Tierhalter in Alarmbereitschaft Ansiedlung von Wölfen im Altkreis Wittlage möglich

Von Johanna Lügermann

Ein Europäischer Grauwolf im Gehege des Wolfscenters von Dörverden (Niedersachsen). Archivfoto: Ingo Wagner/dpaEin Europäischer Grauwolf im Gehege des Wolfscenters von Dörverden (Niedersachsen). Archivfoto: Ingo Wagner/dpa

Stemwede/Altkreis Wittlage. Der Wolf ist zurück in Deutschland. Immer häufiger wird von ihm berichtet, und auch im Niedersächsischen Landtag wurde das Tier in dieser Woche zum Thema. Und in der freien Wildbahn? Im Wittlager Land gibt es bisher noch keinen Beleg, doch erst vor wenigen Tagen konnten Spuren an einem toten Schaf in Oppenwehe (Kreis Minden-Lübbecke) dem Wolf zugeordnet werden.

Ende Dezember wurde das Schaf in Bohmtes westfälischer Nachbargemeinde Stemwede verletzt und schließlich eingeschläfert . Mit dem Angriff eines Wolfes hatte der Züchter zunächst nicht gerechnet. Nur vorsorglich meldete er den Vorfall dem zuständigen Wolf- und Luchsberater.

Große Aufregung herrscht bereits in den Landkreisen Vechta und Diepholz: Tierwirte dort klagen über zunehmende Angriffe durch Wölfe. Von einer rasant wachsenden Population sprachen auch die Abgeordneten Ernst-Ingolf Angermann (CDU) und Gero Hocker (FDP). Die 50 bis 60 in Niedersachsen heimischen Tiere seien nicht nur ein Erfolg für den Artenschutz, sondern auch eine zunehmende Gefahr . Der Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) warnte dagegen vor einer Dramatisierung.

Richtig ist, dass die Anzahl der Wölfe in den letzten Jahren stetig gestiegen ist. „Der Bestand kann sich pro Jahr um 30 Prozent vergrößern“, weiß Kreisjägermeister Helmut Spieker aus Bad Essen-Lintorf. Deshalb sei es gut möglich, dass der Wolf sich auch hier ausbreite. „Die Frage ist allerdings, ob das Tier in die stärker besiedelten Bereiche vordringt“, meint Spieker. Bisher seien im Altkreis weder bei Nutz- noch bei Wildtieren Übergriffe durch den Wolf verzeichnet worden.

Es bleibe abzuwarten, ob sich Wölfe im Landkreis Osnabrück ansiedeln, meint auch Olaf Göpfert. Er ist einer von drei Wolfsberatern im Landkreis. Da die Tiere grundsätzlich in allen Landesteilen auftauchen können, wurden diese ehrenamtlichen Berater eingesetzt, um Bürger zu informieren und bei Sichtungen oder möglichen Spuren von Wölfen Klarheit zu schaffen.

„Es ist fraglich, wie gut sich die Tiere an neue Lebensräume anpassen können“, sagt er. Ein gutes Nahrungsangebot und störungsfreie Räume, die für die Aufzucht der Jungen notwendig sind, fanden sie bisher in waldreichen Gebieten. Relativ sicher ist Göpfert, dass vor allem junge Wölfe den Kreis Osnabrück durchstreifen werden: „Es kann jederzeit losgehen.“ Denn mit etwa 22 Monaten verlassen Jungtiere das Rudel und suchen sich ein eigenes Revier. Dabei können sie Tagesstrecken von 70 Kilometern zurücklegen.

Doch was heißt das für Nutztierhalter? Zuschüsse für den Herdenschutz, beispielsweise in Form von Zäunen oder Herdenhunden, gibt es vom Land, wenn es einen starken Verdacht für Nutztierrisse gibt. Die sogenannte „Förderkulisse Herdenschutz“ umfasst beispielsweise die Landkreise Diepholz und Emsland, jedoch nicht den Osnabrücker Raum.

Für gerissene oder infolge eines Wolfsübergriffs verendete Tiere stellt das Land Billigkeitsleistungen in Aussicht. Diese erfolgen nur, wenn der Wolf als Verursacher amtlich festgestellt worden ist.

Welche Folgen die Ansiedlung des Wolfes für andere Wildtiere hat, könne aufgrund mangelnder Erfahrung noch nicht gesagt werden, erklärt Göpfert. „Das hängt auch von der Anzahl ab. Der Wolf stellt allerdings einen zusätzlichen Stressfaktor für das Wild dar.“


Der Wolf im Altkreis Wittlage

Über die Jagd auf den Wolf im Altkreis ist in dem Buch „Das Wittlager Land. Geschichten aus seiner Geschichte“ zu lesen, dass 1781 etwa 1000 Menschen zusammenkamen und einen Wolf zwischen Hunteburg und Damme einkreisten. Sie brachten das Tier zur Strecke, seitdem ist hier kein wild lebender Wolf gesehen worden. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts galten Wölfe in Deutschland als ausgestorben. 2006 siedelten sich erstmals wieder Tiere in Niedersachsen an. Vor allem die waldreichen östlichen und südlichen Landesteile bieten geeignete Lebensräume. Das Tier unterliegt heute dem Artenschutz und darf nicht gejagt werden.

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