Dankbar für die Wiedervereinigung Partnerschaft zwischen Bohmte und Gützkow gewürdigt

Von Karin Kemper


Bohmte. In Bohmte und Gützkow wird die Fahne der Partnerschaft hochgehalten. Das wurde in einer Feierstunde zum Ereignis der Wiedervereinigung im Landgasthaus Gieseke-Asshorn deutlich gemacht. Eigentlich wären die Bohmter zum Bürgermeisterfrühstück am 3. Oktober nach Gützkow aufgebrochen. Eigentlich.

Im Sommer 1991, also vor gut 25 Jahren wurden die Partnerschaftsurkunden unterschrieben. Dieses Jubiläum wurde im Rahmen des 888. Stadtgeburtstags in Gützkow bereits gewürdigt – in Beisein einer Gruppe von Bohmtern. Und dabei, so Bürgermeister Klaus Goedejohann, sei der Gedanke gekommen: „Unsere Gützkower Freunde kennen den Bohmter Markt noch gar nicht.“ Das ist jetzt anders. Zudem erlebten die sechs Besucher aus Mecklenburg-Vorpommern die letzte Ratssitzung der laufenden Wahlperiode mit, und sie erinnerten zusammen mit den Bohmtern in einer Feierstunde an die zurückliegenden Jahre der Partnerschaft.

Bei der Begrüßung nannte Goedejohann als Ersten Peter Schmidt, den stellvertretenden Gützkower Bürgermeister: „Ich kann mit keinen Besuch vorstellen, bei dem du nicht dabei warst.“ Nach einer kurzen Pause fuhr er fort: „Doch einen.“ Komplettiert wurde das Besuchersextett durch Thorsten Hannusch (in Schützenuniform), die Stadtvertreter André König, Iris Beich, Armin Görs und Eckard Schulz, den Goedejohann im Kreise der Feuerwehrkameraden beinahe vergessen hätte: „Ihr seht alle so gleich aus.“

Rückblick auf 25 Jahre Partnerschaft

Zwei Männer, ohne die die Partnerschaft undenkbar wäre, durften in der Runde nicht fehlen: Ernst Busse, Ehrenbürger der Stadt Gützkow, und 1990 Gemeindedirektor in Bohmte, und Manfred Hugo, der damalige Bürgermeister. Der Rückblick auf 25 Jahre Partnerschaft war Busse vorbehalten. Er betonte: „Wir verdanken die Städtepartnerschaft einem Glücksfall der Geschichte.“ Ganz am Anfang stand ein Telegramm, dass Pastor Karl-Heinz Kuhlmann nach Gützkow geschickt hatte, um Fußballer zu einem sportlichen Vergleich einzuladen. Bürgermeister war damals Karl-Eberhard Wisselinck. Zum Aufbau der Partnerschaft, Bilder belegten das, gehörten wechselseitige Besuche, Klassenfahrten, Teilnahmen am Bohmter Zeltlager und viele Kontakte von Feuerwehrleuten und Schützen. In Bohmte gibt es einen Gützkower Ring, in Gützkow einen Bohmter Platz. Und bei der Glockenweihe in Gützkow wurde im Jahr 1999 sowohl das Bohmter als auch das Gützkower Wappen auf der Glocke verewigt. Und diejenigen, die offizielle Gäste waren, erhielten ein Glöcklein für das Büro – zur Erinnerung.

Grund für Dankbarkeit

Auf das Glöckchen ging Manfred Hugo ein: „Es stand auf meinen Schreibtisch, als ich Landrat war und tut es heute noch – neben einem Stein aus der Berliner Mauer.“ Er betonte, dass für ihn die Partnerschaft mit Gützkow ein Symbol dafür sei, dass bei allen Unterschieden 25 gute Jahre gelebt wurden. Das gelte, wenngleich sicher nicht alle Schicksale glatt und wie gewünscht gelaufen seien. Hugo: „Dafür sollten wir dankbar sein. Die kleine Glocke erinnert mich immer wieder daran, denn ohne Kirche und ohne Pastor Kuhlmann wäre das so nicht zustande gekommen.“ Weiter hieß es: „Ich freue mich, dass die Partnerschaft seit 25 Jahren gut funktioniert und die Menschen zueinander gefunden haben .“ Mit einem Augenzwinkern ergänzte Hugo, dass die deutsche Wiedervereinigung das Urlaubsverhalten seiner Familie stark beeinflusst habe. Stichworte waren dabei auch Usedom und Rügen. Abschließend meinte er: „Ich hätte vorher nicht im Traum daran gedacht, dass meine Generation erlebt, dass Deutschland wiedervereinigt ist. Wir haben Grund zu Dankbarkeit.“

Geschmeidig übertragen

Grüße aus Gützkow übermittelte Peter Schmidt. Er vertrat Bürgermeisterin Jutta Dinse, die bedingt durch einen Trauerfall nicht mitfahren konnte. Schmidt: „Sie hat mir das mit geschmeidig übertragen mit den Worten: Sie machen das schon.“ Grüße der Vorgänger-Bürgermeister Wisselinck, Manfred Ide und Joachim Otto durften nicht fehlen – genauso wie das Erinnern an viele schöne Begebenheiten und Dank an Ernst Busse, Manfred Hugo und Klaus Goedejohann.

Auszeichnung

Letzterer zeichnete Schmidt und Busse dann mit der „Silbernen Ehrennadel zum Wappen der Gemeinde Bohmte“ aus. Die Ehrung ist für Menschen mit besonderen Verdiensten bestimmt. Goedejohann sagte: „Wer symbolisiert besser diejenigen, die die Partnerschaft über lange Zeit getragen haben?“


Die Stadt Gützkow:

In der Feierstunde zur Partnerschaft zwischen Gützkow und Bohmte erinnerte Manfred Hugo daran, dass er beim ersten Besuch zusammen mit Ernst Busse beeindruckt davon war, wie schön die Stadt liegt. Er überlege, ob die Gützkower sich dessen überhaupt bewusst seien.

Gützkow liegt im Zentrum Vorpommerns, südlich der Hansestadt Greifswald. Gützkow ist Stadt, hat aber nur knapp 3000 Einwohner.

Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 war Gützkow zunächst Amtsstadt und gehört seit dem 1. Januar 2005 zum Amt Züssow. Gützkow ist die einzige Stadt im Amt und bildet für die Umgebung das Zentrum. Insgesamt 15 Gemeinden bilden dieses Amt und zählen zusammen rund 14000 Einwohner – etwas mehr, als die Gemeinde Bohmte zählt.

Seit der Wiedervereinigung gab es in Mecklenburg-Vorpommern mehrere Gebiets- und Kommunalreformen. So gehörte Gützkow von 1994 bis 2011 zum Landkreis Ostvorpommern, der aus den Kreisen Greifswald-Land, Wolgast und Anklam gebildet wurde und 2011 im Landkreis Vorpommern-Greifswald aufging.

Ab 1991 wurde der historische Stadtkern mit Rathaus und Fachwerkgebäuden aus dem 18. Jahrhundert im Rahmen der Städtebauförderung grundlegend saniert.

Zu den Sehenswürdigkeiten zählt die St.-Nikolai-Kirche. Sie wurde erstmals 1241 urkundlich erwähnt und ist damit eines der ältesten Bauwerke in Pommern. Der Gützkower Schlossberg ist ei europäisches Bodendenkmal.

Natur pur gibt es in unmittelbarer Stadtnähe: das Naturschutzgebiet Peenewiesen und das untere Peenetal, das letzte weitgehend unverbaute Flusstal in Deutschland.