Sozialverband informiert SoVD in Bohmte: Aus Pflegestufen werden Pflegegrade

Von Ingrun Waschneck


Bohmte. Zum 1. Januar 2017 gibt es grundlegende Änderungen in der Pflegeversicherung. Das nahmen die Ortsverbände des Sozialverbandes SoVD aus Bohmte, Hunteburg, Stirpe-Oelingen und Wehrendorf zum Anlass, zu einer Veranstaltung einzuladen, um ausführlich darüber zu informieren.

Das Thema stieß auf großes Interesse. Über 100 Gäste konnte Gerd Groskurt, 1. Vorsitzender des SoVD-Kreisverbandes Osnabrück, im Gasthof Bunselmeyer begrüßen. „Was ab dem 1. Januar 2017 in der Praxis passiert, darüber wollen wir Sie heute schon unterrichten“, so Groskurt. Als Referenten habe man Arnd Köhler, Pflegedienstleiter der Sozialstation Wittlager Land, gewinnen können.

Gute Nachrichten

„Ich habe gute Nachrichten“, sagte Köhler gleich zu Beginn. „Satt und sauber war gestern, heute schaut die Pflegekasse darauf, wie das Leben zu Hause läuft, auch jenseits der reinen Pflege.“ Die Umstellung erfolge unbürokratisch und ohne erneute Begutachtung durch den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK). „Die Pflegekassen erklären in einem persönlichen Anschreiben die Umstellung und den neuen Leistungsumfang“, so Köhler. Er empfahl, das Schreiben zunächst abzuwarten und sich dann erst bei Fragen an die Pflegekasse oder den Sozialverband zu wenden.

„Statt der bisher drei Pflegestufen gibt es ab Januar 2017 fünf Pflegegrade, die besonders für die unteren Pflegestufen ein Gewinn sind“, betonte er. Pflegegrad 1 habe es bisher nicht gegeben, er beinhalte eine Sachleistung von 125 Euro. „Dieser Grad ist für jene Personen gedacht, die sehr wenig Pflege benötigen, denen es aber beispielsweise Probleme bereite, zur Arztpraxis zu kommen oder sich selbst Medikamente zu beschaffen oder einzunehmen“, erklärte der Pflegedienstleiter.

Fünf Pflegegrade

Aus Pflegestufe 1 werde Pflegegrad 2 und beinhalte eine Erhöhung der Geldleistung von 244 Euro auf 316 Euro, bei der Sachleistung von 468 Euro auf 689 Euro. Pflegestufe 2 werde durch Pflegegrad 3 ersetzt (neue Geldleistung 545 Euro, neue Sachleistung 1298 Euro) und Pflegestufe 3 werde zum Pflegegrad 4. Hier blieben die Geld- (728 Euro) und Sachleistung (1612 Euro) gleich. Aus der Pflegestufe Härtefall entstehe der Pflegegrad 5 (neue Geldleistung 901 Euro, Sachleistung bleibt bei 1995 Euro).

„Ein weiteres Plus gibt es für Pflegepersonen“, hob Köhler hervor. So könnten ab Januar Pflegeberatung durch Pflegedienste oder Pflegekurse zu Hause in Anspruch genommen werden. Für akute Pflege zu Hause, zu Beginn einer Pflegesituation oder bei einer Verschlechterung, könnten bis zu zehn Tage beim Arbeitgeber beantragt werden, den Verdienstausfall übernähme die Pflegekasse. „Und wer für private Pflege aus seinem Beruf aussteigt, erhält nach der Pflegephase beim Wiedereinstieg Leistungen vom Arbeitsamt“, erklärte er.

Klarer und gerechter

Auch bei der Begutachtung durch den MDK gebe es Neuerungen. „Entscheidend sind nicht nur die körperlichen, sondern auch geistige oder psychische Beeinträchtigungen wie beispielsweise Depressionen“, erklärte Köhler. Der MDK prüfe sechs Bereiche und stelle jeweils die vier Fragen, ob der Pflegebedürftige etwas noch selbst kann, mit wenig, viel oder nur noch mit vollständiger Hilfe. „Dadurch wird die Beurteilung klarer und gerechter“, so der Pflegedienstleiter.

Weitere Informationen erteilt auch die Sozialstation Wittlager Land, Telefon 05472/930830.


0 Kommentare