Grüne zur Hafenplanung Leckermühle: Sind die Zahlen unrealistisch?

Vertreter der Grünen informierten sich bei Carl Wilhelm Zerhusen und Anwohnern über die Hafenplanung. Im Bild (von links) Ludwig Koch, Martin Burose, Carl Wilhelm Zerhusen, Peter Lucas, Friederike Schneider-Solf, Alwin Büter und Joachim Lücht. Foto: GrüneVertreter der Grünen informierten sich bei Carl Wilhelm Zerhusen und Anwohnern über die Hafenplanung. Im Bild (von links) Ludwig Koch, Martin Burose, Carl Wilhelm Zerhusen, Peter Lucas, Friederike Schneider-Solf, Alwin Büter und Joachim Lücht. Foto: Grüne

Leckermühle. Wie geht es weiter mit der Hafenplanungin Leckermühle? Darüber sprachen Vertreter der Grünen mit dem Betreiber des bestehenden Kanal-Umschlags, Carl Wilhelm Zerhusen, dessen Klage gegen die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt (Münster) vom Verwaltungsgericht stattgegeben worden war.

Beteiligt an dem Gespräch waren auch Martin Burose und Ludwig Koch von der Interessengemeinschaft Oelinger Hafen, die erhebliche Immissionen für benachbarte Wohnungen und Betriebe befürchten.

Als unrealistisch bezeichnete Zerhusen die Planung der HWL (Hafen Wittlager Land GmbH), in 20 Jahren 1,4 Millionen Ladeeinheiten abfertigen zu können. Das sei nicht einmal im Dreischichtbetrieb zu schaffen, wobei zunächst von einer Schicht, dann von zwei Schichten gesprochen worden sei. Außerdem seien dafür zwei Kräne erforderlich, die sich aber auf der begrenzten Fläche gegenseitig behindern würden. „Bei einer geringeren Kapazität gerät wiederum die Wirtschaftlichkeit des HWL-Konzepts ins Wackeln“, vermutet Zerhusen.

Er selbst prognostiziert 420000 Ladeeinheiten. Seine Firma betreibe seit über 60 Jahren den Binnenhafen in Bohmte und habe im Gegensatz zur HWL einen Planer hinzugezogen, der über Erfahrungen im nationalen wie internationalen Hafenbau verfüge. Er selbst werde auf keinen Fall Flächen an die HWL verkaufen.

„Sollte der HWL-Antrag eine erneute Genehmigung bekommen, ist eine erneute Klage unausweichlich, und die werden wir wieder gewinnen“, zeigte sich Zerhusen sicher. Bedauerlicherweise habe sich das dem Bundesverkehrsministerium zugeordnete Wasser- und Schifffahrtsamt als Genehmigungsbehörde auf die Seite der Hafen GmbH gestellt. „Von einem neuen Gutachten, das Amtsleiterin Gosebrock-Heimann von der SGKV heranziehen will, ist nichts Neues zu erwarten“, so Zerhusen. Die Mitglieder im Kreistag und den Gemeinderäten in Bohmte, Bad Essen und Ostercappeln seien gut beraten, sich genau über die finanziellen Risiken zu informieren.

Auf keinen Fall verkaufen

Martin Burose bekräftigte, er habe seit 20 Jahren unmissverständlich erklärt, dass er auf keinen Fall Flächen verkaufen werde. „Aber das interessiert den Bürgermeister wohl nicht“, so der Landwirt. Ludwig Koch betonte, er könne die Aufstellung eines Bebauungsplanes für solch eine lärmträchtige Industrieanlage auf keinen Fall akzeptieren. Ein Hafen ohne Bahnanschluss könne keine Unterstützung der Grünen finden, stellte der Bohmter Ratsherr Alwin Büter fest. Zudem handele es sich um kostbaren landwirtschaftlichen Boden, für den der Lebensmittel- und Futteranbau oberste Priorität haben müsse. Für den geplanten Grünlandumbruch müsse der Landkreis als Genehmigungsbehörde als befangen angesehen werden.

Joachim Lücht (Kreistag und Gemeinderat Bad Essen) wies auf die Schwierigkeiten hin, für so einen gewaltigen Eingriff in die Natur den gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleich auf anderen Flächen zu schaffen. Auch aus Ostercappeln könne es keine Zustimmung geben, wenn der Weitertransport hauptsächlich über die B51 zulasten der dortigen Anwohner abgewickelt werden solle, bekräftigte Ratsherr Peter Lucas. Nach seiner Auffassung muss der Austritt aus der HWL geprüft werden, um Schaden von der Gemeinde abzuwenden.

Bohmte sei mit 800 bis 1000 Lkw schon jetzt stark belastet, ergänzte die Fraktionsvorsitzende Friederike Schneider-Solf. Zudem könne Bohmte nach anderen finanziellen Belastungen kein Millionengrab verkraften. Landrat Michael Lübbersmann müsse begreifen, dass die HWL-Planung nicht zum Erfolg führen werde und für den Steuerzahler und Wähler teuer werden könne, war sich die Runde einig.


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