Initiative fordert: Lkw raus! Führt eine Autobahn durch Bohmte?

Von Andreas Schnabel

Bis zu 1200 Lastkraftwagen zwängen sich täglich durch die Bohmter Ortsdurchfahrt. Eine neu gegründete Initiative fordert: Lkw raus aus Bohmte! Foto: Herbert TrentmannBis zu 1200 Lastkraftwagen zwängen sich täglich durch die Bohmter Ortsdurchfahrt. Eine neu gegründete Initiative fordert: Lkw raus aus Bohmte! Foto: Herbert Trentmann

Bohmte. In Bohmte, der größten Ortschaft im Wittlager Land, hat sich in diesem Jahr eine Bürgerinitiative formiert. Diese Initiative fordert: „Lkw raus aus Bohmte!“ Reinhard Buhl, der Sprecher der Initiative, nimmt angesichts aktueller Verkehrszahlen kein Blatt vor den Mund: „ Führt eigentlich eine Bundesautobahn mitten durch Bohmte ?“

Mit der Freigabe nach der Sanierung des Shared-Space-Bereiches fiel auch erneut der Startschuss für die Lkw, die wieder durch den Ortsmittelpunkt rollen. Bis zu 1200 Lastwagen täglich strapazieren Bohmtes Mitte und die Menschen, die dort leben, arbeiten und einkaufen. Die 2008 erhoffte Reduzierung der Lkw-Zahlen habe „das ansonsten funktionierende System des geteilten Raumes nicht geschafft“, so Buhl.

Nach „RStO 12 (3)“ , den Richtlinien für die Standardisierung des Oberbaus von Verkehrsflächen, werden Schwerverkehrs-Anteile von mehr als 6 Prozent am Gesamtverkehr in die Straßenklasse „Bundesautobahn“ eingeordnet. In Bohmte sind Anteile von 8 / 14 / 11 Prozent für die Bremer Straße (L81/L85) / Leverner Straße (L 81) / Bremer Straße Nord festgestellt worden. In einem Gerichtsgutachten zur Bauklassenbestimmung.

Reinhard Buhl: „Natürlich ist die Bohmter Ortsdurchfahrt keine Autobahn - aber der Lkw-Anteil am Gesamtverkehr ist einfach zu hoch. Und jeder sieht die Dimensionen, um die es hier geht.“

Die Planung der zukünftigen Gestaltung der Bremer Straße ab dem Bereich Shared Space in Richtung Bohmte wird in Form einer Ortsteilwerkstatt unter Beteiligung von Anliegern und Interessierten weitergeführt.

 Die Initiative „Lkw raus aus Bohmte“ fragt deshalb: Welchen Sinn macht es hier Planungen anzuschieben - und dabei hinzunehmen, dass heute schon 1200 Lkw täglich durch Bohmtes Mitte fahren? Wie sehr schränkt doch dieser Verkehr eine Planung ein, die den Ort sicherer, attraktiver und zukunftsfähig machen soll?

 Buhl unterstreicht ausdrücklich: „Das Verkehrsaufkommen nimmt immer weiter zu. Wenn wir heute von 1200 Lkw sprechen, dann lohnt es sich, einmal näher zu schauen, wie sich diese Zahl entwickelt hat - und wie sie sich in den nächsten Jahren weiter entwickeln wird.   So gab es bei den Zählungen von 2000 und 2006 erhebliche Zunahmen:

Bremer Straße - Süd:  von 960 auf 1048 Lkw = (+ 9 Prozent) - bei unverändertem Lkw-Anteil am Gesamtverkehr. Und Leverner Straße:  Von 427 auf 682 Lkw = ( + 26 Prozent) - bei einem von 11 auf 14 Prozent gestiegenen Lkw-Anteil am Gesamtverkehr.“

Im Zuge der Begutachtung und Bewertung ob die richtige Bauklasse für den Shared Space Bereich gewählt wurde, gab es eine Zählung in 2013. Diese wurde nicht nach Anzahl Lkw, sondern nach Anzahl der Achsübertritte (AÜ/Tag) vorgenommen.  Aus diesem Gutachten abgeleitet stieg die Anzahl der Achsübergänge (AÜ/Tag) im Bereich Leverner Straße von 2387 auf 3377.  Bei einem Faktor von durchschnittlich 3,5 Achsen pro Lkw sind dies 682 zu 965 Lkw (+ 41,5 Prozent).

Für den Bereich Bremer Straße Süd sind die Zahlen laut Initiative von 2006 auf 2013 von  2868 AÜ/Tag auf 4826 AÜ/Tag (+ 68 Prozent) = 1378 LKW pro Tag gestiegen.

Deshalb sei festzuhalten, dass „ein Ziel vom ansonsten erfolgreichen Konzept Shared Space deutlich verfehlt wurde: Der Lkw-Verkehr konnte nicht reduziert werden.“

Für Bohmte stellen sich nach Auffassung der Initiative zusätzlich die Fragen:

 • Welche Bedeutung hat bei der Verkehrsentwicklung noch die Entwicklung  von Hafen Leckermühle und Kiesabbau Hunteburg?

• Wie wirkt sich der vierspurigen Ausbau der B 51 von Belm nach Ostercappeln aus?

•  Bringt der der Lückenschluss der A 33 Bielefeld – Osnabrück und damit auf die B 51 nach Norden sogar noch mehr Verkehr nach Bohmte?

Eine weitere (vor dem Hintergrund der Lärmkartierung im Rahmen der bestehenden Umgebungslärmrichtlinien EU ) anstehende Verkehrszählung im Herbst 2015 werde hoffentlich deutliche Zahlen für die weitere Entwicklung aufzeigen, aus denen ein Trend abzulesen sei. Und diese Erkenntnisse müssten „unbedingt in die weitere Gesamtplanung für Bohmte einfließen.