Gremienwahlen Im Wittlager Land aufkreuzen und ankreuzen

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Kandieren für die Pfarrgemeinderäte (v.l.): Maria Warhus, Georg Kaiser, Kerstin Klecker und Max Eggert. Foto: Kerstin BalksKandieren für die Pfarrgemeinderäte (v.l.): Maria Warhus, Georg Kaiser, Kerstin Klecker und Max Eggert. Foto: Kerstin Balks

Altkreis Wittlage. „Heutzutage mag sich keiner engagieren, keiner langfristig binden, keiner geht zur Wahl!“ Derlei Klagen sind hinlänglich bekannt, sie sind in Vereinen, Politik und Kirche gleichermaßen zu vernehmen. Kerstin Klecker, Maria Warhus, Max Eggert und Georg Kaiser machen es anders: Sie binden sich auf vier Jahre an ein Ehrenamt, indem sie für den Pfarrgemeinderat (PGR) kandidieren und stellvertretend für die anderen Kandidaten zum Wählen auffordern möchten.

Während drei von ihnen in dieser Funktion gewissermaßen „alte Hasen“ sind, ist Max Eggert mit seiner Kandidatur für den Hunteburger PGR sicherlich eine Ausnahme, denn mit seinen 18 Jahren wird er der Jüngste in diesem Gremium sein. „Ich möchte die Belange der Jugend gerne einbringen, nicht nur reden, sondern was tun“, erklärt er seine Motivation.

Georg Kaiser, der zum wiederholten Male in Ostercappeln kandidiert, stimmt ihm zu: „Man kann was bewegen. Aber es macht auch Arbeit, und man muss auch schon mal zurückstecken“, räumt er ein. Dennoch sehen er und die anderen Kandidaten es auch ein bisschen als ihre Pflicht, sich, so man denn die Zeit erübrigen kann, für die Gemeinde einzusetzen. „Und es macht ja auch viel Spaß, im Team zu arbeiten“, ergänzt Kerstin Klecker, die ebenfalls in Ostercappeln aktiv ist.

Auch Pastor Stephan Schwegmann weiß um die Bedeutung, die die Teamarbeit für die Gemeinden hat: „Teams setzen sich ja aus Menschen mit ganz unterschiedlichen Talenten zusammen. Deshalb sind auch die Ergebnisse ihrer Arbeit immer kreativer, als die Arbeit eines Einzelnen. Aber haben die Laiengremien in der katholischen Kirche denn tatsächlich Handlungs- und Entscheidungsspielraum? „Die autoritären Zeiten in den Gemeinden sind doch lange vorbei. Ich habe in den 14 Jahren in Bohmte keine einzige Entscheidung gegen die Gremien getroffen. Ich wäre ja auch schlecht beraten gewesen“, sagt er schmunzelnd.

Kirche im Wandel

Er sehe die katholische Kirche insgesamt in einem großen Veränderungsprozess, in dem es umso interessanter sei, mitzuwirken und zu gestalten, wenngleich sich die Kirche auch in einer schwierigen Phase befinde. „Wer in dieser schwierigen Phase mitmacht, der steht wirklich dahinter“, der Überzeugung ist Georg Kaiser. Hinter Vorfällen wie im Bistum Limburg stünden immer Menschen: „Sie können aber doch nicht meinen Glauben an Gott erschüttern.“

Dass man, zumal als junger Mensch, vielfach belächelt wird, wenn man sich in der Kirche einbringt, davon weiß Max Eggert ein Lied zu singen. „Klar fragen viele, was ich den bei ‚Kirchens‘ will. Aber für mich ist es wichtig, meinen Glauben auch nach außen zu vertreten. Wenn man so will, ist meine Kandidatur so etwas wie ein Bekenntnis“, sagt er.

„In den Gremien machen wir vielleicht ja nur die kleinen Schritte, aber ohne die Gremien würde sich doch gar nichts ändern“, ist Maria Warhus überzeugt. Die amtierende PGR-Vorsitzende in Bohmte ist sich bewusst, dass die Ehrenamtlichen in der Kirche viel auffangen müssen – gerade in diesen Tagen in den Pfarreiengemeinschaften des Altkreises, wo, wie in Ostercappeln, Bad Essen und Schwagstorf, ein neuer Seelsorger erwartet wird, oder, wie in Bohmte und Hunteburg, das Amt des Pastors vakant wird.

Umso wichtiger, da sind sich alle einig, sei es, in den Gremien Stabilität zu ermöglichen – auch wenn sich die Anzahl der Kandidaten mit der Anzahl der Mandate deckt und die Wähler ja eigentlich keine (Aus-)Wahl haben. Warum dann überhaupt „aufkreuzen“? Max Eggert sieht es als Ansporn: „Je mehr wählen gehen, desto mehr sehen wir uns bestärkt, uns zu engagieren.“

Wahlzeiten: Hunteburg: Samstag 10 bis 12 Uhr, Sonntag 8 bis 12 Uhr und 14 bis 18 Uhr; Bohmte: Samstag 17 bis 17.45 Uhr, 19 bis 20 Uhr, Sonntag 9.30 bis 12 Uhr, 15 bis 18 Uhr; Ostercappeln: Sonntag 10 bis 13 Uhr und 15 bis 17 Uhr; Schwagstorf: Sonntag, 8 bis 12 Uhr und 16 bis 18 Uhr; Bad Essen: Samstag 17 bis 20 Uhr, Sonntag 10 bis 12 Uhr. In allen genannten Pfarreien gilt das Familienwahlrecht, bei dem Eltern für ihre Kinder unter 16 Jahren das Stimmrecht wahrnehmen.


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