Rekordverdächtige Markttemperaturen Bad Essener Kirchplatzbühne wurde zur Barbierstube



Bad Essen. Warm ist es auf die Historischen Markt bereits häufiger gewesen. Das Jahr 2016 dürfte allerdings rekordverdächtig sein. Aber Hitzegrade hielten die Besucher nicht vom Kommen ab – sie wählten nur andere Zeiten.

Jedenfalls zeigte sich Marktmeister Robert Wellmann zufrieden: „Abends war der Kirchplatz richtig voll.“ Ein Standbesitzer meinte: „Abends wollten die Leute in der lauen Nacht gar nicht nach Hause...“ Da wurde durchaus akzeptiert, dass die Kühlung der Getränke nicht an allen Ständen nachkam.

Gefragt waren über Tag Sonnenschirme (teilweise passend zum historischen Kostüm) und Fächer. Hmh, eine Überlegung stellten viele Besucher des Historischen Marktes in Bad Essen angesichts der vielen außergewöhnlichen Gewandungen an: „Wo haben die Leute bloß die Kostüme her?“ Die Antworten sind vielfältig.

Extra-Kleiderschrank

Da heißt es einmal: „Ich habe einen Extra-Kleiderschrank.“ Dort gibt es dann Kleider für jede Wetterlage. Allerdings scheint Schwarz bei strahlendem Sonnenschein nicht die wirklich geeignete Farbe zu sein… Aber es gibt durchaus Variationsmöglichkeiten bei den Kleidungsstücken, die nicht zu sehen sind…

Eine andere Antwort lautete: „Die Kleider haben wir selbst genäht.“ Aha. Und woher kamen die passenden Schnitte? Da bot das Internet Hilfe. So greifen handwerkliches Geschick, Historie und neue Technik bestens ineinander. Und der Reifrock eröffnet die Möglichkeit, durch Bewegung sich selbst von unten Luft zuzufächern. Das war auch bitter notwendig. Auf jeden Fall sorgte das Duo für Aufsehen – Bekannte mussten vermutlich ein zweites Mal hinschauen. Die nächste Überlegung: „Kann man das Kleid überhaupt waschen?“ Das wiederum dürfte schwierig werden angesichts von Stäben, die dem Ganzen Halt geben, und mit Füllwatte gepolsterten Oberarmbiesen. Ob die Stoffe ein Vollbad überstehen würden, ist da noch gar nicht Rede.

Viele Schweißperlen

Besonders zu bedauern waren die Herren der Schöpfung. Ein schwarzer edler Anzug: Das produzierte garantiert Schweißperlen. Etwas besser dran war da schon ein Bad Essener, der eigentlich einen Zylinder erwerben wollen, aber keinen passenden fand. Der Bowler passte dann zu Hemd und Hose mit Hosenträgern - und war nicht ganz so steif.

Am eindeutig hitzebeständigsten (jedenfalls bei den Besuchern) war allerdings Gambrinus. Die komplette Ausrüstung des Schutzheiligen der Bierbrauer umfasst unter anderem hohe Stiefel, eng anliegende Oberbekleidung und einen Umhang. Puh.

Schattenplätze waren insgesamt gefragt. Das ließ sich unschwer daran erkennen, dass Stehplätze im Schatten einer Bude deutlich den Vorzug vor sonnigen Sitzplätzen erhielten. So mancher wusste sich aber zu helfen und transportierte den Klappstuhl schnurstracks in den Schatten. Ganz Pfiffige bringen sich die Sitzgelegenheiten selbst mit. Das setzt wiederum voraus, dass sie ein Plätzchen zum Zwischenlagern reserviert haben.

Jede Menge nette Leute

Wer Glück hatte, traf Irmgard Haarmann. Sie gehört zu denjenigen, die beim Historischen Markt in Bad Essen keinesfalls fehlen dürfen. Sie ist regelmäßig mit ihrem Korb unterwegs. Eingeweihte wissen, dass er Leckereien verbirgt. Die Wehrendorferin sagt: „Nette Menschen erhalten eines der Haferflockenplätzchen…“ Plätzchen ist allerdings etwas untertrieben. Die selbstgebackene Köstlichkeit hat nämlich eine stattliche Größe. Und als Vorrat stehen zehn Bleche zu je 25 Keksen zur Verfügung. „Ob das wohl für drei Markttage reicht?“ Schließlich gibt es in Bad Essen auf dem Kirchplatz und auf der Lindenstraße jede Menge nette Leute - sie müssen nur Irmgard Haarmann treffen…

Schneller Entschluss

Zu den neuen Ständen gehört in diesem Jahr der der „Spinnstube“ aus dem emsländischen Twist. Sie waren von einem Mitglied des Bad Essener Organisationsteam bei einem auswärtigen Gastspiel entdeckt worden. Prompt kam die Anfrage: „Hätten Sie nicht Lust nach Bad Essen zu kommen?“ Die Frauen hatten und begaben sich daran, Wollen zu kratzen, zu spinnen und zu drallen. Gewusst wie. Und fertige Sachen hatte die Truppe ebenfalls parat: Für das freundlich blickende gelockte Schaf fehlte nur noch die Anleitung. Die Expertin warnte: „Das ist enorm viel Arbeit. Jede Locke besteht aus zehn Luftmaschen.“ Und von den Locken hat das Tier jede Menge. Aha. Am Sonntag verriet die Schafproduzentin: „Ich hätte das Tier mehrfach verkaufen können. Das Höchstgebot lag bei 35 Euro.“ Übrigens: Das Spinnstubenteam bewies Flexibilität. Die Anfrage aus Bad Essen kam nämlich gerade einmal zwei oder drei Wochen vor dem Historischen Markt - verriet eine der Frauen, die selbstverständlich historisch gewandet waren – in Schwarz.

Der Bart kommt ab

Für spezielles Aufsehen bei der historischen Modenschau sorgten zwei höchst unterschiedliche Gruppe. Da waren einmal die drei Herren in den geringelten Badeanzügen, die später auch einen Badetermin im Solefreibad hatten. Und dann waren da noch Ines und Uwe, die sowohl bei der Modenschau als auch am Sonntag im eigenen historischen Outfit dabei waren. Für Uwe gehört es zum Markt, sich einen prächtigen Bart wachsen zu lassen – und der wurde dann von Barbier Aart (der seinen Barbierstuhl von der Lindenstraße zur Bühne geschafft hatte) nach dem ökumenischen Gottesdienst abrasiert. Öffentlich.


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