Für eine bessere Zukunft Bohmte: Sämann unterstützt Kinder in Brasilien

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Bohmte. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Kindertagesstätte „O Semeador“ in São Paulo hatte der Arbeitskreis „Der Sämann“ jetzt zum beliebten Brasilien-Abend in das Bohmter Gemeindehaus der Pfarrgemeinde St. Johannes eingeladen. Das war mit viel Liebe zum Detail in den brasilianischen Farben Gelb/ Grün und einem „Bem-Vindo“ – zu Deutsch: „Willkommen“ – geschmückt worden.

Nachdem Markus Schlie, Sprecher des Arbeitskreises, die Mitglieder, Sponsoren sowie insbesondere Regina Wildgruber, Bischöfliche Beauftragte für die Weltkirche im Bistum Osnabrück, begrüßt hatte, führte Moderator Andreas Brinkmann, der freier Journalist und Mitglied im Arbeitskreis ist, durch den informativen Abend.

Den Reigen der Vorträge eröffnete Maria Molitor mit einem Reisebericht. Denn Ende Februar hatte eine Gruppe des Arbeitskreises die Kita „O Semeador“ in São Paulo, die mithilfe des Bohmter Arbeitskreises „Der Sämann“ ins Leben gerufen wurde und nach wie vor mit Spenden unterstützt wird, besucht. „Markus Schlie und ich waren noch nie in São Paulo. Wenn man aus dem Flieger aussteigt, wird man ‚erschlagen‘ von den Hochhäusern“, erklärte Maria Molitor immer noch überwältigt. Angekommen in der Kita, die von Fatima und Wilson Alves geleitet wird, packte die Gruppe die Mitbringsel, wie Bohmter Kalender und Taschen, Flöten, Bekleidung, Spielzeug und sehr viele selbst gestrickte Socken aus. Da war die Freude natürlich groß.

Während eines Rundgangs hätten sie erfahren, dass zurzeit 60 Senioren in der Betreuung sind. Die Creche (übersetzt Kinderkrippe) sei gerade neu gestrichen worden. In der Kita würden derzeit in vier Gruppen rund 90 Kinder von 15 Erzieherinnen betreut, erläuterte Maria Molitor. Bei den größeren Kindern würden jeweils vormittags und nachmittags 30 Kinder umsorgt. Dabei gehe es hauptsächlich um Hausaufgabenbetreuung, Gesang oder Flötenspiel. Aber: „Die Behörde sagt auch, dass die Kinder jeden Tag Fleisch bekommen müssen, was die Kosten in die Höhe schnellen lässt“, so Molitor. Die Unterhaltung der gesamten Gebäude obliegt dagegen dem „Sämann“. In der Kapelle findet alle vier Wochen ein Gottesdienst statt und im Erinnerungsgarten, in dem Pflanzen für verstorbene Gönner gepflanzt werden, habe man auch eine für Pastor von Stockhausen hinterlassen, berichtete Maria Molitor.

„Der Basar und die dazugehörige Cafeteria waren sehr erfolgreich“, sagte Herbert Trentmann mit Blick auf den traditionellen Osterbasar. Zuvor hatte er Grüße der Bohmter Kolpingsfamilie sowie des Vorstandes überbracht. Der Erlös des Basars sei zum einen an die Syrien-Flüchtlingshilfe über die Caritas gegangen (600 Euro). „Es war aber noch mehr Geld im Topf“, freute sich Trentmann, der Markus Schlie 250 Euro für den Arbeitskreis „Der Sämann“ überreichte. Dieser Betrag werde voraussichtlich für das defekte Dach in der Kita eingesetzt, signalisierte Schlie.

„Wir wussten überhaupt nicht, was auf uns zukommt“, gestand Sandra Wöbeking, Sozialpädagogin an der Grundschule Alterredder in Hamburg und Mitgründerin des Arbeitskreises, die eine Zusammenfassung der 20-jährigen Entwicklung der Kita „O Semeador“ in São Paulo gab. Carmen Hemme und sie seien 1994 erstmals in Brasilien gewesen. In Rio haben sie die Sprache gelernt. Als die beiden dann in São Paulo die Kinder mit ihren leeren Blicken sahen, überlegten sich die Erzieherinnen: Was können wir tun, dass sie glücklich werden?

Schon bald lernten sie Fatima und Wilson Alves kennen, bei denen sie zwei Monate wohnten. Nach sieben Monaten zurück in Deutschland gestalteten beide Vorträge und begannen, Spenden für eine Kita in São Paulo zu sammeln. „Pastor von Stockhausen in Bohmte stand voll dahinter“, betonte Wöbeking, die mit etlichen anderen freiwilligen Helfern viel Erde bewegte, um die Kita in São Paulo aufzubauen. Die Anfänge gibt es seit dem 13. Mai 1996. Zwei Jahre später wurde der Betrieb in fünf Räumen aufgenommen; 2000 erfolgte die Gründung des Arbeitskreises, der bis heute – dank etlicher Spender und Sponsoren – viel Gutes für die Kinder in São Paulo getan hat.

„Das ist heute für mich eine Chance, so ein Projekt kennenzulernen, das über solch einen langen Zeitraum läuft. Wie klein der Anfang war und wie sich das entwickelt hat“, freute sich Regina Wildgruber. Es sei großartig, „dass Sie hier solch eine Keimzelle sind, die gesehen hat, wie die Menschen dort leben.“ Was sie beeindruckt habe: Auf der einen Seite das Häusermeer in São Paulo, auf der anderen die Oase der Kita. „Das sind unwahrscheinliche Kontraste, fast schon biblische Bilder: Chaos am Anfang – dann Raum, in dem Leben für alle möglich ist. Und Sie sind mittendrin“, sagte Regina Wildgruber, die zugab: „Ich gehe sehr beschenkt von ihren Erzählungen nach Hause.“ Und: „Wenn Sie mal nicht weiterkommen, melden Sie sich gerne.“


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