Interview mit dem VFG Bohmte: Sport als ein Weg der Integration

Stolz auf Integration: VFG-Chef Helmut Stenzel (rechts) und Murat Sengül. Foto: Winfried BeckmannStolz auf Integration: VFG-Chef Helmut Stenzel (rechts) und Murat Sengül. Foto: Winfried Beckmann

Bohmte. Der Verein für Fitness- und Gesundheitssport Bohmte (VFG) möchte gesunden Menschen oder Menschen mit Behinderung ein zuverlässiger Partner sein, „dabei spielt die Herkunft unserer Mitglieder keine Rolle“.

Hallo Herr Stenzel, hallo Herr Sengül, Sie leben mit Ihrem Verein für Gesundheit in Bohmte in einer Art Enklave. Da dürfte für Sie die Idee eines FC Wittlage kein Thema sein .

Stenzel: Das ist ja uralt. Das haben wir vor Jahrzehnten bereits diskutiert, um den Fußball im Altkreis besser zu machen. Ich stehe dem positiv gegenüber, aber nur im Jugendbereich. Da sehe ich im Gegensatz zum Herrenbereich kein Problem. Das geht nur, wenn man die Jugendlichen in den Vereinen lässt, zu denen sie gehören. Bei so einer Entwicklung würde der Verband helfen. Gern auch, wenn Aussiedler und Ausländer wie bei uns im Verein dabei sind.

Aber in Ihrem Verein VfG gibt es nur wenige Jugendliche, die für so etwas infrage kommen. Auch für eine Spielgemeinschaft.

Stenzel: Für eine Spielgemeinschaft bin ich immer. Darüber muss man nur sprechen.

Was würden Sie als Partner da einbringen können in Zahlen und Fakten?

Stenzel: Unser Verein hat rund 400 Mitglieder, davon 36 plus etwa 20 Behinderte im Fußball. Das ist alles nicht einfach, es ist erst unsere zweite Saison.

Sengül: Wenn so viele Spieler da sind, will man eine zweite Mannschaft bilden. Da brauchen wir einen Trainer mehr. Bei den 18- und 19-Jährigen ist oft zu wenig gelernt worden bis dahin, was die Grundlagen betrifft. Wenn der Ball kommt, weiß er oft nicht, was er damit machen soll. Immer nur da zu sein reicht nicht. Man muss auch wissen, wie man mit der Situation klarkommt.

Hoher Anspruch auf niedriger Ebene. Oder gilt das allgemein?

Sengül: Erst muss man die Technik lernen, ab 13 die Spielweise, bis 17 sieht man, ob er es kann oder nicht. Dann möchte man manchmal sagen: Hör auf, aber es ist wichtig, dass Jugendliche Fußball spielen. Er gibt einem sehr viel, Teamplay, Gemeinschaft, Disziplin. Mit 18/19 sieht man dann, dass er nicht weiterkommt, obwohl er genug Talent hat. Da fehlt dann die Einstellung. Man muss auch im Sport mit dem Alter umgehen können.

Und wie sieht es mit den Talenten im VFG aus?

Sengül: Sie entwickeln sich, haben viel gelernt und sind begeistert. Eine Ehre ist es, in die Herrenmannschaft zu kommen. Besonders wichtig, wenn sie begeistert sind. So wie Christian Schütte, der 22 Jahre alt ist, eine Lernschwäche hat und zur Landesauswahl des Behinderten-Sportverbandes berufen wurde, oder ein anderer, der eine schlechte Fußstellung hat und zu unserem 22-er Kader zählt.

Stenzel: Das war immer unser Credo, seit wir den Verein 2007 gegründet haben für Fitness und Gesundheit. Fußball gehört dazu. Deshalb haben wir 2008 einen Antrag beim Landessportbund gestellt und betont, dass wir in der Integration tätig sind. Nach fünf Jahren zur Probe sind wir jetzt geduldetes Mitglied im LSB, weil es bei uns sehr gut läuft. Wir treten ganz bewusst dreimal im Jahr mit einer Veranstaltung zur Integration in die Öffentlichkeit.

Ein etwas anderer Verein mit einem bunten Mix aus Nationen und von Menschen mit und ohne Handicap?

Stenzel: Ja. Wegen der Integration ist es wichtig für uns, möglichst international aufgestellt zu sein. Unser Fußballobmann Murat Sengül ist Türke, sein Stellvertreter Johann Ruppel Russland-Aussiedler. Unser Trainer Gökhan Colak ist eigentlich Türke, jetzt Deutscher, sein Kotrainer Murat Demirci ist Türke. Das ist typisch für unseren Verein.

Wohin führt der Weg im Fußball? Was ist Wunsch, was ist Vision?

Stenzel: Na ja, Bundesliga wollen wir nicht spielen. Wir wollen bei dem bleiben, was wir angefangen haben. Unsere Trainer haben eine gute Ausbildung im Behindertensport und die B-Lizenz im Fußball gemacht, was wichtig ist, wenn es um den Fußball geht.


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