Saatgutvermehrung auf dem Hof Frese Raps aus Herringhausen wächst europaweit

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Herringhausen. Wer säen will, braucht Saatgut. Die Produktion, die Jens Holger Frese praktiziert, erfordert viel Handarbeit – und die dazugehörigen Kenntnisse. Der Landwirt wusste schon während des Studiums in Osnabrück und Göttingen: „Pflanzen sind meine Passion.“

Der Hof an der Nienkampstraße wurde geraume Zeit im Nebenerwerb betrieben. Jens Holger Frese gab den Anstoß, dass dort heute Vollerwerb angesagt ist. Zudem eröffnete sich für den Herringhauser die Möglichkeit, den Hof des Onkels in Nordhausen zu bewirtschaften. Im Mittelpunkt stehen Pflanzen – zum einen Zuckerrüben, zum anderen die Saatgutproduktion.

„Theoretisch hat jeder Bewohner des Altkreises Wittlage schon mal ein Korn Zucker im Mund gehabt, das hier produziert wurde“, meint Frese schmunzelnd. Auf seinen Flächen erntet er so viele Zuckerrüben, dass daraus mindestens 500 Tonnen Zucker entstehen. „Die Menge ist jedes Jahr ein bisschen anders, das ist eben Natur“, sagt der Landwirt, in dessen Studium die Pflanzenproduktion im Mittelpunkt stand. Der begeisterte Zuckerrübenanbauer war unter anderem am Institut für Zuckerrübenforschung in Göttingen. Abschlüsse in Betriebswissenschaft (Agribusiness) eröffneten weitere berufliche Möglichkeiten. Letztlich fiel die Entscheidung für die Landwirtschaft – und für den eigenen Hof.

Einen erheblichen Teil der Arbeit macht inzwischen die Saatgutproduktion – neben den Zuckerrüben das zweite Standbein – aus. Dort wiederum gibt es drei Pflanzen: Hybridraps, Kartoffeln und Weizen. Frese weiß: „Vermehrung erfordert viel Handarbeit. Großbetriebe machen das nicht.“ Besonders beim Raps gilt: Der Landwirt muss die Fläche zigmal durchlaufen, um „falsche“ Pflanzen zu entfernen. Ziel ist schließlich, möglichst reines Saatgut zu erhalten. Entsprechend müssen ungewollte Einkreuzungen regelmäßig entfernt werden. Nicht minder wichtig: der Ansatz, sterile und fertile Formen, die gekreuzt werden, auszusäen, um die F-1-Generation, sprich den Hybridraps, zu erhalten. Die Vermehrung stellt hohe Anforderungen: Gefragt sind beste Keimfähigkeit und möglichst geringer Fremdbesatz. Im Hinblick auf die Reinigung und Aufarbeitung arbeitet Frese mit Spezialfirmen zusammen: „Die können das einfach besser.“ Eng verbunden ist der Herringhauser mit der Landwirtschaftskammer, über die die Anerkennung der Sorten läuft. Dazu wiederum gehören Kontrollen vor Ort – im Herbst und mehrfach im Frühjahr. Dabei wird geprüft, ob die geforderten Arbeitsschritte, die einwandfreies Saatgut gewährleisten, eingehalten werden.

Made in Herringhausen

Dass Raps ein höchst spezielles Saatgut ist, zeigt auch dies: Von den jeweiligen Sorten werden Genanalysen gefertigt, um zu garantieren, dass die beschriebene Sorte vorliegt. Rapssaat made in Herringhausen wird europaweit verkauft und reicht für mindestens 5000 Hektar Raps. Dabei, so Frese, vertraut jeder Züchter auf seine eigenen Vermehrer. Abhängig vom Markt sind die Saatgutproduzenten in hohem Maße. Die Planung erfolgt kurzfristig. Frese: „Es kann sein, dass die Entscheidung, wie viel gesät wird, erst drei Tage vor der Aussaat fällt.“ Übrigens: Bevor der Herringhauser Raps aussät, setzt er sich mit den Nachbarn in Verbindung. Ein zweites Rapsfeld direkt nebenan würde die Vermehrung unmöglich machen. Gute Kommunikation ist unabdingbar.

Zudem setzt Frese auf unendlich viele Mitarbeiter – Bienen. Ein Profiimker kommt genauso zum Zug wie zwei Hobbyimker. Der Landwirt: „Ich bin überzeugt, dass das was bringt.“ Er fügt hinzu: „Jeder Imker, der mich anspricht, erhält einen Platz.“

Neben Raps und Weizen („Diese Vermehrungskultur ist eher unspektakulär“) gilt es in diesem Jahr erstmals in Herringhausen, auch Kartoffeln zu vermehren. Ziel dabei sind homogene nicht zu große Kartoffeln in möglichst enger Sortierung (35 bis 55 Millimeter Durchmesser). Das klingt kompliziert – ist es auch. Ein Grund: Die Saatkartoffeln benötigen Schalenfestigkeit. Die prägt sich erst aus, wenn die Kartoffeln ausgereift sind. Der Kniff des Experten: Den Pflanzen wird vorgegaukelt, dass die Abreife beginnt. Dazu gehört, einige Wochen vorher abzuschätzen, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist, um das Laub zu entfernen. Wie beim Raps ist Handarbeit gefragt: Per Hand müssen Pflanzen entfernt werden, die vom Virus befallen sind. „Besonders unangenehm ist das Heraustragen der Pflanzen.“ Das muss sein, damit Blattläuse die Viren nicht weitertragen können ...

Die Saatgutvermehrung erfordert viel Handarbeit. Frese sagt: „Viele scheuen das, mir macht das Spaß.“ Unabhängig davon gilt, dass für jeden, der auf dem Acker tätig ist, das Wetter der entscheidende Faktor ist. Dabei kommt bei Jens Holger Frese mehrmals täglich das Internet zum Einsatz. Er weiß: „Auf Sicht werden Computer und Warenterminbörsen immer wichtiger.“ Dem Wetterbericht glaubt er dabei nicht ohne Weiteres. Zum für 14 Uhr angekündigten Regen sagte er: „Der kommt später.“ Und er hatte recht ...


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