Ein Bericht von ihrem Lehrer Stefanie Witte hat in Bohmte das Fliegen gelernt

Von Friedrich Lüke

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Bohmte. Friedrich Lüke ist Ausbildungsleiter und Fluglehrer im Luftsportverein Wittlage. Im Rahmen einer Reportage schildert er den Weg einer seiner Schülerinnen vom ersten Mitflug bis zur alleinigen Beherrschung des Cockpits.

Es ist Samstag, 16 Uhr. Stefanie Witte trifft auf dem Flugplatz in Bohmte ein. Sie hat per Internet beim Luftsportverein Wittlage eine Verabredung gebucht, die ein Ultraleichtflugzeug mit einem Fluglehrer beinhaltet. „Ich mach schon mal die Maschine klar, kommst du dazu?“, begrüßt sie mich. „Na klar“, gebe ich zurück und deute an: „Wir haben doch heute etwas Besonderes vor.“

Übers Schreiben zum Fliegen

Stefanie Witte aus Osnabrück ist mehr aus Zufall begeisterte Ultraleichtpilotin geworden. Während ihrer Zeit als Volontärin beim Wittlager Kreisblatt durfte sie unter anderem meine Berichte über den Wittlager Luftsport bearbeiten und verbessern. Das blieb nicht ohne Folgen, denn die Arbeit brachte sie auf die Idee, eine Reportage über die Fliegerei bei den Wittlager Luftsportlern zu schreiben.

Dieser Bericht hinterließ Spuren bei Stefanie, denn die Reportage hatte auch den Mitflug in einem Segel- und Ultraleichtflugzeug beinhaltet. So sind wir zusammengekommen – auf der einen Seite ein Mitglied des Luftsportvereins, das eine Fluglehrerlizenz sein Eigen nennt, auf der anderen Seite eine junge Reporterin.

Auch den Freund angesteckt

So haben wir uns in der Folge öfter auf dem Flugplatz getroffen, weil Stefanie das Ultraleichtfliegen lernen wollte. Auch ihren Freund Thomas van Almsick, mit dem sie die Wohnung teilt und der in der Lehrerausbildung steckt, hat sie mit dem Virus Fliegen infiziert. Nun habe ich zeitweise beide auf dem Schülersitz des Ultraleichtfliegers sitzen.

Die Abläufe beim Fliegen

25 Liter Sprit schwappen im Tank, das reicht sicher für 45 Minuten Aufregung. „Wo rollen wir denn heute hin?“, höre ich als Frage im Kopfhörer. „Dorthin, wo die Segelflieger stehen“, gebe ich zur Antwort. Und der Flugleiter bestätigt im Funk die Startrichtung.

Im Cockpit

„Flieg bitte so wie immer“, gebe ich in der Luft über die Gegensprechanlage durch. Mehr Worte fallen nicht, ich sehe dem Treiben tatenlos zu, sie kann es! Wenn alles geübt ist und sicher sitzt, wenn der Fluglehrer in Ruhe von oben im Landeanflug den Startvorbereitungen der Segelflieger zuschauen kann, dann muss der Selbstständigkeit die Krone aufgesetzt werden. „Rolle bitte nach der Landung einmal kurz auf die Abstellfläche und stelle das Triebwerk ab“, entscheide ich.

Erster Alleinflug

Am Boden sage ich zu ihr: „So Steffi, ich bin hier über. Wir haben Notlandungen geübt, kritische Flugzustände herbeigeführt und gelernt, diese zu beherrschen. Jetzt fliegst du drei Platzrunden allein.“ Ich gebe ihr noch mal alle Fünf zum Abklatschen, und mein angestammter Platz bleibt frei. Steffi rollt zum Start, gibt Vollgas und ist nach wenigen Metern allein unterwegs. Ich stehe am „Spielfeldrand“, und Freund Tom gesellt sich dazu. Zur Beruhigung liegt noch ein Handfunkgerät im Gras. Dieser Moment wird auf Video festgehalten, er ist nicht wiederholbar. Und sie meistert sämtliche Schwierigkeiten, da schlägt auch das Herz eines Fluglehrers höher.

Große Euphorie

Stefanie legt eine weiche Landung hin und stellt den Flieger direkt neben uns Beobachtern ab; dann steigt sie aus, glücklich, Umarmungen von Fluglehrer und Freund Tom sind ihr sicher. Darauf erzählt sie überschwänglich, was abgegangen ist. „Auf der Piste kurz vorm Start war ein kleiner Nervenkitzel-Moment: Wenn ich alleine abhebe, was nicht so schwer ist, muss ich auch alleine wieder runterkommen“, sagte sie. „Und am Ende habe ich mich gefühlt wie beim Seepferdchen, eigentlich kann man ja schon schwimmen, hat es dann aber noch mal schwarz auf weiss.“

Jetzt heißt es erst einmal Alleinflugerfahrung sammeln, andere Flugplätze kennenlernen und aktuell den Unterricht für das Flugfunken besuchen.


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