Erlös für Gemeindebücherei Dritte Auflage der Bohmter Leseproben

Von Christa Bechtel


Bohmte. Im Bohmter Kotten präsentierte jetzt der Kulturring Bohmte in Kooperation mit dem Kur- und Verkehrsverein Bad Essen seine dritte Auflage der „Bohmter Leseproben“. Zwischen den fünf Lesungen sorgten Hartwig Ventker, Gitarre/Gesang, und Uwe-Kersten Uecker, Percussion/Gesang, feinsinnig für kleine musikalische Spots. Der Erlös kommt der Gemeindebücherei im Kotten zugute.

„Wenn man eine neue Kultur-Veranstaltungsreihe etabliert, dann braucht man Ideen, Durchsetzungsvermögen, Engagement, Einsatzbereitschaft. Alle diese Zutaten hat der Kulturring Bohmte zusammengemengt, um Ihnen die „ Bohmter Leseproben “ zu präsentieren“, erklärte Hartwig Ventker. Den Start machte Elmar Dierschke, der aus seinem Buch „Unsere schlesische Kindheit“ das Kapitel „Der Ziegentreck“ las. „Das letzte Kriegsjahr war angebrochen…“, begann der Autor. Mit seiner Geschichte erzählte er sehr plastisch, wie er als 14-Jähriger mit einem Kastenwagen, einem viel zu großen Lodenmantel und drei Ziegen am 14. Februar 1945 im heimatlichen Prieborn startete, um die Tiere ins 80 Kilometer entfernte Altweißtritz zu bringen.

Auf dem heißen Stuhl

„Jetzt sitze ich hier auf dem heißen Stuhl“, sagte launig Bohmtes Pastor Hartmut Weinbrenner. Er hatte die Kurzgeschichte „Der Mantel“ von Alfred Polgar mitgebracht, „die uns interessanterweise in die gleiche Zeit entführt, aus der Dierschke berichtet hat.“ Nur, dass die Handlung in Paris spielt. Zentrale Figur ist Amelie, eine frühere Balletttänzerin, die auf bizarre Weise an einen Mantel kommt, der letztlich sogar Leben rettet.

Als Nächstes war Annette Carls an der Reihe, die aus Astrid Lindgrens Tagebüchern 1939 bis 1945 las. Im September 2015 erschienen sie unter dem Titel „Die Menschheit hat den Verstand verloren“ als Buch. „Ich kenne Astrid Lindgren aus meinen Kindertagen; ich habe ihre Bücher verschlungen“, gestand die Wimmerin, die aus jedem Jahr eine Tagebucheintragung gewählt hatte. Notizen von Mut, Hoffnung, Liebe und Widerstand, die nachdenklich und betroffen machten.

Geschichten und Gedichte

Mit den Worten: „Ich wohne seit 25 Jahren in Ostercappeln, bin dort ‚Dorfsheriff‘“, stellte sich Uwe-Kersten Uecker nach der Pause vor. Seit 2014 schreibe er Geschichten. „Die genauso passiert sind; Personen, die dort vorkommen, gibt oder gab es“, verdeutlichte er. Seit einem Jahr schreibe er zudem Gedichte „und will gleich versuchen, Ihnen das eine oder andere in die Ohren zu pflanzen“, sagte der gebürtige Bramscher schmunzelnd, der mit seiner Erzählung „Weihnachten 1967/68/69“ begann – humorvoll und mit zahlreichen Erinnerungen an die 1960er Jahre gespickt. Sein Gedicht „Mein Ofen“ erzeugte den ersten Zwischenapplaus. Doch Uecker gab auch Geschichten und Gedichte zum Besten, die zum Innehalten und Nachdenken anregten. Mit Sarah Connors Song „Das Leben ist schön“, den er textlich umschrieb und den Titel „Das Leben wird schön“ gab, beendete Uecker seinen Part.

Später Kultstatus erlangt

Den Schlusspunkt setzte Konrad Lohrmann, der das humoristische Buch „Die Irrfahrten des Barawitzka“ von Karl Vettermann, der passionierter Segler war, mitgebracht hatte. Leider, so Lohrmann, der ebenfalls gerne segelt, sei Vettermann das Segeln zum Verhängnis geworden. „In der Nacht vom 24./25. Januar 1990 ging er in der Karibik offenbar über Bord – und wurde nicht wiedergefunden.“ Auf dem Mittelmeer schrieb Vettermann seine berühmten Barawitzka-Bände, die später Kultstatus erlangten. Lohrmann: „In den Büchern beschreibt der Autor die haarsträubendsten Situationen auf Segelbooten.“ Mit einem Abschnitt entführte der Linner die Zuhörerschaft nach Griechenland in eine Bucht. An Bord eines Schiffes geht es um das Thema „angewandte Demokratie“.

Abermals gelungene „Bohmter Leseproben “. „Die aber viel zu lang waren“, wie etliche Besucher meinten, als sie nach drei Stunden den Kotten wieder verließen.


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