Feierstunde zum Schuljubiläum In Bohmte gibt es ein 400-jähriges Geburtstagskind

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Bohmte. „Wann hat man das, dass der Jubilar beim 400. Geburtstag in Persona vor einem steht“, fragte Bürgermeister Klaus Goedejohann, als am Donnerstagvormittag die Feierstunde zum 400-jährigen Bohmter Schuljubiläum in der Aula der Oberschule stattfand.

Das Jubiläum stand unter dem Motto „Schule in Bohmte: gestern – heute – morgen“. Deutlich wurde dabei, dass diejenigen, die in längst vergangener Zeit die Schule besuchten, von den heutigen Rahmenbedingungen nicht einmal hätten träumen können. Was sich in den Jahrhunderten verändert hat, damit befassten sich die Bohmter Schüler im Rahmen einer klassenübergreifenden Projektwoche. Die Vorstellung der Ergebnisse gehörte ebenso zum Jubiläum wie zum Tag der offenen Tür am Nachmittag, bei dem zukünftige Fünftklässler und ihre Eltern die Schule kennenlernen konnten. Schulleiter Clemens Brunsen, der Eltern, Gäste und Ehemalige begrüßt hatte, sagte: „Als Schulleiter, der nicht aus Bohmte kommt, bin ich selbst gespannt, was die Jugendlichen zusammengetragen haben.“

Mitsingen gefragt

Einen Vorgeschmack darauf lieferte eine Schülergruppe, die in Reimform (Autorin Elisabeth von Wahlde) die Geschichte der Oberschule Bohmte vorstellte. Beim plattdeutschen Refrain war das Publikum gefordert. Annette Schriever (am Klavier) motivierte gekonnt. Nach und nach erklang dann kräftiger „Wi mött wat maken segget wi, dat geiht de ganz geföhrlik bi. Dat schall noch dousent Joahr so gaun. Dei Bohmte Schoule, ja dei bliev bestaun.“

Damit war schon fast alles gesagt. Aber Manfred Hugo wäre nicht Manfred Hugo, wenn er es nicht verstanden hätte, einen gleichermaßen historischen und kurzweiligen Festvortrag zu halten. Helmut Buß, der stellvertretende Schulleiter, kündigte den Redner so an: „Jetzt hält unser Nachbar, Bohmter Junge und Landrat im Ruhestand die Festrede.“

Frauenpower im 17. Jahrhundert

Gleich zu Beginn meinte Hugo, dass er nicht des Plagiats verdächtigt werden wollte und deshalb sage, dass viele Fakten aus einem Bericht von Manfred Bergau stammten. Demnach war die erste 1616 in Bohmte gegründete Schule keine Gemeinde- oder Landesschule, sondern eine Privatschule. Stifterin war die Witwe Heidewig von Münnighausen, die damalige Besitzerin des Gutes Hünnefeld. Das historische Datum ist der 20. Oktober 1616. Auch weitere Schulstiftungen im Wittlager Land, so Hugo, nahmen oftmals adelige Frauen, meist Witwen vor, Sie hätten nachhaltig Schulgeschichte geschrieben – nicht nur in Bohmte. Der Redner: „Schon im 17. Jahrhundert herrschte im Wittlager Land Frauenpower – nicht erst seit es in neuerer Zeit Schulleiterinnen und Stellvertreterinnen gibt.“

Dass früher eine Menge ganz anderes war, belegt die Tatsache, dass ein zweiter Lehrer an einer Schule erst dann angestellt werden konnte, wenn sie von mehr als 200 Kindern besucht wurde. Hugo verwies darauf, dass er die Bohmter Schule seit 1950 begleitet habe – zunächst als Volksschüler, von 1968 bis 1994 als Ratsherr und danach bis 2011 als Landrat. Als (unmusikalischer) Schüler hatte er 1951 bei der Einweihung eines Schulgebäudes mit seiner Klasse auf dem Flur singen müssen. Er erinnerte sich bestens an den Trinkwasserbrunnen, der mit Fliesen verziert ist, und sich heute im Neubau an der Schulstraße befindet.

Kritische Anmerkungen

Im Hinblick auf seine folgenden Anmerkungen zur aktuellen Schulsituation meinte Hugo: „Ich begebe mich ein bisschen auf Glatteis. Wir Juristen glauben zwar, wir könnten alles, aber das ist ein Riesenirrtum.“ Klar, dass er die Lacher auf seiner Seite hatte. Was folgte, war eine Standortbestimmung von Schule. Er betonte, dass die Bohmter Schule gut ausgerüstet sei, moderne Lehrmittel nutze, um Schüler fit für den weiteren Lebensweg zu machen. Wichtig dabei sei, dass Lehrer ihren Beruf gerne ausübten und das auch zeigten. Wenn das nicht immer funktioniere, sei nicht Schuld der Lehrer, sondern des Systems. Die Klasse seien zu groß für all das, was gefordert werde. Hinzu komme, dass etliche Elternhäuser bei der Erziehung versagten und zu wenig mit der Schule zusammenarbeiteten. Der Respekt gegenüber anderen sinke allgemein. Der Festredner: „Ich weiß kein Patentrezept, aber die Gesellschaft wird mehr Geld für die Erziehung in die Hand nehmen müssen.“ Er fügte hinzu: „Die Gesellschaft sind wir alle. Und was für die Erziehung ausgegeben wird, steht nicht anderweitig zur Verfügung.“

Schule sei immer im Wandel. Aber manche Änderungen seien ohne genügend Vorbereitungszeit für alle Beteiligten vorgenommen worden. Erstaunlicherweise hätten die Betroffenen all das ohne sichtbaren Schaden überstanden. Als Beispiele führte Hugo die Abschaffung der Orientierungsstufe, die Abkehr von den Förderschulen, die Verkürzung und Verlängerung der Oberstufe sowie die Einführung der Ganztagsschule an.

Akzeptanz bei den Eltern

Beim Gratulieren betonte Klaus Goedejohann: „Die Oberschule an diesem Standort kann sich sehen lassen. Es gibt aber immer etwas zu tun. Wir versuchen unser Bestes und hoffen, Akzeptanz bei den Eltern zu finden. “ Als Präsent hatte er passend zum 400. Geburtstag einen Bohmter Gutschein mitgebracht, auf dem die gleiche Zahl zu finden ist.

Regierungsschuldirektorin Martina Westerkamp betonte, dass in der Bohmter Schule nicht nur Wissen, sondern auch Lebenskompetenz vermittelt werde – mit Herz und Hand. Schüler würden stark gemacht, und das brauche die Gesellschaft. Mit einem Augenzwinkern fügte sie hinzu, dass das Gelingen der Nachmittagsveranstaltung mit über 60 Kuchen und Auftritten der Schülerband (vielbeklatscht am Vormittag) gelingen werde.

Zu den künstlerischen Beiträgen gehörten auch Darbietungen der Trommelgruppe und ein Auftritt von Schülern der Wilhelm-Busch-Schule. Das Motto: „Max und Moritz – ihre Gaben, wie sie viele Schüler haben“. Übrigens: Bei allen Schulen der Nachbarschaft war vor dem Jubiläum angefragt worden, ob sie sich am Programm beteiligen wollten. Die Hunteburger sagten „Ja“.


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