Kastrationspflicht ist sinnvoll Eine Bohmterin engagiert sich für Katzen

Brigitte Brinkmeier kümmert sich ehrenamtlich in besonderer Weise um Katzen. Foto: Christa BechtelBrigitte Brinkmeier kümmert sich ehrenamtlich in besonderer Weise um Katzen. Foto: Christa Bechtel

Bohmte. Seit etlichen Jahren hat durch die unkontrollierte Vermehrung von Hauskatzen und verwilderten Katzen in Bohmte, aber auch in den anderen Altkreisgemeinden die Zahl der Katzen stark zugenommen. Viele sind verwahrlost, krank und von Parasiten befallen – insbesondere die dauerhaft frei lebenden. Liebevoll und mit großem Einsatz kümmert sich seit über 20 Jahren die Bohmterin Brigitte Brinkmeier ehrenamtlich in besonderer Weise um diese Vierbeiner.

„Ich bin mit vielen Tieren auf einem Bauernhof aufgewachsen und eine Katze hatten wir eigentlich immer. Aber ich liebe alle Tiere“, erklärt Brigitte Brinkmeier, wie sie ihre Liebe zu den Tieren entdeckte. Als Mitglied des Tierschutzvereins Melle wollte sie gerne aktiv mitarbeiten. „Dadurch hat sich das ergeben: Wenn Tiere aufgepäppelt werden mussten, habe ich die übernommen“, erzählt die gebürtige Bohmterin, die ursprünglich mit einem Hund begann. „Der sollte auf einer Stelle weg und ich habe ihn über den Tierschutzverein vermittelt“, blickt sie auf ihre Anfänge zurück.

Wenn es ein Problemfall ist

Das sei aber schnell immer mehr und immer mehr geworden, zumal die Halter ihre Katzen nicht kastriert hätten. „Haben die Menschen Probleme, rufen sie bei mir an, da sie nicht wissen, an wen sie sich wenden sollen.“, erläutert die gelernte Großhandelskauffrau. Das resultiere daraus, dass über Bekannte, denen sie bereits geholfen habe, ihre Adresse nebst Telefonnummer weitergegeben werde. „Ich nehme Katzen auf und vermittele sie über den Tierschutzverein. Über ihn werden die Katzen auch kastriert“, so die Mutter von zwei erwachsenen Kindern und stolze Oma eines Enkelkindes, die zum Beispiel mit den Tierschutzvereinen in Melle oder Bielefeld zusammenarbeitet. „Melle übernimmt auch mal eine Katze, die ich nicht aufnehmen kann. Oder wenn es ein Problemfall ist. Die sind sowohl in Bad Essen, als auch in Ostercappeln und Bohmte immer mehr geworden.“

Katzen ausgesetzt

Oft seien die Katzen, die sie bekomme, klein und krank. „Dann müssen sie erst gepäppelt werden. Bis zur Vermittlung sind sie jedoch größer geworden. Aber die Leute wollen lieber Katzenwelpen. So bleibt die eine oder andere auch schon mal bei mir, sodass ich jetzt viele ältere Katzen habe“, schildert Brigitte Brinkmeier den Ablauf einer Betreuung. Die Probleme seien eigentlich mehr geworden: „Weil die Katzen ausgesetzt werden und sich sehr vermehren. Meistens Hauskatzen, die nicht kastriert sind“, stellt die Tierliebhaberin dar, die sich in Bohmte vehement für die Kastrationspflicht eingesetzt hat.

Registrierungsverordnungen

Laut Stand April 2017 gibt es inzwischen insgesamt mindestens 527 Städte und Gemeinden mit sogenannten Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungsverordnungen für Katzen. Denn um das Problem der immer weiter anwachsenden Katzenpopulationen einzudämmen, schlägt der Deutsche Tierschutzbund gemeinsam mit den ihm angeschlossenen Tierschutzvereinen eine möglichst flächendeckende Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Katzen vor. Diese hat auch der Rat der Gemeinde Bohmte in seiner Sitzung am 12. Dezember 2013 beschlossen und ab dem 1. Juli 2014 zur Pflicht gemacht. Danach müssen Katzenhalter, die ihrer Katze die Möglichkeit geben, sich außerhalb der Wohnung frei zu bewegen, diese zuvor von einem Tierarzt kastrieren und mittels Mikrochip oder Tätowierung kennzeichnen lassen. Als Halter gilt übrigens auch, wer freilaufende Katzen regelmäßig füttert.

Eine Futterstelle einrichten

Hat Brigitte Brinkmeier das Gefühl, dass die Kastrationspflicht für Katzen in Bohmte etwas gebracht hat? „Nein, weil ich auch keine Unterstützung von der Gemeinde bekomme. Bad Essen lehnt es konsequent ab. Gerade von dort bekomme ich sehr viele Tiere“, sagt die Bohmterin, die im Kurort dafür sorgte, dass eine Futterstelle eingerichtet wurde. „Damit wir regelmäßig füttern konnten, um an die Katzen heranzukommen. Ich habe sie dann mit einer Falle eingefangen, sie zum Kastrieren gebracht und sie dort wieder ausgesetzt. So hat sich das Problem aufgelöst, da sie kastriert wurden.“ Das „A“ und „O“ sei die Kastrierung, unterstreicht die Ehrenamtliche, die in den vergangenen Jahren Hunderten von Menschen geholfen hat. „Dadurch sind auch etliche Freundschaften entstanden“, erzählt sie, dass das ein Geben und Nehmen sei. „Wenn ich mal Hilfe benötige, kann ich mich auch an sie wenden.“

Langjährige Erfahrung

Unterstützung könnte sie schon gebrauchen, da die Katzen-Betreuung sehr umfassend sei, hin und wieder sogar seelsorgerische Fähigkeiten gefragt seien. „Manchmal muss man den Menschen einfach nur zuhören. Gerade ältere Leute freuen sich, wenn jemand da ist“, weiß sie aus ihrer langjährigen Erfahrung von vielen Schicksalsschlägen.

Kommunen entscheiden

„Ich würde es sehr begrüßen, wenn die anderen Gemeinden auch bereit wären, die Kastrationspflicht einzuführen. Die Stadt Osnabrück macht es, aber der Landkreis lehnt es ab“, bedauert Brigitte Brinkmeier. Letztendlich würden nämlich die einzelnen Kommunen darüber entscheiden, ob die Kastrationspflicht eingeführt wird. Es sei schön, dass es diese Pflicht teilweise gebe. „Aber irgendwie benötigt man auch eine finanzielle Unterstützung von den Gemeinden, da die Tierschutzvereine nicht dafür da sind, um den Kommunen die Katzen zu kastrieren.


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