Mit Humor betrachtet Wittler-Literaturabend im Rittersaal Lemförde

Detthard Wittler im Rittersaal Lemförde. Foto: Christa BechtelDetthard Wittler im Rittersaal Lemförde. Foto: Christa Bechtel

Lemförde. „Mein lieber Mann, unser fürsorglicher Vater, mein Bruder und Onkel ist plötzlich und unerwartet nach kurzer Krankheit auf dem Wege der Besserung verstorben. Zu seinem Gedenken sind heute Abend dabei: Christian Sprang, Matthias Nöllke, Wilhelm Busch, Heinz Erhardt, Robert Gernhard und viele andere mehr“, lasen die Besucher im ausverkauften Lemförder Rittersaal in der überdimensionalen Todesanzeige, die auf die Leinwand projiziert war.

„Heute haben wir einen Künstler aus der Nachbarschaft zu Gast“, kündigte Ursula Vocks vom Kulturbunt Lemförde Detthard Wittler aus Rahden an, der unter dem Motto „Auf dem Wege der Besserung verstorben“ kurze Zeit später sein unterhaltsames und anspruchsvolles Programm präsentierte. Doch zuvor verdeutlichte die Kulturbunt-Vertreterin: „Wir haben einen Termin gesucht – es wurde ein Mittwoch im November, und heute ist auch noch Buß- und Bettag. Auf einmal passte alles, inklusive Beerdigungskuchen in der Pause, den wir heute ausgeben.“

Den Titel für sein Programm entnahm Detthard Wittler einer Traueranzeige aus der Sammlung „Aus die Maus: Ungewöhnliche Todesanzeigen“ von Christian Sprang und Matthias Nöllke. Das Buch habe er vor drei Jahren zum Geburtstag geschenkt bekommen, erklärt der frühere Grund- und Hauptschullehrer im Gespräch mit unserer Zeitung. Inzwischen nennt der Gründer von „Kultür“ Rahden, dessen Vorsitzender er 22 Jahre war, auch die Nachfolgebände „Wir sind unfassbar: Neue ungewöhnliche Todesanzeigen“ sowie „Ich mach mich vom Acker: Allerneueste ungewöhnliche Todesanzeigen“ sein Eigen.

Als langjähriger Mitarbeiter der Volkshochschule habe er die Laientheaterarbeit in der VHS aufgebaut. „Daraufhin ist das Laientheater ‚Schatulle‘ entstanden, wo ich auch 30 Jahre mitgespielt habe“, erläutert Wittler, dem die Literaturabende stets besondere Freude bereiteten. Für ihn sei wichtig: „Dass ich möglichst Humorvolles darbieten kann, denn Sorgen haben die Menschen genug.“ Sein Programm entnimmt er nicht nur den Todesanzeigen aus den erwähnten Büchern, sondern auch durch Recherche im Internet unter „Der lustige Friedhof“. Hinzu komme Literaturrecherche, was wozu passe, so der Westfale, der ständig sein Programm ändert.

Mit Glockenläuten und der schwermütigen Aussage aus Erich Kästners Gedichtzyklus „Die 13 Monate“ „Dieser Monat trägt den Trauerflor“ wurde ein ungewöhnlicher Literaturabend eröffnet. „Schön, dass Sie den Weg in den Amtshof gefunden haben, um zu erleben, auf welches Abenteuer sich der Kulturbunt eingelassen hat. Denn es geht auch anders“, meinte Wittler zur Begrüßung. Und schon folgte seine erste Rezitation von Kurt Tucholsky: „Der Mensch ist ein Lebewesen, das klopft, schlechte Musik macht und seinen Hund bellen lässt. Manchmal gibt er auch Ruhe, aber dann ist er tot!“ Sarkastisch, makaber, spöttisch, mit jeder Menge schwarzem Humor, aber kurzweilig folgten seine Interpretationen zum Thema „Tod“, dem auch viele Literaten oder Dichter versuchten, von der humorvollen Seite „zu Leibe“ zu rücken.

Tucholsky habe auch gesagt: „Ich werde also eines Tages sterben. Natürlich, das kann auch nur mir passieren.“ Oder der Tipp à la Otto Reutter: Erst sterben – dann leben! Ungewöhnliche Todesanzeigen wie „Uns zum Wohle ist das Band nach fast 58-jähriger Ehe zerrissen“ oder „Meine liebe Frau hat Gott zu sich genommen“ zogen sich wie ein roter Faden durch den Abend.

Die Arbeit der Ärzte oder die Erzählungen eines Bestatters beleuchtete der Rahdener ebenfalls und rappte zwischendurch zur Musik aus der Konserve.

Eines ist nach diesem Programm, das von Wortwitz und einer ungeheuren Spielfreude Wittlers gekennzeichnet war, sicher: Die Besucher werden Todesanzeigen in Zukunft mit ganz anderen Augen lesen!