Sondengänger finden Belege für Absturz Nach 70 Jahren in Schwege noch Wrackteile entdeckt

Von Steffen Meyer

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Schwege. Der Absturz einer amerikanischen Militärmaschine am 20. März 1945 gegen 1 Uhr morgens in Schwege beschäftigt weiterhin die Experten, und es wurden erneut Belege dafür gefunden, was sich kurz vor Kriegsende über dem Acker nördlich des Hofes von Hermann Kruse zugetragen hat.

Noch in den letzten Kriegstagen wollten die Amerikaner mit dem „Unternehmen Chisel“ des OSS (Office of Strategic Service, später CIA) Spione und Agenten einsetzen, um die Front im Deutschen Reich auszuspionieren und Sabotageeinsätze auszuführen.

Nach dem ersten Bericht in unserer Zeitung „Himmelfahrtskommando in Schwege“ am 13. Februar ist mittlerweile der originale Polizeibericht von damals aufgetaucht. In alten Unterlagen entdeckt hatte ihn Hermann Dierker aus Eielstädt. Zwar wird darin der Absturz auf die Nachmittagsstunden am 19. März vorverlegt. Ansonsten aber stimmen die Angaben mit dem überein, was Martin Frauenheim bereits recherchiert hatte.

„Allerdings sind sie stark ideologisch gefärbt“, urteilte der Luftfahrt-Historiker aus Hagen a.T.W., nachdem er den Bericht gelesen hatte. Laut damaliger Behörden sei die geheimnisvoll schwarz lackierte, zweimotorige Douglas A 26 aller Wahrscheinlichkeit nach durch einen Luftkampf über dem Feld von Bernhard Pellen-Wessel (aus Damme) zum Absturz gebracht worden.

„Das ist aber definitiv falsch“, so Frauenheim. Gewissheit darüber herrscht in seinen Augen, weil gleich zwei Zeitzeugen von ihm befragt wurden, die beide das Flugzeugunglück auf die stürmische Nacht zum 20. März datierten. Dazu zählt neben Hermann Kruse aus Schwege auch der vor wenigen Wochen in Lüstringen verstorbene Franz Igelmann.

Ein Jahr vor seinem Tod berichtete dieser Frauenheim davon, dass der damals 13-Jährige selbst am Morgen nach dem Absturz zusammen mit Freunden die Stelle inspiziert hätte. Auch fast 70 Jahre nach dem Ereignis konnte er sich noch daran erinnern, wie die Unglücksstelle ausgesehen hatte.

„In der Nähe des Rumpfes habe er einen Schnürstiefel mit einem abgerissenen Fuß gesehen“, zitierte Frauenheim den Zeitzeugen. Ebenso hätten dort ein blutgetränkter Handschuh und weitere abgerissene Körperteile der fünf ums Leben gekommenen Insassen gelegen. In der Maschine selbst hätte er „seltsame Dinge“ wie beispielsweise sogenannte Glacéhandschuhe in Kindergröße entdeckt.

„Munition sei nicht an Bord gewesen, und das Flugzeug habe eher ‚privat‘ und wie ein Ziviltransporter ausgesehen“, so Frauenheim weiter. Die Tragflächen, eine noch komplett, hätten vor dem Moorkanal, die Motoren schon halb im Graben gelegen. Teile der Kabine seien über den Kanal hinaus geschleudert worden. Letzteres wurde dann bestätigt durch die Funde von Matthias Zeisler und Johannes Haunert aus Diepholz. Die beiden Mitglieder der Sondengänger Hunte-Weser hatten auf Bitte von Frauenheim in Schwege nach den Überresten des Wracks der A26 gesucht und sie schließlich etwa einen Kilometer nördlich vom Hof Kruse auch gefunden.

Durch Typenschilder ließen sie sich eindeutig zuordnen, und noch jetzt anlässlich eines weiteren Ortstermins der Hobby-Historiker sowie der Journalistin Gertrud Premke für Filmaufnahmen des regionalen Fernsehsenders os1.tv stießen sie schon nach wenigen Minuten ein weiteres Mal auf Teile, die zu dem Spionageflieger gehört haben müssen.

Dazu zählt ein Handlochdeckel. Ursprünglich am Flügel der Douglas angebracht, damit es eine Möglichkeit gab, das Innere der Tragfläche unter die Lupe zu nehmen, fand sich nun wenige Zentimeter unter der Erde wieder und löste beim Metalldetektor von Zeisler sofort einen nicht zu überhörenden Alarm aus.

„Faszinierend, dass wir immer noch Dinge finden, die sich so eindeutig zuordnen lassen“, freute sich Frauenheim. Damit hielt er ein weiteres Puzzlestück in Händen, das sich ins Gesamtbild einfügt. Nun möchte er darüber ein Buch schreiben.

Allerdings ist das Interesse daran hierzulande wahrscheinlich geringer als beispielsweise in den USA, „denn Kriegsgeschichten sind immer noch mit Tabus behaftet“, fügt der Historiker abschließend hinzu. Für ihn aber ist der „Fall Schwege“ die mit Abstand spannendste Agentengeschichte, auf die er bisher bei seinen Forschungen gestoßen ist.

Den Fernsehbeitrag über den Ortstermin an der Absturzstelle sendet os1.tv am kommenden Donnerstag, 12. März, ab 18 Uhr in der Sendung „os1.tv aktuell“.


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