Landesverbandstagung der Imker Ein Glas Regierungshonig in Bohmte überreicht

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Bohmte. „Wenn so viele Ehrengäste da sind, ist das ein gutes Zeichen“, meinte Werner Clausing, Vorsitzender des Landesverbandes der Imker Weser-Ems, am Samstagmorgen im Landgasthaus Gieseke-Asshorn in Bohmte. Dort fand die ganztägige Vertreterversammlung des Verbandes statt.

Als Gastgeber fungierte in Bohmte der Imkerverein Wittlage, der in diesem Jahr den 100. Geburtstag feiert. Dessen Vorsitzender Gerd-Udo Rausch sagte bei der Begrüßung: „Eine solche Veranstaltung auszurichten, ist für einen Verein unserer Größenordnung schon eine Herausforderung.“ Präsentiert wurde eine bunte Mischung.

Fröhlicher Auftakt

Für den ersten Farbtupfer sorgte der Schulchor der Christophorus-Schule Bohmte, dessen Darbietungen auf den Frühling einstimmten. Passend zum Anlass waren die Kinder in Gelb (da kamen die Dortmund-Trikots zum Einsatz) gekleidet und trugen Bienenmasken. Kleine Akteure und große Zuschauer hatten ihren Spaß. Und statt Opa Alfons‘ Garten wurde kurzerhand der Garten von Dieter Westphal besungen, der Imker ist und Hausmeister der Schule und es versteht, den Nachwuchs mit Bienen vertraut zu machen.

„Es gibt nichts Aufregenderes und gleichzeitig Beruhigenderes als den Umgang mit Bienen“, unterstrich Rausch bei der Begrüßung. Er fügte hinzu: „Es ist eine Auszeichnung, dass wir Sie alle hier begrüßen können.“ Erwähnung fand weiter, dass der Imkerverein Wittlage heute 40 Mitglieder mit rund 250 Bienenvölkern hat. Rausch: „Für eine flächendeckende Bestäubung ist der Bestand aber zu gering.“ Laien müssten wissen, dass der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubung den Wert des Honigs bei Weitem übersteige. Der Imker mahnte: „Gerade im Sommer haben es die Bienen schwer.“ Alle gesellschaftlichen Schichten seien gefordert, dabei zu helfen, dass Bienen und andere Insekten ihre lebenswichtige Aufgabe erfüllen könnten.

Bienenland Nummer eins

„Wir brauchen Bienen und Imker. Wir wollen Bienenland Nummer eins sein. Sie haben die Landesregierung weiter auf ihrer Seite“, versprach der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer den Imkern. Er führte die Gästeliste an, trug den bekannten grünen Pullover („Ich habe mehrere davon“) und hatte als besonderes Präsent Regierungshonig mitgebracht. Schließlich leben im Garten des Ministeriums inzwischen drei Bienenvölker – statt vor vorher zwei. Der Minister: „Wir haben 80.000 neue Mitarbeiterinnen eingestellt.“ Er ergänzte, dass diese Mitarbeiter unglaublich wertvoll seien, denn wenn die Pflanzen per Hand bestäubt werden müssten...

„Denn wir haben Mindestlohn.“ Meyer verwies darauf, dass das Land den Imkernachwuchs fördere und pro neuem Volk eine Prämie von 50 Euro zahle. Er sprach die Insektenbiomasse an, die stark zurückgegangen sei: „Heute haben wir nach einer Autofahrt keine verdreckten Scheiben mehr.“ Blühstreifenprogramme, bei denen Imker mit Landwirten kooperieren, gebe es inzwischen auf einer Fläche von rund 14.000 Hektar. Imker berieten bei der Auswahl des Saatguts, um zu steuern, zu welcher Zeit Pflanzen blühen sollen. In Richtung der Imker sagte der Minister: „Das ist ihre Arbeit, und das ist ein sehr erfolgreiches Projekt.“

Beifall der Imker erhielt der Minister für die Aussage: „Im Zweifel für die Honigbiene.“ Hintergrund war der Hinweis des Politikers darauf, dass die EU Nervengifte, sogenannte Neonicotinoide, verbieten wolle. Meyer: „Ich unterstütze das ausdrücklich.“

Umweltpreis in Aussicht

Auch im Namen seiner Bürgermeisterkollegen Timo Natemeyer (Bad Essen) und Rainer Ellermann (Ostercappeln) sprach Klaus Goedejohann ein Grußwort. Er meinte: „Es zeichnet uns aus, dass wir im Rudel auftreten. So passen wir zu den Imkern, deren Verband in Bad Essen gegründet wurde und heute in Bohmte seinen Sitz hat. Bienen interessierten Grenzen schließlich auch nicht.“ Neben einem gemeinsamen Flachgeschenk formulierte Goedejohann eine Idee, von der die Imker profitieren könnten. Es gibt demnach in allen drei Wittlager Gemeinden einen Klimaschutzpreis: „Wenn wir uns zusammentun, finden wir eine Möglichkeit, für unsere Bienen etwas zu tun.“

Der Bundestagsabgeordnete André Berghegger unterstrich: „Imkerei ist angewandter Naturschutz und heute wichtiger denn je.“ Und in einer immer digitaler werdenden Gesellschaft setzten Imker mit ihrer Beständigkeit und ihrem analogen Hobby ein Zeichen. Dass Imker und Landwirte eine Symbiose bilden, die gepflegt werden müsse, dafür sollten auch Laien sensibilisiert werden. Denn es gilt: „Ohne Bienen können Natur- und Kulturlandschaft nicht bestehen.“

Den Reigen der Grußworte setzten der Landtagsabgeordnete Clemens Lammerskitten, der stellvertretende Landrat Michael Wessler und der niederländische Gast Jaap Smit fort. Letzterer unterstrich: „Bienen brauchen unsere Hilfe und auch die der Politik.“ Er ergänzte: „Wenn man das hier heute hört, funktioniert das sehr gut.“

60 Jahre Imker

Vier Ehrungen rundeten das Programm ab, bevor die Fachvorträge von Paul Jungels (Luxemburg), Peter Spieler (Zuchtkoordinator der europäischen Buckfastimker) und Friedrich Karl Tiesler (Arbeitsgemeinschaft Toleranzzucht) begannen. Im Mittelpunkt dabei die Frage, wie die Varroamilbe unschädlich gemacht werden kann. Eine Mittagspause durfte schließlich bei der Vertreterversammlung des Landesverbandes der Imker Weser-Ems ebenso wenig fehlen wie Jahresberichte, Haushaltsplan und Wahlen.

Dieter Westphal wurde für 25-jährige Mitgliedschaft im Imkerbund geehrt. Er ist ebenso Mitglied des Wittlager Jubiläumsvereins der Imker wie Wilhelm Werner und Günter Albers, die beide bereits seit 60 Jahren Mitglied sind. Die Ehrungen erfolgten durch Landesverbandsvorsitzenden Werner Clausing. Er zeichnete zudem Klaus Töbelmann aus, der seit zehn Jahren mit viel Herzblut (und sehr gut) die Reinzuchtbelegstellen auf vier ostfriesischen Inseln betreut. Die Nichtexperten unter den Zuhörern erfuhren nebenbei, dass es für Bienen ebenso ein Zuchtbuch gibt wie für Großtiere.


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