Georgi präsentiert Kästner Ein kritischer Betrachter im Bohmter Kotten

Leiht dem großen Literaten seine Stimme: Hans Georgi während seines Kabarettabends in Bohmte. Foto: Helge HolzLeiht dem großen Literaten seine Stimme: Hans Georgi während seines Kabarettabends in Bohmte. Foto: Helge Holz

Bohmte. Ein gutes Händchen bewiesen erneut die Aktiven vom Kulturring Bohmte, als sie Erich Kästner zum Thema eines Kabarett-Abends wählten. Als Protagonisten konnten sie dabei Hans Georgi gewinnen, der den Werken des gebürtigen Dresdners für einen Abend seine Stimme leihen sollte.

Schnell wurde den Besuchern deutlich, dass sich Erich Kästner nicht allein auf „das fliegende Klassenzimmer“, „Emil und die Detektive“ oder auf das „Doppelte Lottchen“ reduzieren lässt. An diesem Abend stand die andere Seite des bekannten Schriftstellers im Fokus, die Seite des kritischen Betrachters und Zeitzeugen der „wilden 20er-Jahre“.

Neben seinen Romanen dokumentierte Erich Kästner mit spitzer Feder den Weg von der Weimarer Republik bis zu deren Ende 1933. Just diese Jahre nimmt der Autor pointiert aufs Korn, um den bürgerlichen Alltag, die vorhandenen Stimmungen präzise zu dokumentieren – kritische Anmerkungen zu Wirtschaft und Politik inbegriffen. Und genau dieser Kästner lieferte jetzt Hans Georgi den roten Faden für sein Musik-Kabarett „Die Welt ist rund“.

Mal leise, mal nachdenklich nahm der Wahl-Eifeler sein Publikum im Bohmter Kotten mit auf die Zeitreise in die damals noch junge Republik und erntete dabei nicht selten grüblerische Gesichter bei seiner Zuhörerschaft. Denn eines wurde sehr schnell deutlich: So große Unterschiede zwischen damals und heute scheint es nicht zu geben, die Probleme hören sich allesamt bekannt an. Eine Aktualität, die einen erschaudern lassen konnte.

Die Klagen über den Geburtenrückgang, die hohe, verstetigte Zahl an arbeits- und perspektivlosen Jugendlichen im Allgemeinen oder gierige Bankiers im Besonderen, wie es die Kästner’sche Hymne auf Banken beschreibt: „Sie machen Gold am Telefon, sie lieben das Geld, und das Geld liebt sie.“ Allesamt steile Vorlagen für einen Kabarettisten. Fast spielerisch schafft der Protagonist so den Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Hans Georgi zieht alle Register seines Könnens, nimmt stilistische Anleihen bei Bert Brecht und Kurt Weill oder vertont die Texte gleich selbst, um sie auf der Bühne präsentieren zu können. Nicht fehlen dürfen an so einem Abend auch biografische Anekdoten über seinen literarischen Helden. Der Lohn der Mühe: kräftiger Applaus und garantiert auch neue Fans vom „anderen“ Erich Kästner.