte beweist, dass es in Deutschland einige Möglichkeiten gibt, sich ein neues Leben aufzubauen. (Lesen Sie auch: Eine Familie aus Damaskus und ein Kürbis aus Lockhausen)