Drusch der Wintergerste Erntezeit im Wittlager Land

Nach den Mähdreschern übernehmen bei der Ernte im Wittlager Land die Strohpressen das Feld, so wie diese Rundballen in der Gemeinde Bohmte zeigen. Foto: Martin NobbeNach den Mähdreschern übernehmen bei der Ernte im Wittlager Land die Strohpressen das Feld, so wie diese Rundballen in der Gemeinde Bohmte zeigen. Foto: Martin Nobbe

lpd/lwk Altkreis Wittlage. Wer in diesen Tag über Land fährt, sieht sie wieder, die großen Mähdrescher und andere landwirtschaftliche Maschinen im Ernteeinsatz. Auch im heimischen Wittlager Land.

Die Landwirte fahren die Getreide- und Rapsernte ein. Die Körner werden ausgedroschen und auf Hängern abgefahren. Nach dem Mähdrescher übernehmen die Strohpressen das Feld.

Sie sammeln nach Mitteilung des Landvolkverbandes die vom Mähdrescher hinterlassenen Strohreihen, die sogenannten Schwade, auf und pressen sie zu Rund- oder Quaderballen. Diese werden entweder in Folie verpackt am Feldrand gelagert oder auf Tiefladern in die Scheunen gefahren. Die Ballen können bis zu 300 Kilogramm wiegen und lassen sich nur mit schwerer Technik bewegen, schreibt das Landvolk. Für Pferde- oder Kleintierhalter werden daher auch Kleinballen gepresst, die mit einem Gewicht von 15 Kilogramm viel handlicher sind.

Genutzt wird das Stroh als Einstreu in Rinder-, Schweine oder Pferdeställen oder auch zur Energiegewinnung. Dabei hat das Stroh der verschiedenen Pflanzen völlig unterschiedliche Eigenschaften. Über die Verwendung und Sortenwahl entscheiden aber vor allem der Standort und das regionale Strohaufkommen.

In Regionen mit Tierhaltung wird es als Einstreu benötigt. In Ackerbauregionen können die Halme von Raps, Gerste und Weizen in Strohheizkraftwerken verfeuert und zu Strom gemacht werden. Dazu werden sie zu Pellets verarbeitet, um den Brennwert zu verbessern.

Berücksichtigen muss der Landwirt aber auch den Düngewert des Strohs. Wird es beim Dreschen gehäckselt und auf dem Acker hinterlassen, wirkt sich dies positiv auf die Bodenfruchtbarkeit und Humusbilanz aus. Wenn es vom Acker abgefahren wird, geht je Tonne Stroh bis zu drei Kilogramm Phosphat und 20 Kilogramm Kali verloren. Ökologisch und finanziell sinnvoll ist es, wenn das Stroh erst als Einstreu verwendet und anschließend als Mist wieder auf dem Acker ausgebracht wird. Dann kommen die Nährstoffe zurück und bringen aus den Ställen je nach Tierart bis zu 4,5 Kilogramm Natrium je Tonne Stallmist und zusätzlich nachhaltig wirkenden Stickstoff mit.

Ob das Stroh gepresst werden oder gehäckselt auf dem Acker verbleiben soll, muss jeder Landwirt individuell entscheiden, bevor der Mähdrescher losfährt.

Die niedersächsische Getreideernte hat begonnen. Der Drusch der Wintergerste steht dabei zuerst an, danach folgen der Raps und die anderen Getreidearten, so die Fachberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Sowohl Wintergerste als auch Winterweizen haben in der Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr noch einmal etwas zugelegt. Flächeneinbußen hat dagegen der Winterraps zu verzeichnen.

Die Trockenheit in den Monaten Mai und Juni machte den Beständen stark zu schaffen, sodass bei den Ernteerträgen keine Höchsterträge zu erwarten sind. Die Landwirte hoffen auf beständiges Erntewetter.

Seit Beginn der Getreideernte sind auch auf den Wittlager Straßen wieder ausladende Erntemaschinen und voll bepackte Transportfahrzeuge stärker als sonst zu sehen. Das wird sich bis tief in den Herbst fortsetzen, erst dann sind auch Kartoffeln, Mais und Rüben geerntet. Die Fachleute der Landwirtschaftskammer bitten alle Verkehrsteilnehmer um Vorsicht und Nachsicht, falls es im Zuge der Erntearbeiten zu Behinderungen kommen sollte. Damit Autofahrer die Begegnung mit landwirtschaftlichen Großmaschinen richtig einschätzen können, hier einige Tipps:

Beim Überholen die Geschwindigkeit landwirtschaftlicher Maschinen nichtunterschätzen! Traktoren mit Anhängern erreichen Fahrgeschwindigkeiten von 40 km/h und mehr. Außerdem sind landwirtschaftliche Fahrzeuge außergewöhnlich groß. Sie sind bis zu drei Meter breit (mit blinkendem gelben Rundumlicht sogar breiter) und durchaus 20 Meter lang. Auch das ist beim Überholen insbesondere auf schmalen Straßen zu berücksichtigen.

Abstand halten! Moderne landwirtschaftliche Fahrzeuge verfügen über sehr gute Bremsen. Im Falle einer Gefahrenbremsung (Vollbremsung) ist der Bremsweg auch bei voll beladenen Anhängern erstaunlich kurz. Daher immer genügend Abstand einhalten.

Rot-weiße Warntafeln sind ein Hinweis auf relativ breite Fahrzeuge oder Arbeitsgeräte. Nicht nur Autofahrer haben durch die großen Gerätschaften bzw. Anhänger mit Ladung einen verminderten Überblick, auch die Sicht des Traktorfahrers nach hinten ist eingeschränkt.

Besondere Obacht ist geboten, wenn landwirtschaftliche Züge und Großmaschinen Straßen überqueren oder von dort abbiegen wollen!

In beiden Fällen fahren die Maschinen sehr langsam. Beim Rechtsabbiegen wird häufig nach links über die Fahrbahnmitte „ausgeholt“, was den nachfolgenden Verkehr irritieren kann. Die Absicht, nach links oder rechts abzubiegen, ist nicht immer eindeutig zu erkennen. Beleuchtungseinrichtungen können außerdem verschmutzt sein.

Vorsicht auch bei Mähdreschern oder Häckslern! Sie werden über die Hinterachse gelenkt, was ihr Heck beim Abbiegen ebenfalls ausscheren lässt.