Nicht als Behinderte behandeln Glücksfall als Mädchen für alles beim TV 01 Bohmte

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Bohmte. Sie ist total locker, macht gern mal „dumme Sprüche“ und hat eine Art von Humor, die nicht nur ihr Leben bereichert, sondern Mitmenschen erleichtert, ihr gegenüberzutreten. Denn sie ist gehandicapt durch Contergan, weshalb sie ihre Füße als Ersatz für ihre Hände und Arme nimmt, die nicht ausgeprägt sind.

„Nicht schlimm. Ich kenne das ja nicht anders“, sagt Birgit Wulf kess und ohne Pathos . Sie kam ohne Arme zur Welt als Contergan-Fall vor 55 Jahren, als ein Medikament, das gerade auch in der Schwangerschaft beruhigte, zu schwerwiegenden Schäden am Neugeborenen führte. Sie hat gelernt, möglichst viel mit den Füßen, speziell den Zehen, zu machen, um eigenständig aufzuwachsen und zu leben. Was sie als damals einzige körperbehinderte Schülerin in der Realschule Bohmte an der Seite ihrer Schwester Rita schaffte, danach in der Ausbildung und schließlich in der Tätigkeit als Technische Zeichnerin.

Von Fernsehteams gefragt

Ob beim Zeichen oder beim Bügeln eines Hemdes auf dem Tisch sitzend – für Fernsehteams war sie oft gefragtes Objekt, was sie deshalb akzeptierte, weil sie mit ihrem Handicap leben gelernt hatte und um andere aufzuklären für den Umgang mit körperbehinderten Menschen. Was sie auch im Sport tat und heute weniger tun muss, denn wer kennt sie nicht in Bohmte und in ihrem TV Bohmte neben ihrem Engagement im Schützenverein als ehemalige Schützenkönigin sowie im Reichsbund-Nachfolgeverein SoVD? Im Sport angefangen bei der Suche nach Ausgleich zum besonderen Sitzen und verstärkten Einsatz mit Füßen zur Entspannung von Wirbelsäule, Rücken und speziell auch Nacken mehrmals in der Woche über ihren Einsatz als lizenzierte Übungsleiterin in Turnen und Fitness bis hin zur Seele der Geschäftsstelle. Im Vereinsheim Ovelgönne ist sie für alles da, was an Schriftkram und mehr anliegt an fünf Tagen der Woche vormittags.

Zudem steht sie neben festen Übungsstunden in ihren Gruppen Gewehr bei Fuß als Feuerwehrkraft im Sportbetrieb, wenn mal jemand ausfällt als Übungsleiter im Vereinsheim wie auch in der Halle an der Jahnstraße.

Lob des Vorsitzenden

„Ohne sie wären wir aufgeschmissen“, gesteht Vereinsvorsitzender Horst Lutz im Wissen um das, was die 55-Jährige über die offiziellen „Arbeitsstunden“ hinaus wert ist mit ihren Charakterzügen „nett“, „klare Worte“ und „aufgeschlossen“. Solange der Job fit macht, will sie weiter das sein, was sie am liebsten ist: Mädchen für alles. Und das nach der Devise und Lebenserfahrung: „Mir wird viel geholfen, also gebe ich auch.“

Und sie gibt in ihrer Art bei offenem Umgang mit Jung und Alt, sieht sich selbst dabei als „geradlinig und direkt“, indem sie ihre Meinung kess kundtut. Dabei tut sie alles, um „möglichst normal“ gesehen und nicht als Behinderte behandelt zu werden. „Ich weiß, was ich kann. Und wenn nicht, dann sag ich was. Wenn ich einen Aktenordner brauche, steige ich auf einen Stuhl und hol ihn mir selbst“.

So sieht sie Körper und Geist im Sport und im Job beim TV Bohmte gefördert, um andererseits das Zuhause mit ihrem Mann Arno als „Kümmerer“ und „Versorger“ zur Entspannung zu genießen.


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