Schweinemast Landwirtschaft im Altkreis Wittlage: Kurze Wege für Ferkel und Vieh

Umziehen ist Pflicht im Schweinestall – auch für Betriebsleiter Mathias Westermeyer. Foto: Karin KemperUmziehen ist Pflicht im Schweinestall – auch für Betriebsleiter Mathias Westermeyer. Foto: Karin Kemper

Bohmte. Einen Schweinemastbetrieb in Bohmte betreibt Mathias Westermeyer. Der Hof Rolfes/Westermeyer ist seit 1866 in Familienbesitz. Heute leben dort drei Generationen: die Senioren Wilhelm und Hanna Rolfes sowie Mathias und Johanna Westermeyer mit ihren drei Kindern.

Mit Landwirtschaft hat jeder Verbraucher auf die eine oder andere Art zu tun. Er ist in der Regel Kunde im Einzelhandel. Was erforderlich ist, bis etwa das Fleisch in der Ladentheke liegt, was der Landwirt tun und beachten muss, steht auf einem anderen Blatt.

Die Altenteiler, er Landwirtschaftsmeister, sie Meisterin der ländlichen Hauswirtschaft, versorgen heute Haus, Hof und Garten. Die junge Generation hat im Jahr 2005 den Hof übernommen und die Schweinemast auf knapp 2000 Mastplätze erweitert. Mathias Westermeyer ist Diplom-Agraringenieur, seine Frau Johanna Diplom-Ergotherapeutin (derzeit in Elternzeit).

Ohne einen fest angestellten Mitarbeiter wäre die Arbeit auf dem Hof nicht zu bewältigen. Mathias Westermeyer sagt: „Als ich groß wurde, hat meine Oma die Buchführung erledigt. Heute geht es nicht ohne PC-Arbeitsplatz.“ Die Beschäftigung mit Bestellungen und vielfältigen Dokumentationen nimmt inzwischen etwa ein Fünftel der Arbeitszeit ein.

Kontrolle wichtig

Zu den täglichen Arbeiten des Betriebsleiters zählt die Kontrolle im Stall, ob die Tiere gesund sind. Impfungen und Hygiene sind entscheidende Faktoren. Lüftung und Fütterung erfolgen weitgehend automatisch, sprich per Computersteuerung. Ist etwas nicht in Ordnung, erfolgt ein Signal – für jede der Boxen einzeln. Werden Tiere mit Antibiotika behandelt, werden sie gekennzeichnet. Dies geschieht im Übrigen dank Hygiene und Impfungen sehr selten, nur bei etwa 10 von 1000 Einzeltieren.

Westermeyer: „Der Betriebsleiter überwacht, trifft Entscheidungen. Durch die Automatisierung sind andere Bestandsgrößen möglich.“ Der Hof verfügt über eine eigene Mahl- und Mischanlage für das Tierfutter. „So haben wir selbst die Kontrolle über das Futter“, sagt der Betriebsleiter. Außerdem gilt: Auf rund 80 Hektar werden Mais, Roggen und Weizen angebaut und an die eigenen Schweine verfüttert. Die Ferkel kommen aus der Umgebung – vom elterlichen Hof und von Sehlmeyer aus Stirpe. Kurze Wege für Ferkel und Schlachtvieh sorgen für regionale Wertschöpfung.

Die Gülle wiederum dient auf dem Acker als Dünger. „CCM (gemahlene Maiskolben) ist ertragssicher und als Futter betriebswirtschaftlich interessant“, sagt der Landwirt. Das gilt nicht zuletzt deshalb, weil er den Stickstoff der Gülle gut aufnehmen kann und eine gute Vorfolgefrucht ist. Arbeitsspitzen liegen besonders in den Monaten März bis Mitte Mai, wenn die Bestellung auf den Äckern parallel zum Mastbetrieb erfolgt.

Antibiotikaeinsatz ist untersagt

Der Schweinemäster weiß im Voraus, was auf dem Hof geschieht. Die Abholung der innerhalb von vier Monaten von 25 auf 120 Kilo gemästeten Schweine steht ebenso im Terminkalender wie die Lieferung der Ferkel. Westermeyer: „Drei Durchgänge im Jahr sind ambitioniert. Aber es gibt durch die Direktanbindung an Lieferanten und Abnehmer wenig Spielraum.“ Konkrekt heißt das. Spätestens freitags werden die Schweine abgeholt, montags kommen neue. Zwischenzeitlich muss die Stallreinigung erfolgen. Der Hof Rolfes/Westermeyer ist EGO-Mitgliedsbetrieb – das bedeutet unter anderem, dass Antibiotikaeinsatz für das Eichenhof-Markenfleisch ab 40 Kilo Gewicht der Tiere untersagt ist.

In einem ist sich der Mäster sicher: „Im Laufe eines Jahres nehme ich alle Preisphasen mit. Die Marktabhängigkeit hält sich so in Grenzen. Entscheidend ist, dass ich die eigene Produktion im Griff habe, um bei den besseren Betrieben zu sein.“ Und weiter: „Immer jammern geht nicht. Wir müssen ehrlich sein. In den letzten Jahren haben die meisten Landwirte gut verdient.“

Zum Thema Tierwohl und Pflanzendüngung heißt es in Bohmte: „Wer korrekt dokumentiert, muss sich nicht verstecken.“ Das gilt speziell im Hinblick auf Einsatz von Antibiotika und Pflanzenschutzmitteln.

Rücksichtnahme und Wertschätzung

Westermeyer ist sich sicher: „Die niedrige Arbeitslosigkeit in der heimischen Region hängt auch von der funktionierenden Landwirtschaft ab.“ Das Spektrum der vor- und nachgelagerten Arbeitsplätze umfasst unter anderem Hersteller von Landmaschinen oder Bauunternehmen, die Biogasanlagen oder Ställe bauen.

Und eine weitere Pflicht gehört zum Betrieb (nicht nur in Bohmte): die Schadnagerbekämpfung. Einmal im Monat rückt eine Fachfirma an.

Als problematisch bezeichnen es Landwirte wie Mathias Westermeyer, dass die Entfremdung der Menschen von der Erzeugung von Nahrungsmitteln wächst – auch auf dem Lande. Die Leistungen für die Pflege der Kulturlandschaft und das dörfliche Miteinander würden als selbstverständlich hingenommen, Gerüche oder Verkehrsbehinderungen durch langsame Fahrzeuge aber kritisiert. Angebracht seien gegenseitige Rücksichtnahme und Wertschätzung.


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