Steuerberater für Klöster Dammer Benediktiner ein gefragter Ratgeber

Von Dirk Meyer

Bruder Stephan ist als einziger Steuerberater in der deutschen Ordenswelt unterwegs.

            

              Foto: Benediktiner/Daniel MeierBruder Stephan ist als einziger Steuerberater in der deutschen Ordenswelt unterwegs. Foto: Benediktiner/Daniel Meier

Damme. Aktenordner, Gesetzesbücher, Steuerliteratur, ein PC und ein großer Taschenrechner – eine eher ungewöhnliche Büroausstattung für einen Mönch. Sein Arbeitsplatz sei wie eine kleine Steuerberaterkanzlei, sagt Bruder Stephan Veith, Prior des Benediktinerklosters Damme: Er ist für Klöster in ganz Deutschland als Steuerberater aktiv.

Bruder Stephan hat vor 25 Jahren seine Steuerberaterprüfung bestanden und ist der einzige Steuerberater in der deutschen Ordenswelt. „Jede Woche melden sich mindestens vier Klöster bei mir in Damme, die mich um Rat und Unterstützung bitten.“ Viele Ratsuchende kommen zu ihm nach Damme. Und mehr als 800 Ordensleute und Verantwortliche in den Ordensverwaltungen hat er zudem in Seminaren zum Thema Steuerrecht geschult. Die große Nachfrage habe auch damit zu tun, dass das Steuerrecht in der Ordenswelt sehr speziell sei.

Bevor er in den Benediktinerorden eintrat, hatte er eine Ausbildung zum Steuerfachgehilfen absolviert und war bereits sechs Jahre in einer Kanzlei im hessischen Friedberg tätig. „Ich habe den Beruf sehr gerne gemacht, er ist keine staubige Materie, sondern er hat immer mit Menschen zu tun.“ Einer seiner damaligen Lehrer hatte ihm attestiert: „Sie haben das Zeug zur Steuerberaterprüfung.“ Grund genug für Bruder Stephan, seinen Abt zu bitten, nach einer weiteren Ausbildung zum Bilanzbuchhalter einen halbjährigen Intensivkurs zum Steuerberater anschließen zu dürfen. Angemerkt sei, dass diese nur von rund 30 Prozent der Anwärter bestanden wird. Bruder Stephan war einer von diesen. Er absolvierte seine Prüfung im bayerischen Ministerium für Finanzen in München erfolgreich und ist bei der Steuerberaterkammer, jetzt in Niedersachsen, als „Bruder Stephan“ registriert, was nicht üblich sei.

„Ich habe dann zunächst die steuerlichen Angelegenheiten des Klosters Münsterschwarzach begleitet und mich auf das Gemeinnützigkeitsrecht konzentriert.“ Das sei auch für andere Klöster interessant gewesen. „Seitdem gebe ich mein Wissen auch im Auftrag der Vereinigung der Ordensgemeinschaften in Deutschland (DOK) weiter.“

Mit seiner für Mönche ungewöhnlichen Qualifikation habe er bereits viele unterstützen können. Dazu zählten auch Steuerberater außerhalb des Ordens, die sich bei ihm Rat in der Ordensbesteuerung holten. „Bei manchen Finanzämtern bin ich als Steuerberater-Mönch bekannt.“ Auch die betriebswirtschaftliche Beratung für Orden gehört zu seinem Metier: „Ich habe auch schon angeraten, Ordenseinrichtungen zu schließen, wenn die wirtschaftliche Situation das verlangte.“

Gewissenskonflikte in steuerlichen Belangen gibt es für Bruder Stephan eher selten: „Ich kenne die Grenzen und Möglichkeiten, die das Steuerrecht hat.“