Versteckt, aber nicht selten Hunteburger auf Trüffelsuche

Meine Nachrichten

Um das Thema Bohmte Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Hunteburg. Kaum hat Terriermischling Sammy seine Nase auf den Boden gerichtet, schon bleibt er schwanzwedelnd stehen und beginnt zu scharren. Da muss etwas sein, weiß nun sein Herrchen Friedhelm Riemeyer, und tatsächlich: Er hebt einen schwarzen unscheinbaren Gegenstand auf, etwa so groß wie eine Zwei-Euro-Münze. Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Klumpen Erde, doch der Geruch verrät etwas anderes – Trüffel.

Erwartungsvoll schaut Sammy sein Herrchen an und wird sofort belohnt. Nicht überall lassen sich die Pilze finden, aber wenn ein paar Bedingungen stimmen, stehen die Chancen nicht schlecht. Der Boden muss dafür kalkhaltig sein, darf aber nicht dauerhaft unter Wasser stehen. Da Trüffel eine Symbiose mit bestimmten Bäumen eingehen, sind sie beispielsweise in der Nähe von Eiche, Buche und Haselnuss zu finden. Riemeyer achtet bei der Suche auch auf sogenannter „Zeigerpflanzen“; Waldmeister, Aronstab und Bärlauch sind häufig ein Indiz für Trüffel.

Die Pilze stehen auf der Roten Liste, deshalb braucht Riemeyer eine Genehmigung des Landkreises, um sie auszugraben. Er entnimmt Proben und bestimmt zu Hause unter dem Mikroskop die Art und den Reifegrad des Fruchtkörpers.

„Von den 300 europäischen Arten sind etwa 60 kulinarisch interessant“, schätzt der Hunteburger. Derzeit findet er verfrorene oder überreife Wintertrüffel, während die Sommertrüffel noch heranwachsen. Die Fundorte markiert er für seine Forschungsgruppe. Außerdem darf er kleine Mengen für das Training mit seinen Hunden entnehmen.

Rottweiler Mützemann lernt gerade das Aufspüren der stark riechenden Pilze. Noch interessieren ihn Trüffel nicht besonders, doch sobald er einen findet, wirft Riemeyer sein Lieblingsspielzeug in die Luft. Er lernt mit dem Beutetrieb. Nelly dagegen, der Mops, der Riemeyer nicht von der Seite weicht, reagiert auf den Futtertrieb. Auch sie hat schon den ein oder anderen Pilz aufgespürt und sich dafür eine Portion Hundeleberwurst abgeholt.

Es gibt auch Menschen, die Trüffel mithilfe ihres Geruchssinns finden, sagt der Hunteburger, die meisten sind aber auf die feinen Nasen der Vierbeiner angewiesen.

Trüffelschweine

Bekannt sind allerdings eher die Trüffel suchenden Schweine. „Früher, als die Schweine noch in den Wald getrieben wurden, war das ein guter Nebenerwerb“, weiß Riemeyer. Der Vorteil bei der Suche mit Hunden ist, dass diese viel weniger der Fundstücke direkt auffressen und den Waldboden nicht so stark aufwühlen. Geeignet für die Ausbildung sei grundsätzlich jede Rasse. „Wichtig ist, dass das Tier noch mit der Nase auf dem Boden sucht“, erklärt der Hundetrainer.

Riemeyer hat in Hunteburg jahrelang eine Hundeschule betrieben, die Trüffelsuche war eine gute Gelegenheit, um das Training der Tiere mit seinem großen Interesse für die Natur zu verbinden. Nicht nur seine Hunde mussten dafür einiges lernen, auch Riemeyer ließ sich ausbilden – und zwar von dem Experten Dieter Honstraß. Über ihn kam der Hunteburger auch zur „Forschungsgruppe Hypogäen“ . „Wir haben allein in Niedersachsen mittlerweile weit mehr als 2000 Fundorte eingetragen“, freut sich Riemeyer.

Große Vorkommen

So ist es nicht erstaunlich, dass Sammy bei dem kurzen Spaziergang noch viele weitere Male aufgeregt hin und herläuft und schließlich anfängt in der Erde zu wühlen. „Teilweise liegen sie direkt an der Oberfläche, manchmal aber auch 30 Zentimeter tief“, erklärt der Pilzsucher. Dass Trüffel in Deutschland geschützt sind, hält er für einen Fehlschluss: „Die Vorkommen waren noch nicht erforscht, als sie für gefährdet erklärt wurden. Dabei gibt es in Deutschland große Mengen. Aufgrund unserer Funde schätzen wir, dass jedes Jahr über 40 Tonnen im Erdboden verfaulen, während Trüffel aus Frankreich und Italien für 300 bis 3000 Euro pro Kilo importiert werden.“

Einen wirtschaftlichen Nutzen hat er durch die Trüffelsuche bisher nicht. Allerdings darf er Bäume mit den gesammelten Sporen mykorrhizieren. Diese werden auch im Küchengarten von Schloss Ippenburg gepflanzt. Im angrenzenden Wald ist Riemeyer bereits fündig geworden. Eine Probe mit verdünnter Salzsäure zeigt, dass der Boden einen geringen Kalkgehalt hat. Für den Trüffelgarten wurde zusätzlicher Kalk verteilt. Etwa sechs bis sieben Jahre dauert es, bis die ersten Trüffel geerntet werden können. Diese dürfen im Gegensatz zu den wild wachsenden auch verkauft werden. „Die Besucher der Gartenfestivals können das Wachstum Jahr für Jahr verfolgen“, sagt Riemeyer. Die Forschungsgruppe ist dort auch mit einem Stand vertreten.

Selber isst Riemeyer nur selten Trüffel. Der Reiz liegt für ihn in der Suche und der Bestimmung. Sein Wissen gibt er auch in Kursen (mit und ohne Hund) weiter. Der nächste Termin ist am 27. und 28. Juni. Wer mehr über die Trüffelsuche erfahren möchte, kann sich unter der Telefonnummer 0172/ 6064587 anmelden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN