Besuch bei Martin Kockmeyer Das Wildrind kehrt an den Dümmer zurück

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Hüde. Wer am Dümmersee zwischen den Ortschaften Hüde und Lembruch unterwegs ist, der sieht sie auf einer Weide stehen: Rinder mit beeindruckenden Hörnern – die sogenannten Heckrinder als Rückzüchtungen von Wildrindern, den Auerochsen. Die robusten Tiere sind hier das ganze Jahr über zur Landschaftspflege im Einsatz.

Urviecher aus vergangenen Zeiten im 21. Jahrhundert. Wer jetzt noch die Weide betreten möchte, ist selbst schuld. Ein Schild warnt: „Vorsicht Bullenweide!“ Rinder aus den Rückzüchtungen der Gebrüder Heck wurden bis Anfang der 1980er-Jahre nur in Tierparks und Wildgehegen gehalten.

Im Laufe der Zeit haben aber immer mehr Landwirte und Züchter die Wildrinder zur ökonomisch extensiven Grünlandbewirtschaftung entdeckt. Einer von ihnen ist Martin Kockmeyer. Der Museumstechniker für Geologie beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den urwüchsigen Rindern und nennt inzwischen 40 Tiere sein Eigen.

Wir haben den Züchter aus Leidenschaft in einem Naturschutzgebiet am Rande des Dümmersees besucht und konnten uns von den Tieren ein Bild machen.

Der Chef der Herde, der 15-jährige Bulle „Arak“, kennt seine Pappenheimer, lässt Kockmeyer auf die Weide und holt sich seine Streicheleinheiten ab.

Den Fotografen beäugt der Bulle eher misstrauisch. Und da es vom Züchter nichts zu fressen gibt, begibt sich der Bulle ganz ruhig wieder zu seiner Herde zurück.

Wie Martin Kockmeyer im Gespräch mit unserer Zeitung betont, ist der Auerochse der Stammvater aller 500 Haustierrassen. Seine Tiere im Naturschutzgebiet Dümmer leben das ganze Jahr über draußen und können sich dank Bulle Arak, der hier das Licht der Tierwelt erblickte, in einem naturbelassenen Lebensraum vermehren.

Die Kälber kommen meistens ohne menschliche Hilfe auf die Welt, und sollte es doch einmal zu Schwierigkeiten bei den Geburten kommen, dann spielt Martin Kockmeyer auch mal den Rinder-Babysitter.

Ein Kalb, das vom Muttertier nicht angenommen wurde, ist zum Beispiel mit der Hand aufgezogen worden.

„Zum Glück kommt so etwas aber nur ganz selten vor“, schmunzelt Martin Kockmeyer.

Ziehkind „Ditti“ hat den Babysitter auf zwei Beinen aber nicht vergessen und lässt sich nach wie vor von ihm kraulen.

Die Kälber bleiben über ein Jahr beim Muttertier und wachsen so spielend in die Herdenhierarchie hinein.

Die Herde von Martin Kockmeyer besteht aus Kühen und Bullen aller Altersstufen und besitzt eine ausgeglichene Sozialstruktur. Die Rasse hat als entscheidendes Merkmal sehr gute natürliche Instinkte zur Aufzucht ihrer Kälber. Körperliche Nähe und die gegenseitige Fellpflege sind sichtbare Zeichen von engen Bindungen.

Tierfreund Martin Kockmeyer jedenfalls hat den Traum, dass Heckrinder als Nachfahren der Auerochsen in vielen Teilen Deutschlands eines Tages wieder in freier Natur leben können.


Der Auerochse (bis zu 1,80 Meter Schulterhöhe) wurde 1627 vollkommen ausgerottet.

300 Jahre nach dem Verschwinden der Tiere unternahmen die Gebrüder Heck in den 1920er-Jahren den erfolgreichen Versuch, ein Abbild des Auerochsen zu züchten.

Aus verschiedensten Hausrindrassen züchteten diese das nach ihnen benannte Heckrind. Das Wildrind hat vor allem in der Landschaftspflege Bedeutung erlangt.

Das Augenmerk der Züchter richtet sich vermehrt auf möglichst wildtierhaftes Verhalten und die Integration der Herden in großflächige Weidelandschaften. Darüber hinaus gilt ihr Fleisch unter Kennern als Delikatesse.

Im Wittlager Land werden Heckrinder unter anderem in Mönkehöfen (Gemeinde Ostercappeln) von Volker Bischof gehalten. Ebenso im Naturschutzgebiet am Dümmer.

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